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Renaturierung und Vektorökologie

Naturschutz unter Berücksichtigung vektorökologischer Hürden

Laufzeit: März 2018 - März 2022

Finanzierung: Heinrich-Böll-Stiftung

Beschreibung

In meiner Doktorarbeit befasse ich mich mit den Auswirkungen von Naturschutzmaßnahmen  – z. B. Wiedervernässungen, Verbesserungen der hydrologischen Bedingungen, Wiederherstellung der natürlichen Gegebenheiten – auf Stechmücken und vice versa. Dabei fokussiert mein Forschungsprojekt folgende Untersuchungsfragen:

a) Inwiefern haben Naturschutzmaßnahmen Auswirkungen auf die Stechmückenpopulationen? 

b) Ist es möglich, basierend auf den Auswirkungen der Naturschutzmaßnahmen auf die Stechmücken, eine präventive Steuerung zu entwickeln? Wie kann diese präventive Steuerung aussehen? 

Dieses kontrovers diskutierte Thema ist interdisziplinär angelegt. Es vereint die Disziplinen Vektorökologie und Naturschutz und integriert sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder.

Kurzfassung

Feuchtgebiete (Auen, Sümpfe, Überschwemmungsgebiete, Seen, Moore etc.) sind Ökosysteme mit entscheidender Bedeutung für die Menschheit. Sie können CO2 effektiv zurückhalten und sind Biodiversitätshotspots. Allerdings sind inzwischen weltweit ca. 64 % aller Feuchtgebiete seit dem 20. Jahrhundert vernichtet worden (Ramsar, 2018). Nicht zuletzt die Folgen des Klimawandels verdeutlichen den dringenden Bedarf an Maßnahmen zum Schutz und Erhalt von Feuchtgebieten. Maßnahmen zur Revitalisierung von Feuchtgebieten gehen indessen fast immer mit einer Wiedervernässung des Gebiets einher. Kleingewässern, Sümpfe, Auwald, Moore oder Schilfbestände werden dann notwendigerweise gebildet oder gefördert. Allerdings bieten diese Biotope auch ideale Brutstätten und Lebensräume für Stechmücken (Diptera: Culicidae), die bei den Anwohnern revitalisierter Gebiete nicht zu den beliebtesten Nachbarn zählen. Die (empfundene) Belästigung durch Stechmücken oder die Sorge um gesundheitliche Risiken durch von Stechmücken übertragene Erreger werden artikuliert. In bestehenden Feuchtgebieten fordert die Bevölkerung deshalb vielerorts die Bekämpfung von Mücken. Darüber hinaus finden Pläne zur Entwicklung neuer Feuchtgebiete wenig Akzeptanz. Was fehlt, ist ein Projekt, das die Erkenntnisse über Naturschutzmanagement, Ökologie der Feuchtgebiete, Vektorökologie, Planung sowie sozialwissenschaftlich basierte Analysen vereint. Hier setzt meine Doktorarbeit an.

Ich konzentriere mich auf sechs Untersuchungsgebiete in Deutschland, in denen Feuchtgebiet-fördernde Maßnahmen durchgeführt wurden. Das Vorkommen der Stechmücken in diesen Gebieten ist weitaus höher als in anderen Teilen Deutschlands. In meiner Arbeit untersuche ich, ob und in welchem Umfang Revitalisierungsprojekte den Anstieg der Stechmückenfauna fördern. Ich evaluiere die Situation vor und nach der Revitalisierungsmaßnahme in diesen Gebieten. Dies geschieht über Fragebögen für Anwohner sowie Informationen aus Stechmücken Monitorings, um die Situation vor der Maßnahme zu rekapitulieren. Im nächsten Schritt führe ich ein Stechmückenmonitoring durch, auf Basis dessen die Situation nach der Maßnahme bewertet wird. Auf dieser Datengrundlage plane ich, im Feld einsetzbare Maßnahmen für lokale Akteure zu erstellen, die vor allem auf eine präventive Steuerung von Stechmückenpopulationen abzielen und gleichzeitig den Naturschutz berücksichtigen. Konkrete Ziele sind u. a. gebietsspezifische Hinweise, aber auch eine „heatmap“ für ganz Deutschland bzw. Mitteleuropa sowie eine Guideline zur Risikobewertung. Naturschutzmaßnahmen sollen zukünftig weder stagnieren noch Stechmückenplagen begünstigen, sondern diese potentiellen Konflikte zwischen Natur- und Infektionsschutz bereits im Prozess der Planung einer Naturschutzmaßnahme erkennbar und beherrschbar werden.

Bilder

Juau0ttaf9 Bcf3ehrepwns (juttyywa.boiehr4zensyc@uol.de+acf) (Stand: 21.08.2020)