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Erläuterungen zu den Vorträgen/AGs

Erläuterungen zu den Vorträgen/Arbeitsgruppen und zur Podiumsdiskussion

Einführungsvortrag

Organisationsentwicklung im Bereich der universitären Lehrerausbildung - Organisationsstrukturen mit ihren Möglichkeiten und Grenzen

Eine der nach wie vor dringlichsten Reformnotwendigkeiten auf der Agenda lehrerausbildender Hochschulen ist die Implementierung unterstützender Institutionen/Strukturen für die Lehrerbildung. Derzeit werden insbesondere Schools of Education, Zentren für Lehrerbildung oder Lehrerbildungsfakultäten als entsprechende Institutionen diskutiert. Zum Teil werden die Aufgaben sowie die Rechte und Pflichten der Institutionen durch Landesgesetze festgelegt, zum Teil werden diese Parameter von den Universitäten selbst entwickelt.

Im Rahmen des Vortrages werden zum einen die Aufgaben dieser Institutionen herausgearbeitet. Zum anderen wird danach gefragt, ob es klare Unterscheidungsmerkmale (z.B. mit Blick auf Aufgaben, Rechte, Mittel oder Größe) zwischen den verschiedenen Modellen gibt.

Schließlich soll darüber nachgedacht werden, welche Gelingensbedingungen es gibt, Institutionen der Lehrerbildung adäquat und bedarfsgerecht zu gestalten.

Referent: Prof. Dr. Bardo Herzig, Paderborn

Prof. Dr. Bardo Herzig ist Professor für Allgemeine Didaktik, Schul- und Medienpädagogik in Paderborn. 2009 wurde er Direktor des Zentrums für Bildungsforschung und Lehrerbildung (PLAZ). Prof. Dr. Herzig ist Mitglied verschiedener Expertenkommissionen zur Lehrerbildung und Medienbildung. Er setzt sich intensiv mit Fragen der Entwicklung von Intitutionen zur Organisationsentwicklung der Lehrerbildung auseinander.

Arbeitsgruppen

AG 1 

Forschungsförderung durch Institutionen der Lehrerbildung

In der Regel ist die Forschungsförderung durch Zentren für Lehrerbildung bislang vorrangig als mittelbare und wissenschaftliche Dienstleistung eines Zentrums gesehen worden. Heute jedoch müssen sich Zentren zunehmend auch über Forschung profilieren. Schools of Education bilden in vielen Fällen einen eigenen Zweig aus, der speziell Forschung in spezifischen Feldern unterstützen soll. An verschiedenen Standorten Deutschlands werden sogar Professuren zur Wahrnehmung von Forschungsaufgaben an Zentren für Lehrerbildung etabliert. Aufgrund dieser sehr unterschiedlichen Ansätze, Forschung zu fördern, hat die Frage der Etablierung eigenständiger Forschung an Zentren für Lehrerbildung einige Diskussionen innerhalb der Universitäten ausgelöst. Denn es wird befürchtet, dass die eigenständige Forschung einer solchen Einrichtung in Konkurrenz zu derjenigen der Fakultäten oder Fachbereiche der Hochschule gerät. Somit werden Aushandlungsprozesse notwendig und Kooperationen sind anzubahnen.

Im Rahmen des Workshops wird an Beispielen dargestellt, wie Forschungsaufgaben – seien es forschungsunterstützende Dienstleistungen oder Forschung selbst – an verschiedenen Standorten wahrgenommen oder ausgeübt werden. Es sollen daraus Anregungen zur Etablierung von Forschung an Zentren für Lehrerbildung unterschiedlicher Ausprägung gewonnen werden.

ReferentInnen: Dr. Annegret Hilligus/Prof. Dr. Bardo Herzig, Paderborn

Dr. Annegret Hilligus ist seit 2002 Geschäftsführerin des Zentrums für Bildungsforschung und Lehrerbildung (PLAZ). Im Kontext ihrer Tätigkeiten beschäftigt sie sich intensiv mit Fragen der Entwicklung von Zentren für Lehrerbildung und Fragen zur Forschungsförderung durch Institutionen der Lehrerbildung.

