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  • Die Rektorin der Universität Bremen, Prof. Dr. Jutta Günther, startete ihre akademische Karriere über den zweiten Bildungsweg.

    Die Rektorin der Universität Bremen, Prof. Dr. Jutta Günther, startete ihre akademische Karriere über den zweiten Bildungsweg. Jan Rathke, Universität Bremen

Von der Apothekenhelferin zur Universitätsrektorin

Warum ein durchlässiges Bildungssystem volkswirtschaftlich wertvoll ist, zeigt der Karriereweg von Jutta Günther. 

Die Volkswirtschaftlerin Jutta Günther erklärt im Interview, warum nicht lineare Berufswege kein Makel sind, warum Weiterbildung essenziell ist und wieso es sich lohnt, neugierig zu sein. 

Frau Prof. Dr. Günther, wie gelingt eine Karriere, die von der Apothekenhelferin zur Universitätsrektorin führt?
Ich war immer neugierig, was auf dem Berufsweg noch geht. Nach zwei Ausbildungen im pharmazeutischen Bereich habe ich als Technische Assistentin an der Freien Universität Berlin erste Einblicke in die Welt der Wissenschaft bekommen. Über ein Projekt in Kolumbien, bei dem es um die Herstellung von Medizin per Handarbeit ging, wurde mein Interesse an entwicklungsökonomischen Fragen geweckt. Deshalb wollte ich Sozial- und Wirtschaftswissenschaften studieren. An der Universität Oldenburg war das nach einjähriger Vorbereitung über die sogenannte Z-Prüfung möglich. Nach vielen Stationen in Forschung und Wissenschaft folgte die Berufung auf meine Professur für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bremen, an der ich seit fast vier Jahren Rektorin bin. Mein Weg war mit vielen Höhen und Tiefen verbunden und ohne akademischen Hintergrund meiner Familie nicht vorgezeichnet. 

Sie gehen offen damit um, dass ihr Berufsweg nicht gerade verlaufen ist – warum? 
Manche betrachten nicht lineare Karrieren als Makel. Indem ich betone, über den zweiten Bildungsweg studiert zu haben, möchte ich Menschen ermutigen, sich zum Beispiel beruflich neu zu orientieren oder einen Hochschulzugang nachzuholen. Ein Studium direkt nach der Schule oder später zu beginnen, ist nicht besser oder schlechter. Aber natürlich bringt jemand mit vielfältigen beruflichen Erfahrungen andere Kompetenzen mit. So kann genau das zum Erfolg führen, was zunächst als Umweg erscheint.

Eine Frage an die Volkswirtschaftlerin: Wie wichtig ist es, sich umorientieren und weiterbilden zu können? 
Ohne ein durchlässiges Bildungssystem würden enorm viele Chancen vergeben. Im Lauf einer Karriere neue Kompetenzen zu entdecken, ist nicht nur aus individueller Perspektive, sondern auch gesamtwirtschaftlich total wertvoll. Wir leben in sehr dynamischen Zeiten, nicht nur mit Blick auf die technologische Entwicklung. Deshalb sind permanente Weiterbildung und Qualifizierung so wichtig. Wir sollten Menschen ermutigen, sich über lebenslanges Lernen weiterzuentwickeln – und dabei auch bis an ihre Grenzen zu gehen. 

Wenn Weiterbildung für anstehende Transformationen so wichtig ist – sollten Hochschulen das lebenslange Lernen stärker gewichten?
Die Universität Oldenburg ist bei der Weiterbildung von jeher führend, wie ich schon in meiner Zeit als Studentin bemerkt habe. Die Kapazitäten und Möglichkeiten sind deutlich größer als etwa bei uns in Bremen. Es ist eine strategische Frage, inwieweit Universitäten den bestehenden Bedarf an Weiterbildung decken sollten. Wird dies bejaht, müssten Länder ihre Hochschulen mit entsprechenden Ressourcen ausstatten. 

Die Universitäten Bremen und Oldenburg gehen im Wettbewerb um Exzellenz einen gemeinsamen Weg. Dieser führt Sie gut 30 Jahre nach ihrem Hochschulzugang gelegentlich wieder nach Oldenburg … 
Der Campus Haarentor, auf dem wir Z-Prüflinge zusammen gelitten und gefeiert haben, weckt viele schöne Erinnerungen. Dass ich jetzt mit der Universität Oldenburg, die mir die Tür in die akademische Welt geöffnet hat, die Northwest Alliance mitgestalten darf – das ist einfach fantastisch.

Zur Person 
Jutta Günther, seit September 2022 Rektorin der Universität Bremen, leitete dort seit 2014 als Professorin für Volkswirtschaftslehre ein internationales Forschungsteam im Bereich Innovationsökonomik. Vor ihrer Zeit an der Universität Bremen war Jutta Günther in leitenden Positionen am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle tätig. Weitere Stationen ihrer wissenschaftlichen Laufbahn waren die Universitäten in Jena (Habilitation), Osnabrück (Promotion) und Oldenburg (Studium) mit Studien- und Forschungsaufenthalten u.a. in den USA (Fulbright), Japan, Norwegen und Russland (DAAD). 

Ohne Abi an die Uni
Die sogenannte Zulassungsprüfung,
kurz Z-Prüfung, hat seit den 70er Jahren mehr als 5.000 Studierenden den Zugang zur Universität Oldenburg ermöglicht. Das Verfahren mit schriftlichen und mündlichen Prüfungen wird am C3L organisiert. Zuletzt wurde dieser Weg zur Hochschule seltener in Anspruch genommen, da beruflich Qualifizierte inzwischen ein fachlich anschließendes Studium aufnehmen können. Die Z-Prüfung wird heute vor allem genutzt, um sich beruflich neu zu orientieren.

(Stand: 24.06.2026)  Kurz-URL:Shortlink: https://uol.de/p113576n13700
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