20 Jahre Medizinische Physik

20 Jahre Medizinische Physik – Brücke zwischen Naturwissenschaft und Medizin

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Oldenburg. Am 1. April 1993 ging sie an den Start: die Abteilung "Medizinische Physik" an der Universität Oldenburg. Aus heutiger Sicht muten ihre Anfänge eher bescheiden an: insgesamt 16 MitarbeiterInnen, darunter der neu berufene Physiker und Mediziner Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier, und ein frisch eingerichtetes und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Graduiertenkolleg zur Psychoakustik. Die Basis für die neue Abteilung, die als erste die Naturwissenschaften mit der Medizin verband, war geschaffen.

Die Entwicklung der letzten 20 Jahre würdigten heute VertreterInnen aus Wissenschaft, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft mit einem Festakt im Haus des Hörens. "Die Medizinische Physik mit Professor Kollmeier und Professor Hohmann an der Spitze ist ein Beispiel für die dynamische Entwicklung unserer noch jungen Universität", erklärte Universitätspräsidentin Prof. Dr. Babette Simon. Neben einer hervorragenden wissenschaftlichen Fachkompetenz habe Kollmeier mit seinem Team viel Kreativität und Initiative beim Aufbau vernetzter Strukturen bewiesen. So sei die Grundlagenforschung mit der angewandten Forschung heute ebenso eng verbunden wie die universitäre Wissenschaft mit den industriellen Partnern, so Simon. Zu den Gästen des Festakts gehörten Oldenburgs Bürgermeisterin Germaid Eilers-Dörfler, der ehemalige Niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann, Dr. Martin Klinkel, Leiter Forschung & Entwicklung Kind Hörgeräte, sowie zahlreiche AbsolventInnen der Medizinischen Physik.

Die Medizinische Physik widmet sich den Grundlagen des Hörens und der Sprache sowie Prozessen der medizinischen Signalverarbeitung im menschlichen Gehirn. Schwerpunkte liegen dabei auf der Psychoakustik, der Neurosensorik und der klinischen Hördiagnostik, aber auch im Bereich der Neurokognition und der Medizinischen Strahlenphysik. Die Hörforschung, die bereits seit vielen Jahren eng mit den drei Oldenburger Krankenhäusern kooperiert, hat zudem die Einrichtung der European Medical School Oldenburg-Groningen stark befördert. Die Medizinische Physik zähle heute zu den wichtigsten und profilgebenden Bereichen der Universität, betonte Simon.

"Der Akustiker Prof. Dr. Volker Mellert und der Psychologe Prof. Dr. August Schick haben seinerzeit den Grundstein für den Erfolg der Medizinischen Physik in Oldenburg gelegt", erklärte Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier, Leiter der Abteilung. Seither habe sich viel getan, die Forschungsaktivitäten und die Personalstärke haben eine rasante Entwicklung genommen. Inzwischen ist die Medizinische Physik mit rund 40 WissenschaftlerInnen Teil der neu gegründeten Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften. "In den vergangenen 20 Jahren haben allein fast 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Abteilung promoviert. Etwa die Hälfte von ihnen arbeitet in der internationalen Hörgeräte-Industrie - teilweise in Leitungspositionen. Sie tragen so zu dem hervorragenden Ruf der Oldenburger Hörforschung bei", freute sich Kollmeier.

Wichtige Eckpunkte der Medizinischen Physik waren die Einrichtung der Sonderforschungsbereiche "Neurokognition" (1996-2006) und "Das Aktive Gehör" (seit 2005) sowie die Fraunhofer Projektgruppe für Hör-, Sprach- und Audiotechnologie. 1996 riefen Universität und Evangelisches Krankenhaus das Hörzentrum Oldenburg ins Leben. Es folgte 1999 die Einrichtung des Kompetenzzentrums HörTech, das als Zentrum für Hörgeräte-Systemtechnik Forschung, Entwicklung und Wirtschaft miteinander vernetzt. Seit 2002 bietet das Haus des Hörens mit seinen akustischen Labors WissenschaftlerInnen wie Studierenden ideale Forschungs- und Arbeitsbedingungen.

Zu den jüngsten Erfolgen der Medizinischen Physik gehört das Exzellenzcluster "Hearing4all", das sich in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder durchsetzen konnte. Unter Federführung der Universität Oldenburg wollen die WissenschaftlerInnen die Kommunikationssituation von Hörgeschädigten entscheidend verbessern - sei es bei der Arbeit, im Verkehr oder zu Hause.

Im November vergangenen Jahres erhielten dann Kollmeier, der Oldenburger Hörforscher Prof. Dr. Volker Hohmann und Dr. Torsten Niederdränk von der Siemens AG den mit 250.000 Euro dotierten Deutschen Zukunftspreis. Bundespräsident Joachim Gauck überreichte dem Team die Auszeichnung für die herausragenden Entwicklungen im Bereich des beidohrigen Hörens und der damit einhergehenden Verbesserung von Hörtechnologie-Systemen.

"Wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben und freuen uns auf die aktuellen Herausforderungen und künftigen Entwicklungen, die sich durch das Exzellenzcluster und unsere Stellung als Vermittler zwischen den Naturwissenschaften und der Medizin in der neuen Medizinischen Fakultät ergeben", betonte Kollmeier.

[05.04.2013]

(Stand: 21.08.2020)