AG 2 Langzeitpraktika in Deutschland - konzeptionelle Ansätze und Gelingensbedingungen

Die 2012 veröffentlichte Expertise zu den Praxisphasen in der Lehrerbildung lässt Schlüsse für die Konzeption von Langzeitpraktika zu. Die Expertise zeigt, dass es bundesweit unterschiedliche Formen der Ausgestaltung und Einbindung von Langzeitpraktika gibt. Gerade deshalb stellt sich die grundlegende Frage, wie Langzeitpraktika konzipiert sein sollten, damit sie einen Beitrag für die Professionalisierung künftiger Lehrkräfte leisten können. Diese Überlegungen berühren nicht nur eine theoretisch fundierte Einbindung von „Schulpraktika“ in das Curriculum, sondern auch die Ausstattung mit Personal, das für die Vorbereitung, die Begleitung und Reflexion sowie für die Organisation der „Schulpraktika“ zur Verfügung steht. Die zentrale These ist, dass nur eine umfassende Einbettung der „Schulpraktika“ ins Gesamtcurriculum zu einem Gewinn für die Ausbildung der Studierenden führt.

Im Rahmen des Workshops sollen zum einen die Erkenntnisse der genannten Expertise dargestellt und danach ausgewertet werden, welche Gelingensbedingungen sich für erfolgreiche Langzeitpraktika ableiten lassen. Daran anschließend soll diskutiert werden, welche Rolle Organisationseinheiten in der Lehrerbildung (ZfL oder Schools) bei der Erreichung der Gelingensbedingungen für Langzeitpraktika spielen können.

Referentin: Prof. Dr. Ulrike Weyland, Bielefeld

Prof. Dr. Ulrike Weyland beschäftigt sich mit der Lehre und Forschung im Bereich Pädagogik, insbesondere Berufspädagogik für Gesundheitsberufe und Pädagogische Psychologie. An der Universität Osnabrück war sie über mehrere Jahre Vorstandsmitglied im Zentrum für Lehrerbildung, heute lehrt und forscht sie an der FH Bielefeld.
Ihre Forschungsansätze beziehen sich insbesondere auf das Themenfeld Professionalisierung im Kontext der Lehrerbildung sowie auf Lernprozesse im Studium und in Praktika durch forschendes Lernen.

AG 3 Lehrerfortbildung an Universitäten - möglicher Auftrag und mögliches Profilierungsfeld?

Die Forschung zur Wirksamkeit von Lehrerfort- und -weiterbildungen hat in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Neuere Studien verweisen darauf, dass Fortbildungsmaßnahmen durchaus das Potenzial haben, Lehrerwissen und -handeln zu erweitern und sich bis auf die Ebene der Schülerinnen und Schüler auszuwirken. Diese Wirksamkeit von Lehrerfortbildungsmaßnahmen scheint aber abhängig zu sein von bestimmten strukturellen und inhaltlich-didaktischen Merkmalen der Fortbildungsangebote. Strukturell gesehen erstrecken sich erfolgreiche Lehrerfortbildungen auf einen längeren Zeitraum und beziehen dabei externe Experten ein. Inhaltlich-didaktisch haben erfolgreiche Fortbildungen häufig einen engen fachdidaktischen Fokus, der die Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler sowie deren fachbezogenen Konzepte, Vorstellungen und Denkweisen in den Vordergrund stellt und hierdurch das fachdidaktische und diagnostische Lehrerwissen erweitert.

Im Rahmen des Workshops sollen zum einen Gelingensbedingungen von wirksamer Lehrerfortbildung vorgestellt und diskutiert werden. Da in Niedersachsen seit Januar 2012 sogenannte Kompetenzzentren für Lehrerfortbildung eingerichtet werden, um Lehrerinnen und Lehrer wissenschaftsbasiert und bedarfsorientiert fortzubilden, sollen auch Möglichkeiten der sinnvollen und qualitätsfördernden Anbindung von Lehrerfortbildung an Universitäten diskutiert werden. Schließlich soll überlegt werden, welchen Beitrag Institutionen der Lehrerbildung (ZfL oder Schools) mit Blick auf eine sinnvolle Weiterentwicklung der Lehrerfortbildung bieten können.

