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Anja Steinbach

Ralph Bruder

Saphira Shure

13. Februar 2023   032/23    Forschung

Institutioneller Rassismus in Schulen

BMBF-gefördertes Forschungsprojekt an der Universität Oldenburg gestartet

Oldenburg. Spätere Einschulungen von Kindern aus Einwandererfamilien, seltenere Empfehlungen für ein Gymnasium aufgrund nicht perfekter Deutschkenntnisse, ungleiche Bewertungen bei gleichen Leistungen, separierte Beschulung – es gibt viele Beispiele für institutionellen Rassismus in der Schule. Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Anja Steinbach von der Universität Oldenburg untersucht Mechanismen wie diese in den kommenden fünf Jahren intensiv. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die von ihr geleitete wissenschaftliche Nachwuchsgruppe „Kontinuitäten und Neuformierungen von Institutionellem Rassismus in der Schule“ (KoNIR) mit rund 1,7 Millionen Euro.

„Die neue Nachwuchsgruppe von Anja Steinbach wird dazu beitragen, Lehrkräfte für das Thema Rassismus weiter zu sensibilisieren. Damit knüpft sie an die bisherige pädagogische Forschung der Universität hervorragend an, die sich bereits seit vielen Jahren diesem wichtigen Themenfeld widmet“, betont Universitätspräsident Prof. Dr. Ralph Bruder.

In den kommenden Jahren beobachten die Forschenden – neben Steinbach drei Wissenschaftliche Mitarbeitende – den Schulalltag in sechs niedersächsischen und Bremer Schulen. Sie interessieren sich dabei nicht nur für den Unterricht selbst, sondern begleiten zum Beispiel auch Pausen, Konferenzen und Elterngespräche. Außerdem führt das Team Interviews mit verschiedenen pädagogischen Mitarbeitenden dieser Schulen, darunter Schulleitungen, Lehrkräfte, Schulsozialarbeitende und Schulbegleitungen. „Dabei geht es uns explizit nicht darum, einzelnen Schulen oder gar einzelnen Personen Rassismus nachzuweisen. Im Mittelpunkt unserer Forschung stehen vielmehr Fragen wie: Wo im Schulalltag werden Unterscheidungen gemacht, die an die vermutete Herkunft von Schülerinnen und Schülern geknüpft sind? Und wie ist dies in die Strukturen der Institution und in die Routinen der handelnden Personen eingebettet?“, erläutert Steinbach.

Frühere Untersuchungen aus Mannheim haben beispielsweise gezeigt, dass Lehramtsstudierende in einem Versuch Diktate fiktiver Schüler*innen schlechter bewerteten, wenn sie einen „fremd klingenden“ Namen trugen, obwohl sie die gleichen Fehler gemacht hatten wie der besser bewertete „Max“. Und auch bei den Übergängen im Schulsystem, zum Beispiel beim Wechsel an weiterführende Schulen, haben Forschende bereits Ungleichbehandlungen abhängig von der vermuteten Herkunft der Schüler*innen dokumentiert. „Darüber hinaus wollen wir aber auch subtilere Formen von Ungleichbehandlung im Blick behalten, die nicht zwangsläufig zu einem schulischen Nachteil führen müssen, aber trotzdem im Alltag von Schülerinnen und Schülern eine Rolle spielen“, so Steinbach.

Die Oldenburger Nachwuchsgruppe wird eng mit Forschenden anderer Universitäten zusammenarbeiten, unter anderem mit der Coventry University in Großbritannien, wo es bereits ähnliche Untersuchungen zu institutionellem Rassismus in der Schule gab. Eine Kooperation ist zudem mit einer zeitgleich startenden Bielefelder Nachwuchsgruppe geplant, die von Dr. Saphira Shure geleitet wird: Das Team in Bielefeld untersucht, unter welchen Bedingungen eine rassismussensible Lehrkräftebildung gelingen kann.

Die Ergebnisse der Oldenburger Forschenden sollen Eingang in die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften finden. Deshalb arbeiten Steinbach und ihr Team auch mit verschiedenen regionalen Bildungsträgern zusammen, darunter das Niedersächsische Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung, das Oldenburger Fortbildungszentrum der Universität Oldenburg und das LidiceHaus Bremen. Gemeinsam werden sie Fortbildungsprogramme für pädagogische Fachkräfte weiterentwickeln.

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Bilder

  

Prof. Dr. Anja Steinbach forscht zu institutionellem Rassismus in Schulen. Foto: Universität Oldenburg

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Kontakt

Prof. Dr. Anja Steinbach, Tel.: 0441/798-4553, E-Mail:

(Stand: 29.05.2024)  | 
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