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Anna Sarah Krämer

COAST - Zentrum für Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung

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Treibhausgasbilanz

Elementarer Bestandteil des Integrierten Klimaschutzkonzeptes ist die Treibhausgasbilanz, die den Ist-Zustand der Emissionen festhält. Die Carl von Ossietzky Universität bilanziert ihre Emissionen anhand des Greenhouse Gas Protocols (kurz GHG Protocol). 

Als Basisjahre wurden die Jahre 2019 und 2020 festgesetzt. Grund dafür sind die starken Schwankungen in den Emissionen durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie, insbesondere im Bereich der Dienstreisen, Auslandssemester und alltäglichen Mobilität.

Die dargestellten Emissionen sind unter Berücksichtigung des Bundesstrommix dargestellt.

Systemgrenzen

Ziel bei der Erstellung der Treibhausgasbilanz (kurz: THG-Bilanz) war es, die auf die Aktivitäten der Universität zurückzuführenden Emissionen möglichst umfassend aufzunehmen und festzuhalten. Dabei wurden die folgenden Bereiche berücksichtigt:

  • Scope 1: Gasbezug, Fuhrpark (ohne Vorketten)
  • Scope 2: Strombezug (unter Berücksichtigung des Bundesstrommix)
  • Scope 3:
    • Vorketten (Gebäudeenergie & Fuhrpark)
    • Mobilität (Dienstreisen, Auslandssemester, Alltagsmobilität*)
    • Beschaffung (EDV, Papier)
    • Hochschulgastronomie (Fleisch & Fette)
    • Wasserbezug & Abwasser

Ziel ist es, die Datengrundlage für die Treibhausgasbilanzierung in Zukunft weiterzuentwickeln und zu verfeinern, sodass auch bisher nicht berücksichtigte Bereiche (z.B. Büromöbel, Übernachtungen bei Dienstreisen, etc.) in die Bilanz einbezogen werden können.

An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass es bislang für Universitäten und Hochschulen, bzw. für Bildungseinrichtungen allgemein, keine einheitliche Vorschrift oder Regelung zur Bilanzierung der THG-Emissionen gibt. Beim Vergleich mit anderen Hochschulen sind also Unterschiede in den Basisjahren, Systemgrenzen und Anwendung der Bilanzierungsstandards zu berücksichtigen.

* Bei der Datengrundlage für das Handlungsfeld Alltagsmobilität handelt es sich um sehr grobe Hochrechnungen. Die Datengüte in diesem Bereich wird für die Fortschreibung für die Bilanz verbessert werden.

Gesamtemissionen

Die Gesamtemissionen der Carl von Ossietzky-Universität im Jahr 2019 betrugen 21.378 t CO2-Äquivalente. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie wirkten sich auf stark reduzierend auf die Emissionen der Universität aus, sodass für das Jahr 2020 insgesamt 14.528 t CO2-Äquivalente anfielen. In diesen Werten wurde der Bundesstrommix berücksichtigt, um eine bessere Vergleichbarkeit mit anderen Erhebungen zu ermöglichen.

 

Aufgeteilt auf die drei Geltungsbereiche des Greenhouse Gas Protocols bilden sich die Emissionen wie folgt ab. Dabei wird vor allem deutlich, wie entscheidend der Einbezug von Emissionen aus dem Bereich Scope 3 für die Gesamtbilanz ist. Im Scope 1 fielen in 2019 insgesamt 4.667 t und in 2020 5.491 t CO2-Äquivalente an. Auf Scope 2 sind unter Berücksichtigung des Bundesstrommixes in 2019 7.778 t CO2-Äquivalente zurückzuführen, im Jahr 2020 waren es 4.843 t CO2-Äquivalente. In Scope 3 wurden für 2019 8.934 t CO2-Äquivalente festgehalten, im Jahr 2020 4.194 t CO2-Äquivalente.

Der Anstieg der Emissionen in Scope 1 ist auf die Inbetriebnahme des mit Erdgas betriebenem Blockheizkraftwerkes am Standort Wechloy zurückzuführen. Dadurch konnten gleichzeitig die Emissionen in Scope 2 für den Strombezug wiederum reduziert werden. Die starke Reduktion der Emissionen in Scope 3 ist auf den ausgeprägten Rückgang der Mobilität durch die Corona-Pandemie zurückzuführen.

Emissionen pro Universitätsmitglied

Insbesondere mit Blick auf die Fortschreibung der Bilanz ist eine weitere wichtige Kennzahl die Emissionen pro Universitätsangehörige. Grund dafür ist, dass zwar gesellschaftlich förderlich und begrüßenswert ist, dass die Universität wächst und Zulauf von Forschenden, Studierenden und Mitarbeiter*innen in der Verwaltung bekommt. Allerdings wirkt sich dieses Wachstum negativ auf die Gesamtemissionen aus, da z.B. neue Gebäude gebaut und in Betrieb genommen werden. Daher ist es hinsichtlich des Klimaschutzes wichtig, die Emissionen im Verhältnis zur Zahl der Universitätsangehörigen zu verfolgen.

Für 2019 sind pro Universitätsmitglied 1,13 t CO2-Äquivalente entstanden (Anzahl Universitätsmitglieder: 18.986) und im Jahr 2020 entfielen 0,78 t CO2-Äquivalente pro Kopf auf die Universitätsangehörigen (Anzahl Universitätsmitglieder: 18.712).