Referent: Prof. Dr. Frank Lipowsky, Kassel

Prof. Dr. Frank Lipowsky ist Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Kassel. Er beschäftigt sich unter anderem mit der empirische Unterrichtsforschung in der Primarstufe und Sekundarstufe I, der Lehrerforschung, der Allgemeine Didaktik und der Schulforschung. Er setzt sich intensiv im Rahmen seiner Vorhaben mit empirischen Forschungen zur Lehrerfortbildung auseinander.

AG 4

Was geht? Ergebnisse aus der Erfahrung und Evaluation von sieben Praxissemesterdurchgängen

Im Wintersemester 2007/2008 startete das Jenaer Modell der Lehrerbildung. Damit verbunden wurde im Schulgesetz die Ausbildung des professionellen Nachwuchses für alle Thüringer Schulen im Rahmen eines Praxissemesters Pflicht. Seit sieben Semestern sind pro Durchgang 250 Jenaer Lehramtsstudierende jeweils für fünf Monate täglich mindestens fünf Stunden an den Schulen. Universitätsseitig werden die Studierenden durch Veranstaltungen in 4 Modulen und verpflichtende Konsultationen begleitet. Das Jenaer Modell wird seit dem Jahr 2007 regelmäßig evaluiert.

Dr. Peter Holtz, der die Begleitforschungen zum Jenaer Modell leitet, hat aufgrund der inzwischen vorliegenden Erkenntnisse weitere Forschungs- und Entwicklungsfragen für das Praxissemester akzentuiert:

  • Erleben die Studierenden während des Praxissemesters einen signifikanten Kompetenzgewinn, und wie verändert sich die Motivation für das Studium und die Identifikation mit dem Lehrerberuf?
  • Inwiefern erleben die Studierenden während des Praxissemesters den „Widerspruch“ zwischen Theorie und Praxis?
  • Wie kann dieser Widerspruch gegebenenfalls überwunden oder gemildert werden?

Im Workshop berichten wir erstens über die Erfahrungen aus der Begleitung der Studierenden und der Schulen, die Praxisstudierende aufnehmen. Zweitens werden wir ausgewählte Befunde aus den Studien von Dr. Holtz vorstellen. Wir möchten mit Ihnen das Theorie-Praxis-Problem von Praxisphasen in der universitären Ausbildung diskutieren.

ReferentInnen:

PD Dr. Karin Kleinespel, Frank Ahrens, Dr. Peter Holtz, Jena

Dr. Karin Kleinespel ist als wissenschaftliche Geschäftsführerin am Zentrum für Lehrerbildung und Didaktikforschung der Universität Jena tätig. Im Zentrum geht es ihr vor allem um die konzeptionelle Weiterentwicklung von Unterricht, Schule und Lehrerbildung, die folgende Bereiche umfasst: Schule, Gesellschaft, Bildung; Unterrichts- und Schulentwicklung sowohl aus allgemeindidaktischer als auch aus fachdidaktischer Perspektive; Forschung im Rahmen der gegenwärtigen Schulentwicklungsdebatte; Lehrerprofessionalität und -bildung.

Frank Ahrens ist an der Friedrich-Schiller-Universität Jena an dem Zentrum für Lehrerbildung und Didaktikforschung tätig und zugleich Mitarbeiter im Praktikumsamt für Lehrämter. Seit 2007 ist er verantwortlich für die Vorbereitung und Durchführung des betreuten Blockpraktikums und des Jenaer Praxissemesters.

Dr. Peter Holtz ist als wissenschaftlicher Assistent an dem Zentrum für Lehrerbildung und Didaktikforschung an der Universität Jena tätig. In den Jahren 2002-2006 promovierte Dr. Holtz im Fach Psychologie (Thema der Dissertation: „Was ist Musik? Subjektive Theorien Musik schaffender Künstler“). Er beschäftigt sich ebenfalls mit der Evaluation des Jenaer Praxissemesters.

AG 5

"Eignungsberatung" in der Lehrerbildung?

