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Die DoktorandInnen und Doktoranden der Sprachwissenschaft

Die folgende Seite informiert Sie über die derzeitigen Dissertationsprojekte der Sprachwissenschaft am Institut für Germanistik.

Heike Schoormann, M.A.

Akustische Eigenschaften der Vokale des Saterfriesischen und seiner Kontaktsprache (Arbeitstitel)

Die Dissertation wird im Rahmen des DFG-Projekts (PE 793/2-1) Lautliche und prosodische Variation im Sater­land: Saterfriesisch, Niederdeutsch und Hochdeutsch angefertigt. Ziel der Arbeit ist eine akus­tisch-phonetische Untersuchung der Vokalsysteme der drei im Saterland gesprochenen west­ger­manischen Sprachen mit Schwerpunkt auf dem Saterfriesischen und sei­ner Variation. Hierzu werden die Vokale in den drei Orten Strücklingen, Scharrel und Ramsloh in kontrolliert phone­tisch­er Lautumgebung in Produktionsexperimenten erhoben. Neben der Ermittlung der derzeit in der Literatur angenommenen phonologischen Vokalinven­tare der drei Sprachen soll Auf­schluss bezüglich inter- und intrasprachlicher Variationsphäno­mene im sater­friesischen Vo­ka­lismus gegeben werden. Die Vokalsysteme der drei Sprachen unterscheiden sich im Umfang des phonologischen Inventars. Besonderes Augenmerk wird daher auf die Distribution der einzelnen Phoneme im Vokalraum innerhalb der drei Sprachen gelegt und un­ter­sucht, welchen Effekt das Vorhandensein zusätzlicher Monophthongoppositio­nen auf die akustisch-phonetische Ausprägung der Einzellaute sowie des Gesamtsystems hat. Es soll somit dem Zusammenhang von Inventargröße und genutztem Vokalraum sowie der phonetischen Para­meter zur Aufrechterhaltung distinktiver Vokalkategorien in komplexen Sys­temen nachge­gangen werden.

Betreuer: Prof. Dr. Jörg Peters

 

Niklas Reinken, M.Ed.

Die Linguistik der Handschriften

In gedruckten Schriften zeigen sich linguistische Strukturen auf unterschiedlichen Ebenen. So finden sich in der graphematischen Struktur eines Wortes Hinweise auf dessen Phonologie oder auf dessen Morphologie.

Der handschriftliche Sprachmodus unterscheidet sich nun in einigen offensichtlichen Merkmalen von der Druckschrift: Gedruckte Buchstaben sind diskret, d. h. sie sind eindeutig von ihren benachbarten Elementen abgegrenzt. In Handschriften können die Grenzen der Buchstaben aufgehoben sein. In solchen Fällen könnte man von handschriftlichen Ligaturen sprechen. Außerdem wirkt in Druckschriften ein Prinzip der Varianzvermeidung. Die Form eines Buchstaben variiert in Druckschriften nicht – in Handschriften kann sie sich dagegen stark unterscheiden.

Beide Phänomene ermöglichen es einer Handschrift, eine größere Variation zu zeigen als Druckschriften. Und tatsächlich treten in Handschriften auch Variationen auf, die in Druckschriften nicht zu finden sind. Möglicherweise sind solche Variationen nicht nur rein zufällig oder rein produktionsbedingt, sondern zeigen darüber hinaus auch noch einen Bezug zu linguistisch interessanten Strukturen.

Die Fragestellung des Promotionsvorhaben ist, wie die Mittel klassifiziert werden können, die Hand-schriften zur Anzeige von linguistischen Merkmalen erlauben und welche linguistische Struktur jeweils mit diesen Mitteln korrespondiert.

Diese Frage soll mit durch die Analyse eines handschriftlichen Korpus aus Abituraufsätzen beantwortet werden.

Betreuerin: Prof. Dr. Nanna Fuhrhop

 

Hanna Lüschow, M.A.

Graphematische Variation in historischen deutschen Texten

In der geplanten Dissertation sollen der Rückgang der graphematischen Variation in historischen deutschen Texten und die damit zusammenhängenden systematischen Entwicklungen nachgezeichnet werden.
Als Datengrundlage dient das Deutsche Textarchiv, eine Sammlung historischer Texte, wobei der Fokus der Untersuchung auf dem 17. bis 19. Jahrhundert liegt.
In diesen Texten wird das Verhältnis der verschiedenen auftretenden Schreibvarianten einer Wortform zueinander untersucht.

