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Neues Testament

Die Wissenschaft vom Neuen Testament beschäftigt sich mit den Entstehungszusammenhängen (historische Herausforderungen) und der Auslegung (Exegese) der 27 Schriften des zweiten Teils der Bibel und deren theologiegeschichtlichen Bedeutung. Ziel dieser Beschäftigung bilden die hermeneutische Reflexion und die Frage nach einem „didaktisches Was“, in besonderer Fokussierung auf die Bildung in den verschiedenen Studiengängen. Was gilt es in verschiedenen Berufsfeldern zu vermitteln?

Wissenschaftlich gehen wir von der Annahme aus, dass die Texte des Neuen Testaments weder „vom Himmel gefallen“ sind noch göttlich oder geistlich „inspiriert“, sondern von Menschen in ihrer historisch-kulturell-religiösen Welt sowie in und für ihre eigene Zeit niedergeschrieben wurden. Diese Perspektive eröffnet Möglichkeiten des historisch-kritischen, methodisch reflektierten Umgangs mit den Texten. Wenn unsere Studentinnen und Studenten „Exegese“ lernen, lernen sie, mit geradezu chirurgischen Methoden den Wachstumsprozess (Diachronie) und den ursprünglichen Bedeutungsgehalt (Synchronie) der Texte zu rekonstruieren und diese für die Gegenwart zu verstehen und nutzbar zu machen.

Im Neuen Testament, dessen 27 Schriften zwischen 50/51 n.Chr. und ca. 125 n.Chr. entstanden sind, finden sich im Wesentlichen zwei Arten der Darstellung von Theologie: In den Evangelien und in der Apostelgeschichte wird Theologie narrativ, also als Erzählung entfaltet; in den Briefen – allen voran in denen des Paulus – wird Theologie argumentativ vorgetragen. Gleich ob narrativ oder argumentativ: Alle Schriften des Neuen Testaments atmen die Luft der antiken Welt als breiter „Ökumene“ („Ökumene“ verstanden als die damals bekannte bewohnte Welt, die οἰκουμένη). Ihre Autoren verstehen sich zum Teil mehr dem Judentum, zum Teil mehr dem griechisch-römischen Denken und Glauben, teils beidem zugehörig. Als Repräsentanten einer eigenen, durchaus auch disparaten Glaubensgemeinschaft bewegen sie sich sowohl in einem sozio-politischen ökumenischen Zusammenhang als auch in einem kulturell-religiösen ökumenischen Kontext. Darin sind sie Zeugen vom Glauben des frühen Christentums in der ökumenischen Auseinandersetzung und vielfältigen Diskussion ihrer Zeit und Welt. So lernen die Studierenden hermeneutisch-historisch einen anderen Zugang zu einem „ökumenischen“ Diskurs, der sich vom heutigen kirchlichen Begriff der Ökumene unterscheidet.

Ein Letztes: Von dem systematischen Theologen Karl Barth (1886–1968) wird überliefert, dass er bei seinem Abschied von der Bonner Universität im Jahre 1935(!) seinen Studenten Folgendes mit auf den Weg gegeben haben soll: „Nehmen Sie [...] meinen letzten Rat: Exegese, Exegese und noch einmal Exegese!“

(Stand: 15.10.2021)