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  • Ensemble in Komplementärfarben: Der gelbe Schaucontainer ist das zukünftige Kontrollzentrum für Echtzeitmessungen im überdachten Außenbecken des ICBM [Foto: H. Nicolai, ICBM].

    Ensemble in Komplementärfarben: Der gelbe Schaucontainer ist das zukünftige Kontrollzentrum für Echtzeitmessungen im überdachten Außenbecken des ICBM [Foto: H. Nicolai, ICBM].

Neues Leben für Schaucontainer

Der ehemalige ICBM-Schaucontainer wurde jetzt nahe den Außenbecken am Standort Wilhelmshaven aufgestellt. Zuvor hatte eines der Becken eine Überdachung erhalten, um dort auch wetterunabhängige Experimente zu ermöglichen. Hier wird der Container empfindliche Datenlogger und Computer für Echtzeitmessungen im Becken aufnehmen und so zum Kontrollraum – zunächst für wissenschaftliche Beregnungsversuche – des Zentrums für Marine Sensorsysteme (ZfMarS) am ICBM.

 

Dauermesstationsnachbau wird wissenschaftlicher Kontrollraum
Der ehemalige ICBM-Schaucontainer wurde jetzt nahe den Außenbecken am Standort Wilhelmshaven aufgestellt. Zuvor hatte eines der Becken eine Überdachung erhalten, um dort auch wetterunabhängige Experimente zu ermöglichen. Hier wird der Container empfindliche Datenlogger und Computer für Echtzeitmessungen im Becken aufnehmen und so zum Kontrollraum – zunächst für wissenschaftliche Beregnungsversuche – des Zentrums für Marine Sensorsysteme (ZfMarS) am ICBM.

Mit einem auffällig gelben Container holte das ICBM 2009 seine Spiekerooger Dauermessstation in die Oldenburger Innenstadt. Aus Anlass Oldenburgs als „Stadt der Wissenschaft“ stellte das Institut damals für rund fünf Monate seine aktuelle Forschung in der Station und darüber hinaus der interessierten Öffentlichkeit nahe dem PFL an der Peterstraße vor. Danach war der Container über mehrere Jahre im Rahmen einer Wanderausstellung an verschiedenen Orten vor allem der Ostfriesischen Halbinsel, aber auch mehrfach in Hannover zu sehen, unter anderem auch auf der IdeenExpo. Von Emden über Norddeich, Spiekeroog, Schillig, Jever, Wilhelmshaven und Tossens – überall stieß der Schaucontainer auf reges Interesse, sowohl von Touristen, als auch unter den Anwohnern.
 

Der ICBM-Messtationsnachbau anlässlich des Niedersächsischen Forschungstages „flux“ im Mai 2017 am Schloss Herrenhausen in Hannover [Foto: S. Riexinger, ICBM].

Zuletzt jedoch waren es aufgrund der kosten- und personalintensiven Einsätze nur noch wenige Gelegenheiten, zu denen der leuchtendgelbe Showroom genutzt wurde. Nachnutzungsmöglichkeiten waren gefragt. Hatte man zwischenzeitlich sogar erwogen, den Container an Interessierte abzugeben, ergab sich jetzt die Möglichkeit für ein „zweites Leben“ des mit zwei Türen, einem großen dreiflügeligen Fenster, einer Heizung, EDV-Leitungen, Deckenbeleuchtung und hydraulischen Stempeln zur Höhenverstellung ausgestatteten Schaucontainers.

Eines der Außenbecken war kürzlich mit einer zu öffnenden Poolüberdachung versehen worden, die auch wetterunabhängige Experimente erlaubt. Dies wäre übrigens ohne die aufwändigen Arbeiten für eine Fundamentmauer durch die Mitarbeiter der ICBM-Werkstatt, insbesondere des Werkstattleiters Helmo Nicolai und seines Kollegen Gerrit Behrens, nicht möglich gewesen. Beide organisierten auch den Transport des sechs Tonnen schweren Containers. – Derzeit wird eine Regenanlage installiert und eine Strömungspumpe ergänzt demnächst die Simulationsmöglichkeiten im Außenbecken.

In dem Container-Außenbeckenensemble soll künftig zunächst über Beregnungsversuche geklärt werden, wo das Süßwasser eines Regenschauers bleibt, wenn es auf die Meeresoberfläche prasselt. Beeinflusst wird dies von Messgrößen wie der Bewegtheit des Meeres, Salzgehalt, Strömungen, Luft- und Wassertemperaturen, damit der Verdunstungsgeschwindigkeit und schließlich auch der Intensität des Regens. Dazu kommt, dass sich unter günstigen Bedingungen ein hauchdünner Film auf der Meeresoberfläche bildet, der den Stoff- und Energieaustausch beeinflusst.

Die Doktorandin Lisa Gassen in der Arbeitsgruppe von Meereschemiker Prof. Dr. Oliver Wurl am ZfMarS plant bereits erste Versuche, um zu klären, wie sich das Regenwasser im dichteren Meerwasser unter den verschiedenen Bedingungen verteilt. Dr. Thomas Badewien von der Arbeitsgruppe Marine Sensorsysteme am ZfMarS wird sie dabei unterstützen. "Die Vorgänge an der Grenzfläche zwischen Atmosphäre und Ozean spielen eine wichtige Rolle in den globalen Stoffkreisläufen", so Badewien. Die Prozesse wolle man besser verstehen, um etwa Auswirkungen von Umweltveränderungen besser abschätzen zu können. Der neue Versuchsaufbau ermögliche es, wichtige Experimente unter kontrollierten Bedingungen durchzuführen.

Den Showcharakter wird der gelbe Container indes nicht völlig verlieren: Über wechselnde Banner auf seiner zum Seedeich orientierten Rückseite werden Deichspaziergänger zukünftig über die aktuelle Forschung am ICBM informiert.

 

(Stand: 29.09.2020)