Ziele des Artikels
Ein großer Unterschied in der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen sind Krankenhausaufenthalte. Krankenhausaufenthalte von Pflegeheimbewohnern sind mit weitreichenden Komplikationen verbunden (z.B. Krankenhausinfektionen) und sie führen zu erhöhten Kosten im Gesundheitswesen. Viele dieser Krankenhausaufenthalte gelten als potentiell vermeidbar. Die Anteile von Bewohnern mit Krankenhausaufenthalten schwanken zwischen verschiedenen Ländern stark – auch zwischen Nachbarländern wie Deutschland und den Niederlanden. Eine systematische Gegenüberstellung fehlte bisher allerdings. In einer systematischen Literaturübersicht sollten daher die Anteile der Pflegeheimbewohner mit Krankenhauseinweisungen zwischen beiden Ländern verglichen werden. Der Fokus wurde auf Zeitperioden gelegt, in denen das Risiko für Krankenhausaufenthalte besonders erhöht ist, d. h. die ersten sechs Monate nach der Aufnahme ins Heim und die letzten sechs Monate vor dem Tod.
Die wichtigsten Ergebnisse
Es wurden 3 biomedizinische Literaturdatenbanken (MEDLINE via Pubmed, EMBASE und CINAHL) durchsucht, um alle Beobachtungsstudien bis zum Publikationsdatum 3. Mai 2022 auf ihre Eignung hin zu untersuchen. Nach der Prüfung von 1.856 Datensätzen konnten schließlich 9 Studien eingeschlossen werden, die in 14 Artikeln veröffentlicht wurden (Deutschland: 8; Niederlande: 6). Eine Studie pro Land untersuchte die ersten 6 Monate nach der Heimeinweisung. Insgesamt 10% der niederländischen und 42% der deutschen Pflegeheimbewohner wurden in diesem Zeitraum ins Krankenhaus eingeliefert. Insgesamt berichteten 7 Studien über Sterbefälle im Krankenhaus, wobei der Anteil in Deutschland um 29% schwankte und in den Niederlanden zwischen 1% und 16% lag. Die Anteile der Krankenhausaufenthalte in den letzten 30 Lebenstagen reichten von 8% bis 16% (Niederlande: n = 2) und von 49% bis 58% (Deutschland: n = 3). Nur in den deutschen Studien wurden Unterschiede nach Alter und Geschlecht untersucht. Obwohl Krankenhausaufenthalte im höheren Alter seltener waren, traten sie bei männlichen Bewohnern häufiger auf.
Implikationen
Die höheren Zahlen für Deutschland lassen sich wahrscheinlich durch Unterschiede in den Pflegesystemen erklären. Insbesondere für die ersten Monate nach der Heimaufnahme besteht ein Forschungsdefizit. Die Erkenntnisse dieser Arbeit fließen in zukünftige Studien ein, die die Versorgungsprozesse von Pflegeheimbewohnern genauer beleuchten werden. Unnötige Krankenhaustransporte sollten zum Wohle der Pflegeheimbewohner vermieden werden.
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Diese Studie ist zu finden unter: www.jamda.com/article/S1525-8610(23)00108-1/pdf
Fassmer AM, Allers K, Helbach J, Zuidema S, Freitag M, Zieschang, T, Hoffmann F. Hospitalization of German and Dutch Nursing Home Residents Depend on Different Long-Term Care Structures: A Systematic Review on Periods of Increased Vulnerability. Journal of the American Medical Directors Association 2023. Volume 24, Issue 5, P609-618.E6, May 2023