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Kontakt

  • Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
    Fakultät IV - Institut für Philosophie
    Forschungsstelle Kritische Naturphilosophie
    26111 Oldenburg
  • apl. Prof. Dr. Myriam Gerhard
    myxsemdriamjkeq4.gerhard@uol.de
    Tel.: +49(0)441 798-2836
  • Dr. Christine Zunke
    christinej/.zun5xke@uwhuol.ytde
    Tel.: +49(0)441 798-454

Mitarbeiter

Tagung:
Ziele und Wege der heutigen Naturphilosophie

10.-11. Februar 2017
Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg

Die Informationsbroschüre zur Veranstaltung finden Sie hier.

Forschungsstelle Kritische Naturphilosophie

Die Forschungsstelle Kritische Naturphilosophie befasst sich mit wissenschaftlichen Konzepten der Natur in systematischer und historischer Perspektive. Im Vordergrund steht dabei die kritische Reflexion auf Voraussetzungen, Konsequenzen und Implikationen einer theoretischen Betrachtung der Natur. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft und das Selbstverständnis der Menschen (Anthropologie) bilden dabei den Fokus der Forschungsarbeit. Damit ist explizit ein Brückenschlag zwischen Philosophie und Naturwissenschaften, aber auch zwischen theoretischer und praktischer Philosophie intendiert.

Die Forschungsgruppe Kritische Naturphilosophie legt ihren Schwerpunkt hierbei zum einen auf die Reflexion auf das menschliche Erkenntnisvermögen, um im Verhältnis von Geist und Natur den Grund der Objektivität naturwissenschaftlicher Erkenntnisse aufzudecken. Zugleich soll in der Reflexion auf die gesellschaftliche Funktion von Naturwissenschaften auch das in der empirischen Wissenschaft mitgetragene ideologische Moment aufgezeigt werden. Vermittelst dieser Verschränkung sollen die Möglichkeiten und Grenzen der modernen Naturwissenschaften theoretisch bestimmt und auf ihre Bedeutung für eine praktische Philosophie hinterfragt werden.

Aktuell

Symposium Biopolitik und Rassismus

Termin: Donnerstag 27.6.2019, 10-17 Uhr

Ort: Karl-Jaspers-Villa, Unter den Eichen 22, Oldenburg

Workshop I    10-13 Uhr

Das "gefährliche Gewaltopfer". Zur Kritik eines aktuellen Diskurses über Geflüchtete

Dass die Sorge um Menschen sich auch mit Gewalt gegen sie verschränken kann, ist bekannt. So lassen sich machtvolle Prozesse der Sozialdisziplinierung und Repression auch unter den Etiketten von Therapie und Integration finden. Die deutsche Akademie der Wissenschaften, die Leopoldina, sorgt sich beispielsweise in einer aktuellen Stellungnahme um das psychische Wohl von Geflüchteten. Sie schlägt ein Screening aller Geflüchteten und flächendeckende Kurzzeittherapien vor, um Traumatisierten schnelle Hilfe zu verschaffen. Dabei unterstellen die Wissenschaftler*innen jedoch die folgende Gleichung: Geflüchtete = potentiell Traumatisierte = potentiell Gefährdete = potentiell gefährlich. Als Folge dieser argumentativen Kette wird die Figur des "sich nicht integrierenden psychisch labilen Flüchtlings" als eine Gefahr für die deutsche „Aufnahmegesellschaft" behauptet. Solche Konstruktionen einer "gefährlichen Klasse der Flüchtlinge" stellen eine der Grundlagen eines einflussreichen Diskurses dar, der auch Legitimationsvorlagen in Bezug auf neue Abschieberegelungen, Polizei- und Psychiatriegesetze liefern kann.
In unserem Workshop wollen wir diesen Diskurs über "gefährliche traumatisierte Flüchtlinge“ an Hand der Stellungnahme der Leopoldina analysieren. Dazu sollen die Grundlagen der Wissensproduktion hinter der Stellungnahme und die Konsequenzen der dort artikulierten politischen Vorschläge ebenso in den Blick genommen werden wie explizite und implizite Annahmen über die Verknüpfungen von Gesellschaft und Subjekt sowie Biologie und Psyche.

Referenten:
Marcus Balzereit, Erziehungswissenschaftler (Frankfurt)
Tobias Heinze,  Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Politikwissenschaft

 

Workshop II    14-17 Uhr

Warum Gesellschaftswissenschaft keine Naturreportage ist -
und wie das Aufgreifen bestehender rassistischer und nationalistischer Ideologien im Wissenschaftsbetrieb seinen Platz gefunden hat.

