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EINBLICKE 49 / Frühjahr 2009

Liebe Leserinnen,
liebe Leser,

noch vor wenigen Jahren gab es selbst in Gruppen und Initiativen, die sich mit nachhaltiger Entwicklung beschäftigten, Diskussionen darüber, ob der Begriff Nachhaltigkeit nicht wegen mangelnder Verständlichkeit aufgegeben werden müsse. Inzwischen hat sich die Situation grundlegend verändert: Die traurige Gewissheit über bereits begonnene globale Klimaveränderungen – und darüber, was passieren könnte, wenn so weitergemacht wird wie bisher –, Peak Oil, also das Ende billigen Erdöls, und jetzt die globale Finanz- und inzwischen auch Wirtschaftskrise haben den Begriff der Nachhaltigkeit zur Selbstverständlichkeit werden lassen. Gerade das kurzfristige Denken in Produktion, Konsum und auf den globalen Finanzmärkten verlangt danach, die regulative Idee einer nachhaltigen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft zur Geltung zu bringen. Insbesondere die Wirtschaftswissenschaften, die trotz weniger mahnender Stimmen von der Finanz- und Wirtschaftskrise völlig überrollt wurden, sind aufgerufen, ihren Beitrag zur Lösung der Probleme zu leisten, weil die bedrohlichen naturwissenschaftlichen Szenarien in neue Entwicklungspfade des Produzierens und Konsumierens übersetzt werden müssen.

An der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg hat die wirtschaftswissenschaftliche Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung eine lange Tradition. So gibt es in der Volkswirtschaftslehre schon von Anfang an und in der Betriebswirtschaftslehre seit Mitte der neunziger Jahre eine Reihe von Lehrstühlen, die sich zu einem wichtigen Teil ihrer Forschung und Lehre zunächst mit Umweltökonomik, dann aber zunehmend auch mit Problemen nachhaltiger Entwicklung beschäftigten. Am Lehrstuhl für Berufs- und Wirtschaftspädagogik haben diese Fragen auch großes Gewicht, ebenso in den Rechtswissenschaften als Mitglied unseres Departments. Finanziert u.a. vom Bundesforschungsministerium wurden und werden zahlreiche Forschungsprojekte durchgeführt, die bezogen auch auf spezifische Empirie- und Praxisfelder wie Energie- und Ernährungswirtschaft helfen, neue Wege des Produzierens und Konsumierens zu erschließen.

Unter dem Dach von COAST, dem gesamtuniversitären Zentrum für Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung, existiert seit gut drei Jahren CENTOS als wissenschaftliches Zentrum für die Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Nach Mitarbeiterzahl sowie Forschungs- und Lehrintensität nimmt CENTOS im deutschsprachigen Raum eine Spitzenposition mit internationaler Ausstrahlung ein. Entsprechend der wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Gesamtsituation stehen Fragen von Innovation, Veränderung und Wandel im Zentrum der Forschungsaktivitäten. Problemorientierung und Interdisziplinarität sind leitende methodische Gesichtspunkte. Beispielhaft seien zwei Projekte genannt:

• Im Projekt WENKE² (Wege zum nachhaltigen Konsum im häuslichen Energiekonsum und bei der Ernährung) werden unterschiedliche wirtschaftswissenschaftliche Theoriezugänge wie die Happiness-Forschung, die Evolutorische Ökonomik, der Learning-to-Consume-Ansatz, institutionalistische und interaktionsökonomische Zugänge sowie eine kulturalistische Ökonomik auf die Bedingungen und Möglichkeiten des Wechsel auf grünen Strom und Solarthermie bzw. auf biologische, regionale und fair gehandelte Lebensmittel angewandt;

• Im Projekt GEKKO (Gebäude, Klimaschutz und Kommunikation in Oldenburg) werden in Kooperation mit KoBE e.V., dem Oldenburger Kompetenzzentrum für Bauen und Energie, Informations-, Beratungs- und Beteiligungsleistungen erbracht, die für alle Interessierten aus Oldenburg und Umgebung kostenlos sind.

Diese Ausgabe des Forschungsmagazins „Einblicke“ will einen Eindruck von der produktiven Vielfalt der wirtschaftswissenschaftlichen Nachhaltigkeitsforschung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg vermitteln. Hier werden moderne Konzepte und Methoden der Umweltpolitik, Fragen der Umweltbildung, konsum- und lebensstilrelevante Aspekte sowie kulturalistische Perspektiven nachhaltigen Konsums ebenso berücksichtigt wie transdisziplinäre Ansätze in der Innovations- und Entrepreneurship-Forschung. Zu den konkreten Untersuchungsfeldern zählen gegenwärtig Klimaschutz und Energieversorgung, Ernährung, Informations- und Kommunikationstechnologien, Textilwirtschaft sowie Mobilität.

CENTOS arbeitet engagiert an der Aufgabe, Forschung und Lehre auf hohem Niveau miteinander zu verbinden. Durch den eigenständigen Master-Studiengang „Sustainability Economics and Management“ werden neue Kräfte für die wirtschaftswissenschaftliche Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung rekrutiert. Engagierte Studentinnen und Studenten sind über Mitarbeiterstellen aktiv in die laufenden Forschungsprojekte einbezogen. Und gerade bei diesem Master-Studiengang kommt die Interdisziplinarität zum Tragen: der Studiengang kann sich direkt Lehrkompetenz aus den Naturwissenschaften und anderen Bereichen außerhalb der eigenen Fakultät zunutze machen. Aktuell wird in diesem Rahmen mit „Eco-Entrepreneurship“ ein neuer Studienschwerpunkt etabliert.

Natürlich arbeitet CENTOS national und international mit wichtigen Forschungseinrichtungen und Persönlichkeiten im Felde der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung zusammen. Für das gerade anlaufende Projekt „NordWest 2050“, bei dem es in Kooperation mit der Universität Bremen und unter dem Dach der Metropolregion Bremen-Oldenburg über einen Zeitraum von fünf Jahren um die Entwicklung von Klimaanpassungsstrategien für den nordwestdeutschen Raum geht, konnte der ehemalige Bundesumweltminister Prof. Dr. Klaus Töpfer als Forschungspartner von CENTOS gewonnen werden.

Lesen Sie dieses Heft, und wir sind sicher, Sie werden einen guten Eindruck davon gewinnen, welch nützliche Einrichtungen Universitäten für die Gesellschaft doch sein können! Viel Spaß wünschen stellvertretend für alle CENTOS-Mitglieder 

Klaus Fichter, Reinhard Pfriem

Presi6se & Kgtomojv5munikation (presekse4qnn@uol.dezoh6) (Stand: 07.11.2019)