Kontakt

Telefon (49) 441-798 3186

Fax (49) 441-798 4596

E-mail

Raum A10 1-107

Sprechstunde: nach Vereinbarung

 

DFG-Forschungsprojekt "Literaturkonzepte der juristischen und politischen Eliten" (abgeschlossen)

DFG-Projekt Ralf Grüttemeier: „Ein Land der mittelmäßigen Literatur“. Literaturkonzepte der juristischen und politischen Eliten in den Niederlanden im 20. Jahrhundert

Das Projekt hat den Nachweis erbracht, dass die Untersuchung der Konzepte von Literatur innerhalb der niederländischen juristischen und politischen Eliten relevante Bausteine für eine Präzisierung der Geschichte des literarischen Feldes der Niederlande im 20. Jahrhundert liefern kann. Dazu wurden noch nicht untersuchte Quellen herangezogen. Im Bereich der Politik wurden systematisch die parlamentarischen Debatten von 1900 bis ins 21. Jahrhundert analysiert, in denen Literatur eine Rolle spielte. Auf juristischer Ebene wurden, in Ergänzung und Kontextualisierung der bislang untersuchten Prozessdokumente, alle verfügbaren Texte und Archivalien aller Personen herangezogen, die als Rechtsanwälte in den wichtigsten niederländischen literarischen Prozessen fungiert haben. Diese Quellen wurden in einer Pilotstudie ergänzt durch im Projekt durchgeführte Interviews mit drei Richtern an den höchsten niederländischen Gerichten, die zu ihren Literaturpräferenzen befragt wurden. Die auf dieser Quellengrundlage rekonstruierte Sicht der juristischen und politischen Eliten auf Literatur erwies sich als homologer in Bezug auf zeitgenössische Literaturkonzepte im Zentrum des literarischen Feldes als erwartet. Diese Homologie wurde maßgeblich in zwei Autonomisierungsschüben geprägt, einer um 1920 und einer in den 1960 Jahren, die sowohl von den literarischen als auch von den juristischen und politischen Eliten vorangetrieben wurden. Die Schübe haben nicht nur das niederländische literarische Feld, wie wir es heute kennen, im wesentlichen geprägt, sondern auch die Sichtweise der juristischen und politischen Eliten auf Literatur. Diese vertreten – auf der Grundlage eines von den Tachtigers inspirierten Literaturverständnisses – stärker von pragmatischen poetologischen Tendenzen geprägte Literaturkonzepte als die Poetiken, die ab den 1960er Jahren im Zentrum des literarischen Feldes dominieren. Durch einen computergestützten Vergleich der literarischen Verweise (sog. mentions) in niederländischen, deutschen und britischen Parlamentsdebatten für den Zeitraum 1994-2018 ergaben sich zudem weitere empirische Hinweise auf eine relativ geringe Wertschätzung der niederländischen juristischen und politischen Eliten für moderne niederländische Literatur.  Der im Projekt entwickelte computationelle mentions-Ansatz hat dabei nicht nur hohes methodisches Potenzial als Instrument für empirisch fundierte, international vergleichende Studien zum Verhältnis von Literatur zum Feld der Macht bewiesen: Er verspricht Innovationspotenzial für das Feld der Digital Humanities insgesamt.

DFG-Projekt Ralf Grüttemeier: “A country of mediocre literature”. Literary concepts of the juridical and political elites in the Netherlands in the 20th century

The project has demonstrated that examining the concepts of literature within Dutch legal and political elites can provide relevant building blocks for clarifying the history of the literary field in the Netherlands in the 20th century. To this end, previously unexamined sources were consulted. In the field of politics, parliamentary debates from 1900 to the 21st century in which literature played a role were systematically analyzed. At the legal level, in addition to and contextualizing the trial documents examined to date, all available texts and archival materials of all persons who acted as lawyers in the most important Dutch literary trials were consulted. In a pilot study, these sources were supplemented by interviews conducted as part of the project with three judges from the highest Dutch courts, who were asked about their literary preferences. The view of literature held by legal and political elites, reconstructed on the basis of these sources, proved to be more homologous with contemporary literary concepts at the center of the literary field than expected. This homology was significantly shaped by two waves of autonomization, one around 1920 and one in the 1960s, which were driven by both literary and legal and political elites. These waves not only fundamentally shaped the Dutch literary field as we know it today, but also the views of legal and political elites on literature. Based on an understanding of literature inspired by the Tachtigers, these elites advocate literary concepts that are more strongly influenced by pragmatic poetological tendencies than the poetics that have dominated the centre of the literary field since the 1960s. A computer-assisted comparison of literary references (so-called mentions) in Dutch, German, and British parliamentary debates for the period 1994-2018 provided further empirical evidence of a relatively low appreciation of modern Dutch literature among Dutch legal and political elites.  The computational mentions approach developed in the project has not only demonstrated high methodological potential as a tool for empirically based, internationally comparative studies on the relationship between literature and the field of power: it also promises innovation potential for the field of digital humanities as a whole.

(Stand: 17.03.2026)  Kurz-URL:Shortlink: https://uol.de/p61216
Zum Seitananfang scrollen Scroll to the top of the page