Von besonderer Relevanz sind dabei die Häufigkeiten der einzelnen Schreibvarianten, da so unter anderem Schlüsse gezogen werden können, welche Varianten sich in einem bestimmten Zeitraum am stärksten durchgesetzt haben.
Zusätzlich soll beziffert werden, welche Zeichen(-kombinationen) besonders häufig und besonders langfristig von graphematischer Variation betroffen waren und somit zum Fortbestand eines von der heutigen normierten Orthographie abweichenden Schriftbildes beigetragen haben.

Als Ausgangspunkt dient unter anderem die Annahme eines damaligen graphematischen Alternanzgebotes, wobei eine zu häufig wiederkehrende gleiche Wortschreibung als zu vermeidender stilistischer Fehler angesehen wurde.
In Zusammenhang mit diesem Alternanzgebot soll die Distanz zwischen den unterschiedlichen Schreibvarianten in zweierlei Hinsicht betrachtet werden:
Zum einen soll die Distanz zwischen den Zeichenketten betrachtet werden, um somit ihre konkreten Differenzen zu untersuchen und zu systematisieren.
Zum anderen soll auch die räumliche Distanz, bezogen auf die relative Lage innerhalb eines Textes, zweier Varianten zueinander untersucht werden, um zu prüfen, ob auch hierbei eine Strategie zur Vermeidung schneller Wiederholungen derselben Schreibung erkennbar ist.

Betreuerin: Prof. Dr. Nanna Fuhrhop

 

Gerrit Alexander Helm, M.Ed.

Über die Entwicklung eines (Online-)Lese-Screenings zur Diagnose von basalen Lesefertigkeiten aus sprachdidaktischer Perspektive

Lese-Diagnoseinstrumente wie das Salzburger Lese-Screening, der Stolperwörter Lese-Test oder der ELFE Leseverständnistest haben eine beinahe exklusive Position sowohl in der schulischen Praxis als auch in der deutschdidaktischen Forschung inne. Insbesondere im sprachdidaktischen Diskurs stehen diese Instrumente jedoch in der Kritik: Vermutet wird, dass sich Lese-Items hinsichtlich ihrer semantischen Anforderungen an Leser (stark) voneinander unterscheiden und darüber hinaus (linguistisch) zu unsystematisch konzipiert sind, als dass eine über eine Sondierung hinausgehende Diagnose möglich wäre.

Im Rahmen dieses Dissertationsprojektes soll der Versuch unternommen werden, ein neu-artiges Lese-Diagnoseinstrument in Form einer Tablet-App (Tablet Lese-Screening TaLeS) zu entwickelt und zu erproben, um diese Schwächen zu überwinden. Zusammengestellt wird hierzu ein (hierarchisches) Mehrebenenmodell, welches basales Lesen zuvorderst aus einer (textseitig) linguistischen Perspektive modelliert. Dieses Modell wird für die systematische Konzeption von potentiellen Lese-Items herangezogen. Eine Auswahl dieser Items wird in die eigens entwickelte Test-App eingebunden, welche vor allem Lese- und Bearbeitungszeiten von Lesenden bei einzelnen Items erfasst und auswertet. Möglich wird so (in der Theorie) ein Leseprofil von Schülerinnen und Schülern zu erstellen, welches abbildet, bei welchen (text-)linguistischen Aspekten individuelle Lerner noch einen (verhältnismäßigen) Zeitverlust beim Lesen und somit eine potentielle Lese-Schwäche zeigen.

Ziel ist somit ein Lese-Diagnoseinstrument zu entwickelt, das nicht nur zwischen vermeintlich ‘starken‘ und ‘schwachen‘ Lesern unterscheiden, sondern darüber hinaus auch Indizien liefern kann, hinsichtlich der Verarbeitung welcher linguistischer Aspekte sich das Lesen ‘starker‘ und ‘schwacher‘ Schülerinnen und Schüler unterscheidet.

