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Bericht Decker

Erfahrungsbericht Sebastian Decker

Diesen Erfahrungsbericht findet man auch auf den Seiten des ISO.

Von Ende August 2009 bis Anfang Januar studierte ich im 5. Semester Chemie an der Universität in Uppsala. Ich erhoffte mir in dieser Zeit an einer renommierten Universität verschiedene Kurs auf Englisch zu besuchen und gleichzeitig in einem ruhigen Land mit idyllischer Natur noch eine neue Sprache zu erlernen. Ich kann an dieser Stelle vorweg nehmen, dass ich nicht enttäuscht wurde.

 

Die Anreise:

 

Für die Anreise gibt es im Prinzip zwei Möglichkeiten. Zum einen kann man eine ca. 1000 km weite Anreise mit dem Auto in Kauf nehmen oder man wählt das Flugzeug.


Ich flog mit Ryanair von Bremen aus nach Stockholm (Skavsta). Der Flug kostete mich ca. 50 € inkl. 15 kg Freigepäck und 10 kg Handgepäck. Von Skavsta aus kann man für 5-10 € je nach Busunternehmen in 1,5 Stunden bis nach Stockholm fahren. Von Stockholm aus fahren für knappe 7 € stündlich Züge nach Uppsala.

 

Da insgesamt 25 kg Gepäck für ein Wintersemester in Schweden doch recht wenig sind, habe ich mir aus Deutschland 10 weitere Kilogramm zuschicken lassen.  Denn leider würde man bei Ryanair für jedes weitere Kilogramm 15 € zusätzlich bezahlen.

 

 

Wohnen:

 

Gegen Mitternacht erreichte ich Uppsala und hatte das Glück von meinem Buddy Stefan abgeholt zu werden. Er spendete mir auch für die erste Nacht ein Dach über den Kopf und half mir am folgenden Tag bei den Formalitäten für mein Zimmer in Eklundshof. Ich kann jedem strengstens ans Herz legen sich rechtzeitig für das „Buddy-Programm“ einzutragen. So sind erste Fragen schnell beantwortet und man gewinnt gleich ersten Anschluss.

 

Eklundshof ist eine Wohnanlage mit mehreren Häusern, wovon drei mit jeweils ca. 30 Zimmern für Erasmusstudenten reserviert sind und die anderen zehn für den Hotelbetrieb verbucht werden. Ich persönlich finde, dass Eklundshof die perfekte Wahl zum Wohnen war. Als Chemiestudent fanden meine Kurse im BMC (Biomedical Center) und im Ångström Labatoriet statt, welche beide keine 1000 m von meiner Wohnung entfernt waren. Das ist gerade im glatten Winter ein purer Luxus!

 

Ein weiterer Pluspunkt Eklundshofs ist die Nähe zu einem kleinen Wäldchen und einem Fluss, der bis in die Innenstadt führt und zum Joggen einlädt.

 

In Eklundshof hat jeder Bewohner ein großes Bad sowie eine eigene voll ausgestattete Küche mit Backofen, Herd, Kühl- und Gefrierschrank und Mikrowelle. Für eine Warmmiete von 330‑400 € monatlich ist das für Uppsala ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis.

 

Der einzige Nachteil ist, dass der nächste Supermarkt (Willys oder ICA) schon 1-2 km entfernt ist. Mit einem Fahrrad ist das aber gar kein Problem!

 


Universität:

 

An der Universität Uppsala habe ich neben einem Schwedischkurs zwei Chemie-Kurse belegt. Alle Kurse waren auf Englisch. Abgesehen von einigen chemischen Formelnamen gab es keinerlei Verständnisschwierigkeiten meinerseits. Anfangs wusste ich eben noch nicht, was Kaliumhexacyanoferrat auf Englisch heißt.

 

Im Unterschied zu Deutschland finden in Schweden die Kurse in Blöcken statt. So besuchte ich von September bis Mitte Oktober den Kurs „chemical libraries and efficient synthesis“. Im praktischen Teil (Mo. – Fr. von 10-17 Uhr) entwickelten wir in Gruppen von 2-5 Personen Wirkstoffe gegen Alzheimer und Herpes. Leider konnten wir die Wirkungsweise der bereits bestehenden Mittel nicht übertreffen.  In den drei Vorlesungen pro Woche bekamen wir verschiedenste Werkzeuge vermittelt, mit denen man verschiedenste funktionelle Gruppen möglichst effizient und wirtschaftlich synthetisieren kann. Da wir jede Woche ca. 150 Seiten lesen, eine Präsentation halten und alle zwei Wochen selbst eine Vorlesung halten mussten, lernte man zwar viel, fühlte sich jedoch teilweise wie eine funktionierende Maschine. Zum Glück war der Zusammenhalt unter den Studentinnen und Studenten und die Zusammen-arbeit mit den Lehrenden sehr gut, sodass dieser Kurs insgesamt viel Spaß gemacht hat.

