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Carl von Ossietzky Universität
Fakultät IV
Institut für Geschichte
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Abstract zum Promotionsprojekt

Literales Handeln ist eine wesentliche Grundlage historischen Denkens. So sind die Zugänge zur Vergangenheit (schriftliche Quellen) und die bereits vorliegende Geschichte (schriftliche Darstellungen) überwiegend literal verfasst. Zudem kommt der Prozess der historischen Sinnbildung nicht ohne die Tätigkeit des textproduzierenden Schreibens aus (u.a. Hartung 2013). Vielmehr zeichnet sich die Ausbildung historischen Sinns dadurch aus, dass die fachspezifischen Denkoperationen der Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Geschichte – wie etwa die historische Urteilsbildung – zumeist erst durch schriftliche Textproduktion verfertigt werden, wobei historisches Denken und Schreiben in keinem Folgeverhältnis stehen, sondern miteinander verschränkt funktionieren: „Das Denken erstreckt sich in das Formulieren und Darstellen hinein und vollendet sich auch erst mit ihm.“ (Rüsen 2013) Die enge Verbindung von Sprache und historischem Denken zeigt sich auch bei der schriftlichen Produktion historischer Urteile, denn die kognitiven Teiloperationen historischen Urteilens (Analyse, Sachurteil, Werturteil (Weymar 1970, später aufgegriffen durch Jeismann 1980)) zeigen sich in bestimmten sprachlichen Mitteln. Wesentlicher Bestandteil der sprachlichen Realisierung historischer Urteile sind Textprozeduren. Diese sind stabile und wiederkehrende Formulierungsmuster und fungieren als Zeichen „pars-pro toto“ (Feilke 2014), d.h. sie sind nicht in erster Linie Symbol lexikalischer Bedeutungen, sondern indizieren die Operationen historischer Erkenntnis- und Denkprozesse. So kann etwa ein historisches Werturteil ausdruckseitig durch Textprozeduren wie „Nach heutigen moralischen Vorstellungen…“ oder „Aus heutiger Perspektive…“ angezeigt werden. Als sprachliche Texteinheiten sind Textprozeduren gleichzeitig Bausteine und Werkzeuge der Ausbildung historischen Sinns.

Literale Kompetenz ist somit eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Teilhabe an Erkenntnis- und Denkprozessen im Geschichtsunterricht. Schreibkompetenzen sind bei Schülerinnen und Schülern jedoch weder einfach vorhanden noch entwickeln sich diese automatisch entlang der über die Schuljahre vermeintlich steigenden Komplexität des Zugriffs auf historische Sachverhalte. Vielmehr kommt im Geschichtsunterricht fachliches nicht ohne sprachliches Lernen aus. Daher ist im Fach Geschichte eine systematische Förderung der Fähigkeiten, Fertigkeiten und Bereitschaft(en) zum Schreiben im Sinne von Textproduktion unerlässlich. Dabei muss – so die hier vertretene Ansicht – besonderer Fokus auf den Aufbau fachspezifischer Prozedurenkompetenz gelegt und die sprachliche Seite der schriftlichen Konstruktion von Geschichte in den Blick genommen werden (vgl. u.a. Feilke 2014; Bachmann / Becker-Mrotzek 2017).

Ziel des Dissertationsprojektes ist es, ein Konzept zur Schreibkompetenzförderung im Fach Geschichte zu entwickeln. Der Fokus wird dabei auf der Förderung von Kompetenzen zur schriftlichen Verfertigung historischer Urteile liegen. Für dieses Vorhaben sollen neben den geschichtstheoretischen und geschichtsdidaktischen Einsichten zum Zusammenhang von Sprache und Geschichte vor allem die Ansätze der Didaktik der Prozeduren als ein wesentlicher Teil der theoretischen Fundierung des Modells dienen. Nach bisherigen Überlegungen soll das Konzept methodisch nach dem aus der Genre-Didaktik stammenden Lehr-Lern-Zyklus (1. Modelltexte studieren, 2. Spielraum für Variation ausloten, 3. Geleitetes Anwenden, 4. Selbstständiges anwenden (Rose 2009; Devitt 2014; hier nach Sturm / Weder 2016)) gestaltet werden. Die damit skizzierte Kombination aus theoretischen und methodischen Ansätzen verspricht großes Potenzial für historische Lernprozesse: Zum Gegenstand des Geschichtsunterrichts wird nicht nur die sprachliche Seite der Geschichtsschreibung, wodurch sich das Konzept deutlich von Ansätzen abgrenzt, in deren Mittelpunkt das ‚Auswendiglernen‘ von Textbausteinen steht, sondern auch die Verbindung von literalen Handlungen und Denkoperationen des Fachs.

Das Promotionsprojekt ist als explorative Studie mit einem Pre-Post-Test Design konzipiert, wobei sich die Stichprobe aus Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I zusammensetzen wird. Die Schreibprodukte der Schülerinnen und Schüler werden mit Hilfe einer qualitativen Textkorpusanalyse untersucht, um die Wirkung des Förderkonzepts festzustellen und um mögliche Nachjustierungen an der Konzeption der Fördermaßnahmen vornehmen zu können. Darüber hinaus sollen die Ergebnisse der Studie Grundlage für weiterführende Überlegungen zur Förderung der Fähigkeiten, Fertigkeiten und Bereitschaften zur schriftsprachlichen Ausbildung historischen Sinns sein.

Publikationen

Aufsätze:

(mit Sinje Eichner und Dietmar von Reeken): „Ja, das ist auch so ein Begriff“. Zum Potential von Scaffolding als Unterstützungsstrategie zur Begriffsbildung im Geschichtsunterricht, in: Martin Butler / Juliana Goschler (Hg.): Sprachsensibler Fachunterricht. Chancen und Herausforderungen in interdisziplinärer Perspektive, Berlin.

(mit Britta Wehen): Historische Urteilsbildung (sprachlich) fördern – Eine Unterrichteinheit zur Aneignung sprachlicher Werkzeuge für das Schreiben von Sachurteilen, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht (GWU). (angenommen, erscheint vorauss. 2019/2020)

Rezension:

Rez. zu: "Katharina Grannemann / Sven Oleschko / Christian Kuchler (Hg.): Sprachbildung im Geschichtsunterricht. Zur Bedeutung der kognitiven Funktion von Sprache, Münster 2018", in: sehepunkte 19/6, 2019.

Webma1ustl9eriakj (sa.neuaumann@jipuob7u5vl.deupz) (Stand: 06.12.2019)