Professionalisierungsprozesse in der Lehrkräftebildung
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Professionalisierungsprozesse in der Lehrkräftebildung
Professionalisierungsprozesse in der Lehrkräftebildung
Der Forschungsschwerpunkt „Professionalisierungsprozesse in der Lehrkräftebildung“ verbindet die Forschungen der fünf an der Lehrkräftebildung beteiligten Fakultäten miteinander. Aus fachdidaktischer, bildungswissenschaftlicher und fachlicher Perspektive steht die Forschung zur Profession und zur Professionalisierung von Lehrkräften im Fokus; und zwar als eine Vollzugsform, die sich im situativen Handeln von Lehrkräften im Unterricht und im schulischen Alltag manifestiert. Der Fokus richtet sich folglich auf das Handeln von Lehrkräften und die Frage, wie diese in komplexen, dynamischen und häufig unvorhersehbaren Situationen handlungsfähig bleiben. Eine zentrale Annahme besteht darin, dass professionelles Handeln wesentlich auf implizitem und verkörpertem Wissen beruht. Lehrkräfte greifen in ihrem beruflichen Alltag weniger auf explizites, theoretisch erworbenes Wissen, denn mehr auf routinisierte Wahrnehmungs-, Deutungs- und Handlungsschemata zurück, die sich im Verlauf ihrer beruflichen Biografie herausbilden. Dieses implizite Wissen strukturiert maßgeblich, wie sie Unterrichtssituationen interpretieren, wahrnehmen und auf pädagogische Herausforderungen reagieren. Die Erforschung ihrer Professionalisierung erlaubt die Rekonstruktion der Entstehung dieses praktischen Wissens, wie sich dieses stabilisiert und wie es sich im Laufe der Berufstätigkeit verändert – und zwar innerhalb institutioneller Normen der Schule und entlang kultureller Deutungsmuster. Sie ermöglicht es vor diesem Hintergrund sichtbar zu machen, wie Lehrkräfte Ordnungen in ihrem Handeln reproduzieren, modifizieren oder auch infrage stellen; und wie sich Professionalität in diesem – von Kontingenzen und Ungewissheiten durchzogenen – Spannungsfeld konstituiert. Die Erforschung der Professionalität von Lehrkräften ist notwendig, um zu verstehen, wie diese in die Praxis des Berufs hineinwachsen, wie sich professionelle Praktiken im Vollzug der Beruflichkeit herausbilden und wie sich professionelles Handeln im Spannungsfeld von individuellen Erfahrungen und institutionellen Strukturen konstituiert. Kurz: Um die komplexen Bedingungen, unter denen professionelles Lehrkräftehandeln entsteht und sich situativ entwickelt, differenziert zu analysieren.
Dabei wird sich den aufgeworfenen Fragen vielperspektivisch aus kompetenz-, struktur-, wie auch aus berufsbiografischer Perspektive, und in Weiterentwicklung kultur- und sozialtheoretischer Optiken, praxistheoretisch genähert. Diese in mehreren Forschungsprogrammen verfolgten Perspektiven spiegeln sich in unterschiedlichen Topoi wider. Das Forschungsspektrum umfasst grundlagen- und anwendungsorientierte regionale, überregionale und internationale Kooperationsprojekte, die inter- und transdisziplinär angelegt sind. Der Forschungsschwerpunkt ist durch zahlreiche Drittmittel-geförderte interdisziplinäre und internationale wissenschaftliche (Verbund-) Projekte ausgewiesen. Er umfasst neben Einzelforschung zugleich Promotionsprogramme, Forschungsverbünde und innovative Formate des Wissenstransfers – so etwa zu postdigitalen Konditionen von Schule und Unterricht, schulischen und unterrichtlichen Wissensordnungen, Thematisierungen von Nachhaltigkeit, Leistungs- und Fähigkeitserwartungen wie auch zur Bedeutung von Sprachlichkeit in der Schule. Die in mehreren großen Forschungsprojekten verfolgten Perspektiven spiegeln sich inzwischen in verschiedenen Forschungsclustern wider, aus denen wiederum zukünftig weitere gemeinsame nationale und internationale Verbundprojekte entstehen sollen, so etwa zum Themenbereich „Care in Contexts of Bildung“. Promovierende werden fakultätsübergreifend durch verschiedene Angebote der folgenden Promotions- bzw. Graduiertenkollegs unterstützt. Die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg blickt diesbezüglich auf eine langjährige Tradition der lehrkräftebildungsbezogenen Graduiertenkollegs zurück, zuletzt auf das Graduiertenkolleg „Lehrkräftebildung 2040“ (Grako 2040).
Die enge Verzahnung von Forschung und Lehre im Rahmen forschungsorientierter Lehre bildet eine tragende Säule des Forschungsbereichs. Bereits gegenwärtig prägt die inhaltliche Ausrichtung der lehrkräftebildungsbezogenen Forschung in Oldenburg die Studiengänge der beteiligten Fakultäten, steht zugleich in wechselseitigem Austausch mit diesen und findet darüber hinaus in interdisziplinären und internationalen Veranstaltungsformaten, etwa Ringvorlesungen und Kolloquien, ihren Ausdruck.
Der thematische Schwerpunkt ist in Forschung, Lehre und Transfer dauerhaft über die Forschungsakademie am Didaktischen Zentrum der Universität institutionell verankert. Ein zentrales Strukturelement besteht im kontinuierlichen Wissenstransfer, sowohl in die Scientific Community – getragen durch zahlreiche nationale und internationale Kooperationen sowie Netzwerke –, als auch in Bildungspraxis-, -politik und Gesellschaft.