 

Von Mitte Oktober bis Weihnachten besuchte ich den Kurs „chemical bonding and computational chemistry“. Komischerweise warnte mich jeder, der diesen Kurs schon einmal besucht hatte, vor den unqualifizierten Lehrenden und dem großen Arbeitsaufwand, den ich gerade überstanden hatte. Allerdings muss ich den meisten Warnungen Unrecht geben. Durch das angeschlossene Computerlabor wurden die vermittelten Kenntnisse der Theoretischen Chemie an praktischen Aufgaben noch einmal verinnerlicht, was ich sehr anschaulich und unterhaltsam fand. Jedoch waren die verschiedenen Lehrenden und Laborassistenten oft schlecht vorbereitet.

 

Zweimal wöchentlich ging ich abends für zwei Stunden zu einem Schwedischkurs. Die engagierte und charismatische Lehrerin Lillemor fesselte jede Austauschstudentin und jeden Austauschstudenten und brachte mit speziell auf Uppsala zugeschnittenen Unterrichtsmaterialien schnell schwedische Grundkenntnisse bei. Das war der beste Sprachkurs, den ich jemals hatte. Schwedisch ist, wie ich finde, „Deutsch mit einfacher Grammatik und melodischer Aussprache“ und daher sehr einfach zu erlernen.

 

Vor Beginn meiner Reise habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, ob die Kurse, die ich belege, angerechnet werden. Alle verantwortlichen Lehrenden der Universität Oldenburg sowie Mitarbeiter vom Prüfungsamt waren sehr umgänglich bei der Anrechnung der Kurse. Wichtig ist, alle Prüfungsleistungen und Laborprotokolle vor Ort abzeichnen zu lassen und im Voraus bereits die verantwortlichen Lehrenden in Oldenburg informieren.

 

 

Das Studentenleben in Uppsala

 

In Uppsala gibt es 13 Nationen. Jeder Student ist Mitglied in einer Nation und genießt dadurch spezielle Vorzüge, wie z.B. freien Eintritt in die zugehörige Diskothek oder Ermäßigungen bei diversen Events. Die Nationen organisieren viele Veranstaltungen, wie z.B. Quiz- und Spieleabende oder kleinere Ausflüge. Fast jede Nation hat ihre eigene Diskothek, die an verschiedenen Abenden für Studierende geöffnet ist. Hier sind der Eintritt und die Getränke auch weitaus erschwinglicher, als in den „normalen“ Clubs.

 

Zu empfehlen sind ebenso die Mottopartys in den studentischen Korridoren Diese werden meistens über Facebook annonciert und jeder ist willkommen.

 

Für die eigene Mobilität empfehle ich jedem wärmstens sich ein Fahrrad zuzulegen. Dieses bekommt man gebraucht für 50-100 €. Ähnlich wie in Oldenburg kann man in Uppsala jeden Fleck mit dem Fahrrad erreichen und der örtliche Bustransport ist relativ teuer.

 

 

Das Wetter:

 

Wenn ich in Deutschland gefragt wurde, wie in Uppsala das Wetter war, sage ich immer, dass es genau so wie in Deutschland sei, wenn man 5-10 °C abzieht. Im Winter ist es jedoch oft dunkel und man kann ab November nur noch zwischen 9 und 15 Uhr ein bisschen Sonnenlicht erhaschen. Da es im November 2009 stets bewölkt war, wurden in Stockholm ganze 9 Stunden Sonnenschein gemessen – im ganzen Monat!

 

20% der Schweden bekommen daher sogenannte Winterdepressionen. Ich habe mich durch Sport bei Laune gehalten und mir immer gesagt, dass hinter den Wolken ja die Sonne scheine. Und als Anfang Dezember endlich der erste Schnee liegen blieb, erhellte sich die Umgebung ohnehin.

