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Migrationsökologie
Was ist Migrationsökologie?
Die Migrationsökologie befasst sich mit der wissenschaftlichen Erforschung von Tierwanderungen. Wichtige Forschungsfragen behandeln die genetische Grundlage des Migrationssyndroms, welche spezifischen Fähigkeiten Tiere für die Wanderungen benötigen, wie proximate und ultimate Mechanismen die räumliche und zeitliche Verteilung und Häufigkeit von wandernden Tieren innerhalb des Jahreszyklus beeinflussen, die Wechselwirkungen zwischen den Tieren und ihrer biotischen und abiotischen Umwelt und wie die wandernde Tiere auf die Energie- und Stoffkreisläufe innerhalb und zwischen Ökosystemen einwirken.
Forschungsschwerpunkte
Aktuelles
10.09.2026 - neue Publikation zum Thema Artenschutz
Viele Singvogelarten ziehen nachts, oft alleine, und in sich abwechselnden Flug- und Rastphasen. Letztere dienen dazu, um sich auszuruhen, zu erholen und neue Energiereserven zu tanken. Die Entscheidung darüber, wann sie landen und wann sie den Zug fortsetzen, kann dafür entscheidend sein, ob sie die Reise überleben. In einer Auswertung von fast 1.500 Studien haben wir fünf zentrale Wissenslücken in unserem Verständnis dieser Entscheidungen identifiziert – von der Frage, wo Vögel unterwegs sterben, bis hin dazu, wie Prädationsrisiko und Habitatqualität den Zug beeinflussen können. Wir schlagen neue Forschungsansätze vor, um diese Lücken zu schließen und zeigen konkrete Richtungen für zukünftige Studien auf; Wissen, das für den Schutz bedrohter Zugvogelpopulationen unerlässlich ist.
Bloche, D.A.F., Schmaljohann, H. and Sapir, N. (2026), Knowledge gaps and research directions in migration ecology for advancing the conservation of migratory songbirds. Biol Rev. https://doi.org/10.1002/brv.70209
01.09.2026 - Neues zum Steinschmätzer auf Norderney
In unserer neuen Studie haben wir untersucht, inwiefern der Zeitpunkt der Fortpflanzung bei Steinschmätzern auf der Insel Norderney mit Merkmalen auf Standort- und Individuenebene zusammenhängt. Wir haben über fünf aufeinanderfolgende Jahre hinweg Nistdaten erhoben und dabei je nach Lebensraumtyp einige interessante Muster festgestellt. Unsere Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, natürliche Dünenlebensräume zu erhalten, die Kaninchenpopulationen zu erhalten und eine weitere Ausdehnung anthropogener Flächen zu vermeiden, um geeigneten Lebensraum für diese Art auf der Insel zu bewahren.
Sandretti-Silva, G., Kirsten, L., Züst, Z., Peter, A., Reich, H., Ulber, J., Schmaljohann, H. (2026) Hatching date in Northern Wheatears, as a proxy of nest site selection, shows a longitudinal gradient in the white dunes and occurs earlier in older males in the grey dunes on Norderney. Journal of Ornithology . https://doi.org/10.1007/s10336-026-02435-z
27.07.2026 - Bewertung der Wirksamkeit von Lasern zur Abschreckung von Vögeln
Um die Wirksamkeit von Lasern zur Abschreckung von Vögeln zu bewerten, beispielsweise zum Schutz von Flugplätzen oder landwirtschaftlichen Flächen, haben wir Daten aus 159 weltweit durchgeführten Experimenten für eine Meta-Analyse zusammengetragen. Unsere Ergebnisse zeigen Folgendes: Obwohl der primäre Zweck von Laserabschreckungssystemen darin besteht, Sachschäden zu verhindern, wurden in der überwiegenden Zahl der Studien (96 %) die Effekte indirekt über Verhaltensänderungen der Vögel erfasst und nicht direkt anhand von schadensbezogenen Ergebnissen. Die Daten stammen überwiegend aus Feuchtgebieten, während Informationen aus Flughäfen besonders rar sind. Laseranwendungen reduzierten die Vogelpräsenz um 59 %, wobei die abschreckende Wirkung nach Beendigung der Laseroperationen allmählich abnahm und kein statistisch signifikanter Dauer-Effekt nachgewiesen werden konnte. Grüne Laser der Klasse 3B, unabhängig von manueller oder automatischer Anwendung, zeigten eine wirksame Abschreckung von Wasservögeln und Singvögeln, insbesondere wenn es nicht besonders hell ist, und in natürlichen Feldstudien. Die vorliegenden Daten zeigen keine klare Hinweise auf Habituation der Vögel an die Laserstrahlen. Insgesamt deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass Laserabschreckung eine vielversprechende, nicht-tödliche Methode darstellt, um Mensch-Vogel-Konflikte zu lösen. Wieland Heim steuerte für diese Studie Daten zu besenderten Weißwangengänsen aus seinem Postdoc-Projekt in Finnland bei.