An vielen der in den letzten Jahren neugegründeten Zentren für Lehrerbildung wird inzwischen viel Zeit und Mühe investiert, Konzepte, Verfahren und Trainingsprogramme zu entwickeln, die es den Studierenden ermöglichen sollen, schon sehr frühzeitig im Studium ihre Studienwahl zu überprüfen. Die dabei häufig gestellte Frage nach der individuellen „Eignung“ suggeriert, dass die Befähigungen, die zur Lehrerarbeit erforderlich sind, den Status relativ stabiler, in der Persönlichkeitsstruktur junger Erwachsener bereits fest verankerter Merkmale habe. Tatsächlich jedoch werden die für die Lehrerarbeit grundlegenden berufsfeldrelevanten Fertigkeiten und Wissensbestände zu wesentlichen Teilen erst in der Ausbildung erworben und im Berufsfeld gefestigt. Darum ist es notwendig, bereits die BA-Phase in der Lehrerausbildung als Einstieg in einen berufsbiographisch andauernden Prozess der Kompetenzentwicklung zu begreifen und den Studierenden frühzeitig Gelegenheiten zur Praxiserprobung und zur wissenschaftlich fundierten Reflexion der dabei gemachten Erfahrungen anzubieten. 

Referent: Prof. Dr. Hermann Veith, Göttingen

Prof. Dr. Hermann Veith ist in dem Arbeitsbereich Pädagogische Sozialisationsforschung tätig. Sein Fokus liegt auf Erziehungs- und Sozialisationsprozessen und berücksichtigt dabei den gesamten schulischen und außerschulischen Bildungskontext. In seiner Forschungsarbeit geht es darum, die verschiedenen Dimensionen der Kompetenz- und Persönlichkeitsentwicklung in den formativen Jahren des Heranwachsens zu untersuchen. Herr Veith setzt sich u. a. intensiv mit der Frage der Beratung zu Kompetenzen für den Lehrerberuf auseinander.

Podiumsdiskussion

Fragmentierung als Ursache mangelnder Professionalisierung im Lehrerberuf -
Wie nutzen die Institutionen ihre Spielräume?


Die Phasen der Lehrerbildung von der Erstausbildung an den Universitäten über das Referendariat bis hin zur Fortbildung während der Berufsausübung sind bislang nicht optimal gestaltet. Abgesehen von holprigen Übergängen zwischen den Phasen, die mit mehrfachen Praxisschocks verbunden sein können, fehlt insbesondere eine Ausbildung, die über die Phasengrenzen hinweg inhaltlich und konzeptuell systematisch und stimmig aufeinander aufbaut. Dass hier die Institutionen bestenfalls parallel, aber oft auch gegeneinander arbeiten (ohne dass die Absicht besteht), behindert eine systematische Qualitätssteigerung in der Lehrerbildung, die als beruflebenslanger Professionalisierungsprozess begriffen werden muss.

  • Welche Möglichkeiten haben die beteiligten Institutionen von der Universität über die Studienseminare bis hin zu den Schulen und den Fortbildungszentren, der Fragmentierung (bis hin zur Atomisierung) der Lehrerbildung entgegenzuwirken?
  • Welche Auswirkungen auf das Selbstverständnis und die Organisationsform der Zentren für Lehrerbildung hätte es, wenn diese die phasenübergreifende Vernetzung mit in ihr Aufgabenspektrum übernehmen würden?

Podium: Carola Junghans (Studienseminar Oldenburg/GHRS und Grundschule Staakenweg, Oldenburg), apl. Prof. Dr. Johann Sjuts (Studienseminar Leer/Gym), Prof. Dr. Ingrid Kunze (Universität Osnabrück) u. a.


Moderation: Prof. Dr. Ulrike Krause

Schlussrunde

Ein Blick zurück nach vorn
Anmerkungen zu den Inhalten und Diskussionen der Tagung

Die ModeratorInnen der nds. Zentren für Lehrerbildung berichten aus den Diskussionen der AGs und überlegen, inwieweit die Ergebnisse und Diskussion für die Weiterentwicklung der Lehrerbildung in den Institutionen der Lehrerbildung in Niedersachsen und anderswo nutzbar gemacht werden können.

Podium: Janine Bittner, Prof. Dr. Martina Döhrmann, Dr. Yoshiro Nakamura, Dr. Kerstin Ratzke, Dr. Jens Winkel

Moderation: Dr. Iris Baumgardt

dizo4-Webmasterrmsw (diz@unb1pmi-gf0a7oldej8cqlnbufnuyrg.de) (Stand: 07.11.2019)