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HAPTIK – Handelbarkeit physikalischer Güter durch digitale Token in Konsortialnetzwerken

Ein großer Anteil der weltweiten Transportmenge entfällt auf den Schiffsverkehr. Im Jahre 2010 wurden insgesamt 60.053 Bio. Tonnenkilometer zurückgelegt. Bis zum Jahr 2050 soll sich diese Zahl sogar vervierfachen. In Deutschland wurden im Spitzenjahr 2008, also noch vor der Weltwirtschaftskrise, insgesamt über 316 Mio. Tonnen an Gütern umgeschlagen.

Die moderne Handelsschifffahrt ist geprägt von der Verwendung einer Vielzahl verschiedener Dokumente. Dabei reichen die Dokumentationsverpflichtungen von der Führung von Schiffszeugnissen, über das Anlegen von Schiffstagebüchern bis hin zu Transportdokumenten, welche für den eigentlichen Güterverkehr notwendig sind.

Wichtigstes Dokument des Güterverkehrs ist nach wie vor das Konnossement (engl. Bill of Lading bzw. B/L). Es erfüllt mehrere Funktionen: Zum einen beweist es, dass ein Gut in der beschriebenen Form durch den Verfrachter übernommen wurde. Zum anderen verbrieft es die Verpflichtung, das Gut zum Bestimmungsort zu liefern und an den Empfänger abzuliefern. Darüber hinaus kann die Übereignung des im B/L genannten Gutes durch die Übertragung des B/L ersetzt werden (Traditionsfunktion). Bislang ist es notwendig, dass das B/L in Papierform durch die Hände der Beteiligten des Transportprozesses gereicht wird, damit diese eine Prüfung der Dokumente vornehmen können. Der damit verbundene Zeit- und Kostenaufwand ist immens.

Der deutsche Gesetzgeber hat die Notwendigkeit elektronischer B/L erkannt und mit Einführung des § 516 Abs. 2 HGB dem B/L seine elektronische Aufzeichnung gleichgestellt. Voraussetzung ist die funktionelle Äquivalenz des digitalen B/L. Digitale B/L, auch als Token-B/L bezeichnet, lassen sich per Mausklick innerhalb von Sekunden erstellen, übertragen und auf ihre Richtigkeit hin überprüfen. Der gesamte Dokumententransfer wird dadurch erheblich beschleunigt und das Problem der Ablieferung des Transportgutes ohne Vorlage papiergestützter B/L gelöst. Das zentrale Ziel des Vorhabens ist es, eine auf Distributed Ledger Technologie basierende Plattform zu entwickeln, welche die Erzeugung und den Handel digitaler tokens ermöglicht. Diese tokens sollen als elektronische B/L dienen.

Durch die permanente juristische Begleitung des Projektvorhabens ist zu jedem Zeitpunkt sichergestellt, dass das Token-B/L den rechtlichen Voraussetzungen genügt. Damit leistet das Vorhaben einen erheblichen Beitrag zur Blockchain-Strategie der Bundesregierung. Zudem wird durch den Einsatz des Token-B/L der Handel enorm beschleunigt und schlussendlich kosteneffizienter gestaltet. Gerade vor dem Hintergrund der immer noch andauernden Krise der Schifffahrt sind die Unternehmen auf weitere Kosteneinsparungen angewiesen. Die aufwändige papiergestützte Dokumentation des Transports entfällt durch den Einsatz des Token-B/L genauso wie die aufwändige, von Hand vorgenommene Dokumentenprüfung. Container, über die ein Token-B/L ausgestellt wurde, können bis zu 5 Tage schneller wieder in den Umlauf gebracht werden.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) fördert das Projekt seit Januar 2019 mit 1,4 Millionen Euro. Die Projektlaufzeit beträgt drei Jahre. Das Projekt ist Teil des Technologieprogramms „Smarte Datenwirtschaft“ des BMWi.

 

Projektbeteiligte:

Universität Oldenburg:

Prof. Dr. Prof. h. c. Jürgen Taeger (Projektleiter); Wiss. Mitarbeiter David Saive;
Prof. Dr. Jorge Marx Gómez; Wiss. Mitarbeiter Stefan Wunderlich; Wiss. Mitarbeiter Thomas Janicki; Stud. Mitarbeiterin Jule Stabel

 

Schenker AG:

Dieter Sellner, Marvin Lamberjohann

 

OFFIS:

Prof. Dr. Axel Hahn; Wiss. Mitarbeiter Dr. Benjamin Weinert; Wiss. Mitarbeiterin PD Dr. Sibylle Fröschle

 

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