 

 

Die Schweden:

 

In diesem Teil meines Berichtes möchte ich darauf eingehen, was der generelle Unterschied zwischen dem oder der Deutschen und dem schwedischen Bürger ist.

 

Die Schweden sind im Allgemeinen viel ruhiger als wir Deutschen. Sie sprechen leiser und haben kein Problem damit in einer Schlange zu stehen und eine ganze Zeit zu warten. Zu lautes Sprechen oder drängeln wird gehört sich nicht.

 

Auch ihre Arbeit sehen sie nicht so verbissen wie so mancher Deutscher. Um Punkt 10 Uhr und um Punkt 15 Uhr wird stets mindestens eine halbe Stunde Kaffeepause, die sogenannte „Fika“ gemacht. So gibt sich der Schwede sozial und redet über alltägliches.

 

Die Schweden sprechen von jung bis alt hervorragend Englisch. Das liegt daran, dass englische Sendungen im Originalton gesendet werden, da sich die Synchronisation auf Schwedisch für rund 9 Millionen Menschen oft nicht lohnen würde.

 

Ebenso sehr auffallend ist das äußere Erscheinungsbild der Schweden. Sie sind stets gut gekleidet und haben ein gepflegtes Äußeres. 


 

 

Ein Reisetipp:

 

Im Januar reiste ich mit drei in Schweden gewonnen Freunden für einige Tage nach Kiruna im Norden Schwedens. Wir flogen von Stockholm nach Kiruna für gute 70 € und übernachteten in einer kleinen Hütte im „Camp Alta“ und begannen von dort aus unsere Ausflüge.

 

So schauten wir uns das Eishotel an, sahen während einer Fahrt mit Schlittenhunden die Nordlichter, fuhren mit Schneemobilen mit rasanten 100 km/h über zugefrorene Seen, versuchten unser Glück beim Eisangeln und beim Skilanglauf und besichtigten die 1000m tiefe Eisenmine in Kiruna. So eine Reise nach Kiruna möchte ich jedem ans Herz legen. Sie war gefüllt mit einmaligen Erlebnissen, die ich nie vergessen werde!

 

 

Noch ein paar spezielle Tipps zum Schluss:

 

  •   Kostenlos Bargeld abheben:

Die schwedischen Banken  eröffnen ungern ein Konto für einen Auslandsstudenten mit einem sechsmonatigen Aufenthalt. Daher empfehle ich vor Abreise ein kostenloses Konto bei der DKB (Deutsche Kreditbank) einzurichten. Mit der so erhaltenen Bankkarte kann man von jedem Automaten in der Welt kostenlos Bargeld abheben.

 

  • Vororganisation spart Mühen und Geld:

Meine ersten Tage in Uppsala verbrachte ich damit mir ein Fahrrad zu organisieren oder Geschirr für meine Wohnung zu kaufen. All solche Dinge kann man sich bereits im Voraus über StudiVZ oder Facebook von Auslandsstudenten der vorherigen Generation zu einem günstigen Preis abkaufen. Über diesen Weg ist es auch einfach später sein Inventar wieder zu verkaufen.

 

 

Schlussworte:

 

Alles in Allem war die Zeit in Schweden sehr gelungen. Wenn man ein wenig aufgeschlossen ist, lernt man gerade am Anfang viele neue Menschen kennen und gewinnt schnell neue Freunde, die einem auch in Zukunft noch bleiben werden.

 

In dieser Zeit habe ich viele Menschen verschiedenster Länden kennengelernt von deren Erfahrungen ich profitiere. Ich habe kennengelernt, dass manchmal kleine kulturelle Unterschiede zu vermeidlichen Missverständnissen führen können.

 

Durch die häufige Praxis fühle ich mich im Englischen sehr sicher und traue mir zu mit Menschen verschiedenster Nationen zusammenzuarbeiten. Nicht nur im Beruf, sondern auch im täglichen Zusammenleben werden diese Erfahrungen sehr wichtig sein.

 

Ich empfehle jedem einen Auslandslandsaufenthalt, um ähnliche Erfahrungen wie ich zu sammeln!

 

 

 

Sebastian Decker                                                                   Oldenburg, den 15. Februar 2010

Webmbfw7astgh/perunyun (torbb+nen.scochr1w6lueter@uolnsb.de) (Stand: 07.11.2019)