Huang C, Heim W, Elbers A, Lee TM, Yang L (2026) Evaluating the effectiveness of lasers in deterring birds based on global systematic evidence. Journal of Applied Ecology 63(8): e70540 [https://doi.org/10.1111/1365-2664.70540]
20.07.2026 - Multisensor-Tracking offenbart das Ausmaß des nächtlichen Zuges bei Landvögeln
Basierend auf Daten von Multisensor-Geolokatoren von 411 Individuen aus 56 kleinen oder mittelgroßen Landvogelarten auf vier Kontinenten haben wir den Anteil jeder Flugstrecke ermittelt, der während der Nacht oder des Tages stattfand. Unsere artenbasierte Quantifizierung bestätigt den nächtlichen Zug als dominierende Strategie bei kleinen Landvögeln und liefert zudem präzise Schätzungen des Fluganteils über eine Vielzahl von Arten. Zudem wird die Klassifikation mehrerer Arten, die bisher zum Teil als Tagzieher beschrieben wurden, verfeinert. Wieland Heim trug mit Daten von Schieferdrosseln und Rubinkehlchen aus Sibirien zu dieser Studie bei.
Dufour P, Nussbaumer R, Doniol-Valcroze P, …. Heim W, … Briedis M (2026) Multi-sensor tracking reveals the extent of nocturnal migration in landbirds. Current Biology 36(14): 3697-3706.e3 [https://doi.org/10.1016/j.cub.2026.06.030]
02.07.2026 - Maisfelder als Habitat für Singvögel zur Zugzeit
Wir führten eine großflächige, langfristige Vogelberingungsstudie (2016–2024) auf 77 Maisfeldern in Deutschland durch. Wir analysierten die Zusammenhänge zwischen Vogelanzahl und Artenvielfalt mit der Entfernung zu Feldrändern, der Zusammensetzung der umgebenden Landschaft auf mehreren räumlichen Skalen sowie der Bedeckung mit Beikräutern. Die Vogelanzahl und Artenvielfalt nahmen mit zunehmendem Maisanteil auf Landschaftsebene ab. Der Einfluss von Waldanteil und baumartigen Strukturen variierte erheblich zwischen Arten, hatte jedoch insgesamt eine positive Wirkung auf die Artenvielfalt. Auf Feldskala führten Beikräuter und eine geringe Entfernung zu Feldrändern konsistent zu höheren Vogelzahlen und höherer Artenvielfalt. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Förderung heterogener Landschaften, die Reduzierung der Entfernung zu Feldrändern - beispielsweise durch die Bewirtschaftung kleinerer oder schmalerer Felder - sowie die Anwesenheit von Beikräutern die Vogelanzahl und Artenvielfalt in maisdominierten Landschaften erhöhen können. Wieland Heim beteiligte sich an dieser Studie mit Beringungsplätzen in Maisfeldern in Münster und am Bodensee.
Rieger M, Heim W, Kövér L, Gottschalk TK (2026) Maize fields as post-breeding habitat for songbirds: influence of landscape composition, field margins, and weed infestation. Agriculture, Ecosystems and Environment 411: 110619 [https://doi.org/10.1016/j.agee.2026.110619]
01.07.2026 - Guter Start in den Juli
Anfang Juli konnten wir unsere neue Doktorandin Jule Koch begrüßen. Außerdem hat die Arbeitsgruppe einen schönen Tag beim Betriebsausflug an der Thülsfelder Talsperre verbracht.
Wir sind ein wichtiger Bestandteil der folgenden kooperativen Forschungsbereiche:
Magnetorezeption und Navigation bei Wirbeltieren: von der Biophysik zum Gehirn und Verhalten
Das zentrale Ziel des Sonderforschungsbereichs (SFB) 1372 ist es, ein umfassendes und multidisziplinäres Verständnis der Magnetrezeption und Navigation bei Wirbeltieren zu erlangen, von den biophysikalischen Mechanismen bis zum natürlichen Verhalten navigierender Tiere, unter Berücksichtigung aller Zwischenschritte.
Exzellente Forschung zur Tiernavigation
Der wissenschaftliche Auftrag des Exzellenzcluster-Antrags NaviSense besteht darin, ein gründliches, interdisziplinäres Verständnis der Mechanismen zu schaffen, die von Tieren zur Navigation genutzt werden, und zu erforschen, wie diese Mechanismen die Technologie inspirieren und sich auf die Gesellschaft, die Ökologie und die biologische Vielfalt auswirken können.