Betreuerin: Prof. Dr. Nanna Fuhrhop

 

Barbara Streubel

Die Ergebnisse der aktuellen Schulleistungsstudien zeigen, dass ein hoher Zusammenhang zwischen der schulischen Leistung im Lesen und (Recht)schreiben und dem sozioökonomischen Status sowie der Zweisprachigkeit von Kindern besteht (vgl. IGLU, IGLU-E, IQB, KESS4). Bisherige Unterrichtskonzepte reichen oft nicht aus, damit auch Kinder aus schriftfernen Familien und mit Deutsch als Zweitsprache erfolgreich im Schriftspracherwerb sind. Es müssen also neue Wege gegangen werden.
Aus den Leistungsstudien geht ferner hervor, dass der Aufbau eines sog. Reading Engagements sich kompensierend auf die anfänglich schlechteren Voraussetzungen von bildungsfernen Kindern bei der Leseleistung auswirken kann (vgl. Kirsch u.a. 2002, Guthrie 2008, Goy u.a. 2010). Das sog. Reading Engagements drückt die Einstellung des Kindes zum Lesen aus. Kinder aus bildungsfernen Familien mit einem hohen Reading Engagement weisen eine höhere Leseleistung auf als Kinder aus bildungsnahen Haushalten mit einem niedrigen Reading Engagement. Parallel dazu kann Frahm erste Hinweise auf die Bedeutung eines sog. Writing Engagement auf die Rechtschreibkompetenz der Kinder nachweisen (vgl. Frahm 2012). Eine Förderung des Reading und Writing Engagements bietet demnach eine Chance für mehr Bildungsgerechtigkeit.
Um den Aufbau eines Reading und Writing Engagements zu unterstützen, ist es entscheidend, dass die Kinder beim Lesen- und Schreibenlernen stetig Fortschritte machen, um dauerhaft motiviert zu bleiben. Herkömmliche lautanalytische Konzepte setzen auf ein intuitives Sprachgefühl, das die Kinder beim Schriftspracherwerb unterstützt. Gerade bildungsfernen Kindern mit Deutsch als Zweitsprache fehlt dieses Gefühl häufig. Oft haben sie keine Unterstützung im Elternhaus und so bleiben wichtige schriftkulturelle Erfahrungen aus. Diese Kinder brauchen einen Unterricht, der ihnen einen erfolgreichen Schriftspracherwerb ermöglicht, auch wenn sie schlechte Anfangsbedingungen haben. Die Graphematik als Bereich der Sprachwissenschaft stellt das deutsche Schriftsystem als logisch aufgebaut und daher erlernbar dar (vgl. Eisenberg 2004, Fuhrhop 2015). Übertragen auf den Unterricht können Kinder anhand der Baumuster der Schrift, die Schrift systematisch entdecken und verstehen (vgl. Bredel 2010, Hinney 2014, Hinney 2017).
An diesem Punkt setzt das Anliegen meiner Dissertation an: Es wurde ein Unterrichtsprojekt in einer Klasse während des ersten und zweiten Schuljahres in einer vierzügigen Hamburger Grundschule durchgeführt, zu deren Einzugsgebiet fast zu 100% Kinder aus bildungsfernen Familien und mit Deutsch als Zweitsprache gehörten. Zwei Parallelklassen dienten als Kontrollgruppen. In der Untersuchungsklasse wurde ein Konzept für den Schriftspracherwerb erprobt und evaluiert, das im Sinne der Graphematik von der Schriftsprache ausgeht. Die Schulkinder wurden angeleitet, mit operationalen Verfahren schriftsprachliche Strukturen systematisch zu entdecken und einen Bezug zwischen der geschriebenen und gesprochenen Sprache herzustellen. Damit sollte eine Grundlage für entdeckendes und selbständiges Lernen gelegt werden. Neben der sprachtheoretischen Basis wurde ergänzend im Sinne der Literacyforschung (vgl. Dehn u.a. 2013) ein schriftkultureller Rahmen für das Konzept erstellt. Die Kinder sollten so fehlende schriftkulturelle Erfahrungen wie beispielsweise Vorlesen, Bücher angucken usw. erleben und kennenlernen. Auch Erkenntnisse der Kognitionspsychologie und Pädagogik wurden aufgegriffen und runden das Konzept ab.
Der durchgeführte Unterrichtsversuch bildet die Grundlage für die empirische Untersuchung meines Dissertationsvorhabens, dessen grundlegende Fragestellung lautet: Können die Bildungschancen von Kindern mit bildungsfernem Hintergrund und Deutsch als Zweitsprache durch den Einsatz eines graphematischen und schriftkulturell ausgerichteten Konzeptes als Grundlage eines vielfältigen Deutschunterrichts verbessert werden?

Betreuerin: Prof. Dr. Nanna Fuhrhop

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