Politische Bildung/Politikdidaktik

Wilkommen auf der Seite der Abteilung für politische Bildung und Politikdidaktik

AKTUELLES

Stellenausschreibung

In der AG Politische Bildung/Politikdidaktik ist eine Promotionsstelle (TV-L E13 0,65% für drei Jahre) für wissenschaftliche Mitarbeiter*innen (m/w/d) im Graduiertenkolleg Lehrkräftebildung 2040: Dimensionen der Professionalisierung von Lehrer*innen aus interdisziplinärer Perspektive – Herausforderungen, Modelle, Methoden ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist wurde auf den 23.09.21 verlängert.

Weitere Infos hier: https://uol.de/diz/grako2040/ausschreibung ; https://uol.de/stellen?stelle=68247

Prof. Dr. Tonio Oeftering zu Gast im Podcast "Wer wählt wie warum? Eine Kreuzchen-Analyse"

In dieser Ausgabe des hr2-kultur-Podcasts Der Tag vom 13.09.2021 geht es um die vielfältigen Faktoren, die Einfluss auf die Wahlentscheidung haben. Prof. Dr. Tonio Oeftering steuert angesichts der demnächst anstehenden Bundestagswahl einen politikdidaktischen Beitrag über die Rolle, Wirkung und den Einfluss von Emotionen in der politischen Bildung bei.

Nachzuhören ist der Podcast unter https://www.hr2.de/podcasts/der-tag/wer-waehlt-wie-warum-eine-kreuzchen-analyse,podcast-episode-91570.html?fbclid=IwAR0M8yKAC202RGWH33VJ7WJuy3sLdv-iMjgQe-hEGX7bePf3y48B7M6IEyI Prof. Dr. Tonio Oefterings Beitrag beginnt bei Minute 19:35.

Call for Papers – anlässlich der Herbsttagung der DVPB vom 25.-27. November 2021 an der Friedrich Schiller Universität Jena

Stellungnahme des Arbeitskreises Außerschulische politische Jugendbildung und politische Erwachsenenbildung (AJEB) der Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung (GPJE)

Politische Bildung in „Corona-Zeiten“ und danach – Probleme und Perspektiven.

Die „Corona-Krise“ hat auch die Arbeit der außerschulischen politischen Jugendbildung/ politischen Erwachsenenbildung erheblich beeinflusst. Welche Folgen dies für die Gegenwart hat und welche für die Zukunft ihrer Arbeit zu erwarten sind, war Gegenstand einer Online-Konferenz, die der Arbeitskreis Außerschulische politische Jugendbildung und politische Erwachsenenbildung (AJEB) der Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung (GPJE) am 18. März 2021 ausgerichtet hat. Diese Stellungnahme fasst die wichtigsten Ergebnisse und Forderungen der Konferenz zusammen.

Folgen für das System der politischen Bildung

Das System der außerschulischen politischen Bildung war schon immer durch die prekäre Beschäftigungssituation vieler Bildner*innen geprägt. So vielfältig das System in Deutschland ist, so fragil ist es auch geworden. Viele Freiberufler*innen hat die Corona-Pandemie in eine existenzbedrohende Situation gebracht. Ob und wie sie nach der Pandemie weiterarbeiten können, ist ungewiss. Es droht, dass viel Expertise verloren geht. Hinzu kommt die Befürchtung, dass eine generelle Mittelkürzung zur Abfederung der durch Corona entstandenen wirtschaftlichen Schäden zu erwarten ist. Offen ist also, welche Art Fördermittel der außerschulischen politischen Bildung für die spätere Arbeit (in Präsenz) überhaupt noch zur Verfügung stehen werden.

Die Institutionen der politischen Bildung verfügen über unterschiedliche Ressourcen, mit der sie der Corona-Pandemie begegnen, z. B. für die Umstellung der Bildungsangebote auf digitale Veranstaltungen. Hier sind die „großen“ Einrichtungen wie z. B. Akademien mit einem starken Träger im Rücken im Vorteil gegenüber den kleinen, vor Ort arbeitenden Einrichtungen. Jene können „sichtbarer“ für ihre Teilnehmer*innen und Adressat*innen bleiben und somit besser die Kontinuität ihrer Arbeit sichern, während die kleinen Einrichtungen dazu oft nicht die personellen, technischen und finanziellen Ressourcen haben. Hinzu kommt, dass Tagungshäuser mit Personal und laufenden Kosten wegen ausgebliebener Einnahmen nicht mehr aufrechterhalten bleiben können und geschlossen werden müssen. Nach der Pandemie könnte das System der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung erheblich „ausgedünnt“ und weniger vielfältig sein als davor. Das wäre ein großer Verlust für die Demokratie und die politische Kultur. 

