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Forschungsvorhaben COMTESS

Klimawandel bedroht Küstengebiete in Nordwest-Europa in erster Linie durch eine Zunahme der Sturmfluten, beschleunigten Meeresspiegelanstieg und zunehmende Regenwasserabflussmengen im Winter. Das heutige Küstenmanagement basiert vor allem auf Flutschutzmaßnahmen durch Deiche und Grundwasserregulation durch Entwässerung. Die Effizienz dieser Maßnahmen in der Zukunft wird sehr wahrscheinlich durch den beschleunigten Meeresspiegelanstieg und Veränderungen in hydrologischen Zyklen beschränkt. Vor diesem Hintergrund wird COMTESS inter- und transdisziplinäre Studien dreier Szenarien durchführen, die auf eine Nordsee- und eine Ostseeküstenregion in Deutschland übertragen werden: (1) Wasser Management: Bau einer zweiten Küstenschutzlinie im Hinterland anstelle einer Erhöhung des Primärdeiches sowie Schaffung eines Süßwasser-Flutpolders zwischen den beiden Deichlinien. Vorrangige Ziele dieses Szenarios sind die Beschränkung von Überflutungen auf den Polderbereich im Falle von vereinzelten Deichbrüchen, die Zunahme der Rückhaltung von Süßwasser für eine Nutzung während Trockenperioden, die Vorbeugung von unterirdischem Eindringen von Salzwasser und die Nutzung von Röhrichtbeständen für grüne Energie. (2) Kohlenstoff-Sequestrierung: vergleichbar mit dem ersten Szenario, jedoch werden die Polderflächen von Schilfbeständen bestimmt, die zu einer aktiven Torfbildung beitragen. (3) Trend: Milchviehhaltung und Grünlandbewirtschaftungen wie im Moment üblich. Überflutungen können die Landnutzung jedoch empfindlich stören, höhere Entwässerungskosten verursachen und damit die ökologische und ökonomische Tragfähigkeit dieser Form der Landnutzung verringern. (4) Stakeholder basiert: Die drei vorgenannten Szenarien werden durch Stakeholder evaluiert. Erkennbar wichtige und durch Stakeholder präferierte Landnutzungsformen, die bisher nicht berücksichtigt sind, bilden die Basis für dieses Szenario.

Jedes Szenario impliziert die Priorisierung bestimmter Ökosystem-Dienstleistungen [ecosystem services ESS] (z.B. Nahrungsproduktion gegenüber Wassermanagement gegenüber Kohlenstoff-Sequestrierung) wie auch Synergien und Konflikte mit anderen ESS (z.B. Biodiversität gegenüber Produktion grüner Energie). COMTESS wird die Umsetzung multipler Ökosystemfunktionen und –dienstleistungen (ecosystem functions ESF / ESS) in jedem Szenario im Hinblick auf ökologische und sozio-ökonomische Bedingungen quantifizieren und beurteilen.

Zur räumlichen Übertragung der Ergebnisse auf weitere Küstenzonen werden ökologische Vergleichsuntersuchungen in den Niederlanden (Region Zeeland) und in Dänemark (Region Aarhus) durchgeführt.

Wir erwarten, dass mit steigender Stochastizität der Umwelt die Ökosystemdienstleistungen häufiger zwischen positiven und negativen Zuständen schwanken. COMTESS wird die ESF / ESS auf Flächenebene so realistisch wie möglich quantifizieren und die Resultate mit Hilfe statistischer und prozess-basierter Modelle auf Landschaftsebene hochrechnen. Die Ergebnisse werden einer sozio-ökonomischen Risikoanalyse und einer sozio-kulturellen Bewertung durch Stakeholder unterworfen. Außerdem werden wir die Risikowahrnehmung und die Präferenzen verschiedener Nutzergruppen für die verschiedenen Szenarien und den damit verbundenen ESS analysieren. Wir werden auf lokaler und regionaler Ebene zusammen mit den Stakeholdern konkrete aktions- und entscheidungsorientierte Vorschläge erarbeiten, um eine nachhaltige Nutzung gefährdeter Küstenlandschaften im Hinblick auf zu erwartende Klimaveränderungen zu fördern.

Auf der Grundlage dieses umfangreichen Forschungsprogramms wird COMTESS einen sowohl wissenschaftlichen als auch praktischen Beitrag zum Entwurf eines multifunktionalen Küstenmanagements liefern.

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Landeco1b-Webmdmvhasterx3l (helga.nfhotsolx@uol6gl.ddbwefrtb) (Stand: 07.11.2019)