Geschichte des Mittelalters
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Prof. Dr. Almut Höfert
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Geschichte des Mittelalters
Profil der Abteilung
Das „Mittelalter“ ist eine Erfindung der Humanisten, die die Epoche von ca. 500 bis 1500 in Mittel- und Westeuropa als dunkles, mittleres Zeitalter zwischen der leuchtenden Antike und der Renaissance bezeichneten. Seitdem ist das Mittelalter eine Projektionsfläche für finstere oder idealisierte Vergangenheiten – das hat immer wieder auch die Forschung geprägt. Eine Auseinandersetzung mit mittelalterlichen Quellen erfordert daher immer, ältere Mittelalterbilder und Forschungskonzepte wie etwa das veraltete Konzept eines einheitlichen „Lehnswesens“ oder der „Drei-Stände-Gesellschaft“ zu reflektieren und mit neuem Blick an das historische Material zu gehen. Das gilt auch für die islamische Geschichte, die in unserer Abteilung (wenn auch weniger als die europäische Geschichte) ebenfalls erforscht und gelehrt wird. Das «Bilderverbot im Islam» wurde beispielsweise nie absolut umgesetzt, wie die Darstellung einer Badeszene im Sommerschloss der Umaiyadenkalifen zeigt.
Forschungsschwerpunkte
Die Herausforderung, die Brücke zwischen mittelalterlichen und modernen Denkmustern und -kategorien zu schlagen, macht die Beschäftigung mit dieser Zeit so spannend und prägt Lehre und Forschung in unserer Abteilung: Auch wenn wir uns mit verschiedenen Themen, Zeiten und Orten befassen, schauen wir immer darauf, die häufig vereinheitlichenden Perspektiven auf das Mittelalter aus der Frühen Neuzeit und der Moderne beiseitezulassen. Dann wird der Blick offen auf vielgestaltige Gesellschaften, deren Lebens- und Denkformen sich nicht einfach auf einen Nenner bringen lassen.
In der Forschung befassen wir uns beispielsweise mit ritualisierten Konflikten (Sarah Neumann) und Reiseberichten (Anne Sacher, Almut Höfert). Ein Schwerpunkt der Abteilung liegt auf der Geschlechtergeschichte wie die Geschichte der Männlichkeiten (Anne Sacher, Mirko Menser) und unser Projekt Gentes und nationes (Laura Kampelmann, Almut Höfert sowie Anja Rathmann-Lutz, die inzwischen in Erfurt ist), das erforscht, wie Kollektive ab dem 15. Jahrhundert gegendert wurden.
Unser neuester Schwerpunkt ist die Regionalgeschichte des Oldenburger Landes und Nordwestdeutschlands, wo es für das Mittelalter noch viel zu erkunden gibt – hier arbeiten Cornelius Lauke und Almut Höfert vor allem mit Urkunden.
Urkunde aus dem Kloster Rastede
In dieser mittelniederdeutschen Urkunde aus dem Rasteder Bestand im Oldenburger Landesarchiv vom 8. Dezember 1407 stiften Siverd Line und seine Frau Grete eine jährliche Rente von 1½ Bremer Mark (= 45 Bremer Groschen) an das Kloster Rastede. Für 30 Groschen sollen die Rasteder Mönche Messen und Vigilien für das Seelenheil des Ehepaars, beider Eltern und Siverds Sohn sowie „aller christlichen Seelen und all jener, die rechtmäßigerweise ihren Lohn haben sollen“ abhalten. Solche Stiftungen für das Seelenheil waren seit dem Frühmittelalter verbreitet und waren wesentlicher Bestandteil der materiellen Ausstattung von Kirchen und Klöstern. Bemerkenswert ist hier, dass Ehefrau Grete, anders als es meistens der Fall ist, als gleichberechtigte Stifterin auftritt und ihre Eltern als Begünstigte noch vor den Eltern Siverds genannt werden.
(Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Niedersächsischen Landesarchives Oldenburg, Sign.: NLA OL Best. 23-1, Nr. 85)