Aufschlüsselung auf Handlungsfelder

Der größte Anteil an den Gesamtemissionen hat der Bereiche Gebäudeenergie. Hier fielen im Jahr 2019 insgesamt 14.430 t CO2-Äquivalente an, im Jahr 2020 waren es 12.318 t CO2-Äquivalente. Damit machte dieser Bereich in 2019 67,5% der Gesamtemissionen aus und im Jahr 2020 sogar 84,78%. Demzufolge kommen zur Erreichung der Klimaneutralität Klimaschutzmaßnahmen in diesem Bereich eine besondere Bedeutung zu.

Danach zeigt die THG-Bilanz zudem den Stellenwert des Handlungsfeldes Mobilität. Dieser Bereich hatte in 2019 einen Anteil von 28,68% an den Gesamtemissionen (4.528 t CO2-Äquivalente für Alltagsmobilität**, 1.603 t CO2-Äquivalente für internationale Mobilität und Fuhrpark). Durch die Pandemie sank der Anteil dieses Bereichs in 2020 auf 11,76% (1.129 t CO2-Äquivalente durch Alltagsmobilität, 580 t CO2-Äquivalente durch internationale Mobilität und Fuhrpark).

** In der Tabelle ist der Bereich Mobilität aus zwei Gründen aufgeteilt dargestellt. Zum einen kann so der Stellenwert der Alltagsmobilität verdeutlicht werden. Zum anderen ist die Qualität der Datengrundlage nicht so hochwertig wie die Daten für die Unterbereiche der internationalen Mobilität und des Fuhrparks. Diese Schwäche in der Bilanzierung soll an dieser Stelle transparent gemacht werden.

Die Emissionen im Bereich der Beschaffung und der Hochschulgastronomie fallen verhältnismäßig klein aus. Auf die Beschaffung gehen im Jahr 2019 348 t CO2-Äquivalente zurück, im Jahr 2020 insgesamt 304 t CO2-Äquivalente. Damit hat dieser Bereich einen Anteil von 1,63% an den Gesamtemissionen in 2019, und einen Anteil von 2,09% in 2020. In der Hochschulgastronomie fielen in 2019 469 t CO2-Äquivalente an, in 2020 198 t CO2-Äquivalente. Damit sank der Anteil der Emissionen der Mensa von 2,19% in 2019 auf 1,36% in 2020. Diese Reduktion ist ebenfalls auf die Pandemiezeit und damit verbundene Schließung der Hochschulgastronomie, bzw. den eingeschränkte Campusbetrieb zurückzuführen. An dieser Stelle ist für die beiden Bereiche darauf hinzuweisen, dass die vergleichsweise niedrigen Emissionswerte nicht die Relevanz dieser Handlungsfelder mindern sollen. Das hängt damit zusammen, dass auch in diesem Bereich nur eine eingeschränkte Datenbasis verwendet werden konnte. Die vorliegende THG-Bilanz stellt hier den Anfang einer umfassenden Bilanzierung der Emissionen dar, die in den nächsten Jahren weitergehend verbessert werden soll. Außerdem sind diese beiden Bereiche (wie im Grundsatz alle Bereiche der Bilanz) unter einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnis zu betrachten (schonender Umgang mit Ressourcen, Einhaltung der Menschenrechte entlang der Wertschöpfungskette, Tierwohl, etc.).

Fortschreibung der Bilanz und Verwendung der Ergebnisse

Für das Klimaschutzkonzept wird im Laufe des Jahres 2022 außerdem ein Controlling-Konzept entwickelt und entschieden, auf welche Weise und in welchem Zyklus die Entwicklung der Emissionen beobachtet und kontrolliert wird.

Die Ergebnisse für die Jahre 2019 und 2020 legen nun den Grundstein für die Entwicklung von Klimaschutzmaßnahmen zur Erreichung der Klimaneutralität. Diese werden u.a. in partizipativen Workshops im Juni 2022 erarbeitet und diskutiert.

Dual Reporting

Der Bilanzierungsstandard des GHG-Protocols macht für die Darstellung der Emissionen in Scope 2 die Vorgabe, die Emissionen nach zwei verschiedenen Ansätzen darzustellen.

Zum einen gilt der ortsgebundene Ansatz, nach dem die Emissionen des Strombezugs unter Berücksichtigung des Bundesstrommix festzusetzen sind. Damit sollen die regionalen Unterschiede im bezogenen Strommix ausgeglichen werden, um eine bessere Vergleichbarkeit der Zahlen zu ermöglichen. Außerdem lässt sich mit diesem Ansatz der Effekt von Effizienzmaßnahmen im Stromverbrauch auf die Emissionen besser darstellen. Nach diesem Ansatz liegen die Gesamtemissionen der Universität bei 21.378 t CO2-Äquivalenten in 2019 und bei 14.528 t CO2-Äquivalenten in 2020.

Nach dem marktbezogenen Ansatz kann berücksichtigt werden, dass die Organisation bereits Ökostrom aus einem Ökostromvertrag bezieht. An dieser Stelle kann also die Herkunftsnachweise aus der Produktion erneuerbarer Energien von Dritten angerechnet werden. Über das Land Niedersachsen ist die Universität Oldenburg in einen Rahmenvertrag für Ökostrom integriert. Demnach sind die Emissionen im marktbezogenen Ansatz für Scope 2 (=Strombezug) mit 0 t CO2-Äquivalenten anzusetzen. Die Gesamtemissionen liegen dann bei 12.838 t CO2-Äquivalenten in 2019 und bei 9.054 t CO2-Äquivalenten in 2020. Dadurch erhöht sich der Anteil der anderen Handlungsfelder an den Gesamtemissionen.

(Stand: 20.04.2022)