In der politischen Diskussion wie auch in wissenschaftlichen Diskursen wird gerne darauf verwiesen, dass die eigene Position durch die neuesten Erkenntnisse über die biologische Natur der Menschen bewiesen worden sei. Selbst scheinbar nicht biologisch begründete Theorien weisen gar nicht selten biologistische Argumentationen auf. So werden z.B. auch ökonomische Probleme gerne mit ethnischen Eigenarten der Protagonist*innen erklärt. Biologistische Erklärungen menschlichen Verhaltens, wie sie insbesondere durch die Gen- und Hirnforschung (populär-)wissenschaftlich hergestellt werden, spiegeln als Resultate empirischer Forschung auch reale Diskriminierungen und gesellschaftliche Machtverhältnisse wider und finden so Anschluss an die Gesellschaftswissenschaften. Neben den populistischen konservativen Sichtweisen, die durch die menschliche Biologie erklärt werden sollen, nutzen durchaus auch gut gemeinte und sich selbst als progressiv verstehende Positionen Biologismen, um ihren Standpunkt zu stützen. Dabei wird nicht immer so weit gegangen, den Menschen für gänzlich unfrei und seiner biologischen Natur ausgeliefert zu erklären. Doch menschliche Handlungen und gesellschaftliche Verhältnisse werden nicht als solche reflektiert, sondern ganz oder teilweise auf ihre vermeintliche Naturbasis zurückgeführt. Den Kritiker*innen dieser Verhältnisse wird dann entgegnet, die Menschen seien eben so, wie sie seien. Der Weg, um Veränderungen zu erreichen, führe deshalb nicht über die politische Kritik am Bestehenden, sondern müsse von einer grundlegenden (unhinterfragten) Anerkennung des Bestehenden ausgehen.
Neben der offensichtlichen Brauchbarkeit von biologischen Erklärungen für herrschaftsbezogenes Denken und Handeln ist es gerade die Übereinstimmung mit den Erfahrungen der apersonalen Herrschaft in der kapitalistischen Gesellschaft, die ihre Erklärung über biologische Grundkonstanten und Verhaltensmuster so plausibel machen. Die Mechanismen, nach denen unkritische Forschungsarbeit oft unbewusst rassistische/ethnizistische Vorstellungen reproduziert, sollen in diesem Workshop aus verschiedenen Perspektiven aufgezeigt und gemeinsam diskutiert werden.


Referent*innen:
Anna-Sophie Schönfelder, Universität Osnabrück, Fachgebiet politische Theorie
Matthias Spekker, Universität Osnabrück, Fachgebiet politische Theorie
Sascha Wittneben, Matthias Claudius Gymnasium Gehrden (Biologie, Philosophie)
Oliver Voß, Universität Hildesheim, Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur
Johannes Zimmermann, Universität Kiel, Institut für experimentelle Medizin


Eine Veranstaltung der Forschungsgruppe kritische Naturphilosophie (FkN) des Instituts für Philosophie und des Rassismusreferats des AStA der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Anmeldung: chrij7azstiddene.zmbrquun4ppke@4roo5uol.knde3c

Hier finden Sie den Flyer zur Veranstaltung.

 

Projekte

  • Weltanschauung, Philosophie und Naturwissenschaft im 19. Jahrhundert
  • Kritische Metaphysik der Biologie
  • Was heißt kritische Naturphilosophie?

Publikationen

  • Thomas Kirchhoff/ Nicole C. Karafyllis/ Dirk Evers/ Brigitte Falkenburg/ Myriam Gerhard/ Gerald Hartung/ Jürgen Hübner/ Kristian Köchy/ Ulrich Krohs/ Thomas Potthast/ Otto Schäfer/ Gregor Schiemann/ Magnus Schlette/ Reinhard Schulz/ Frank Vogelsang (Hg.): Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch. UTB 4769. Tübingen 2017.
  • M. Gerhard: Naturauffassungen jenseits der Naturwissenschaften. Würzburg 2015.
  • M. Gerhard/ Ch. Zunke (Hg.): Die Natur denken. Würzburg 2013.
  • M. Gerhard/ Ch. Zunke (Hg.): Die Natur des Menschen. Würzburg 2012.
  • M. Gerhard/ Ch. Zunke (Hg.): "Wir müssen die Wissenschaft wieder menschlich machen". Aspekte und Perspektiven der Naturphilosophie. Würzburg 2010.
Webmtas5pastebvmdur (annaek.plader@xnuol73dg.de) (Stand: 07.11.2019)