Folgen für die Gestaltung und die Inhalte der politischen Bildung

Die Konferenzteilnehmer*innen beobachten, dass der politischen Bildung wieder eine Feuerwehrfunktion zugeschrieben wird. Die Nachfrage nach bestimmten Angeboten steigt, z. B. sollen Antworten gegeben werden, wie mit Corona-Leugner*innen und Verschwörungserzähler*innen umgegangen werden kann. Damit werden aber keine langfristigen Strukturen gesichert, auch wenn an diesem Beispiel deutlich wird, wie notwendig und relevant politische Bildung ist.

Die digitalen Angebote ermöglichen grundsätzlich, die Arbeit politischer Bildung aufrechtzuerhalten und zuweilen sogar den Adressat*innenkreis bspw. aufgrund wegfallender Entfernungen zum Veranstaltungsort zu vergrößern. Hier liegen also auch Potentiale. Aber es muss auch danach gefragt werden, welche Gruppen durch die Etablierung digitaler Angebote gerade nicht erreicht und somit exkludiert werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass durch die ausschließlich digitalen Angebote die durch die Pandemie bereits verschärfte soziale Ungleichheit weiter vergrößert wird.

Online-Veranstaltungen bringen zwar quantitativ mehr Reichweite, aber damit sind auch die Pädagog*innen „weiter weg“ von ihren Adressat*innen. Eine echte Begegnung von Menschen, getragen von Interaktion, Emotion und Empathie, kann im Digitalen nicht ermöglicht werden. Bei allen Chancen, die sich durch digitale Formate bieten, muss die außerschulische politische Bildung für alle ihre Zielgruppen Angebote schaffen können. Dafür bieten die digitalen Möglichkeiten nur wenige didaktische Spielräume und Variationen. Somit kann „Digitales“ in der politischen Bildung grundsätzlich nur ein Zusatz und kein Ersatz sein.

Die „Corona-Krise“ selbst kann als eine Lerngelegenheit gesehen werden, denn durch die Pandemie ist der Bedarf, sich etwa mit Verschwörungserzählungen und dem Verständnis von Wissenschaft auseinanderzusetzen, ebenso gestiegen wie die Notwendigkeit, Wissenschaftsverständnis und Medienkompetenz zu fördern. Es sind aber auch grundlegende politische Fragestellungen, die sich im Rahmen der Pandemie stellen und die von der politischen Bildung aufgegriffen werden müssen. Etwa die Fragen, wer unter diesen Umständen mit welcher Legitimation und unter Einhaltung welcher Verfahren die allgemein verbindlichen Entscheidungen fällt, wie das sensible Verhältnis von Freiheit und Sicherheit austariert wird usw.

Die Forderungen:

Insgesamt stellt sich die Frage, ob politische Bildung in der „Post-Corona-Zeit“ und dem zu erwartenden, mit ihr verbundenen Strukturwandel einen ausreichend großen Raum bieten kann, um die kollektiven (gleichzeitig vielfältigen) Erfahrungen der globalen Pandemie zu be- und zu verarbeiten. Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig ein politischer Diskurs in der Gesellschaft ist (z. B. Gewährleistung von Freiheit oder Rettung von Leben, Legitimität von Verfahren) und in welchem Maße sich Solidarisierungs- oder Entsolidarisierungstendenzen abzeichnen. Eine starke außerschulische politische Bildung wird deshalb auch nach der Pandemie unerlässlich bleiben. Hieraus folgt:

- Es muss mehr und verstärkte Lobbyarbeit von zivilgesellschaftlichen Akteur*innen und Bildungsinstitutionen, aber auch von politischen Akteur*innen, die sich in Bildungsfragen engagieren, für die außerschulische politische Bildung geben.

- Es müssen nicht nur vorhandene Strukturen erhalten bleiben, sondern grundsätzlich sichere Beschäftigungsverhältnisse für Bildner*innen, gerade für „Soloselbständige“, geschaffen werden.

- Das System der außerschulischen politischen Jugendbildung/ politischen Erwachsenenbildung muss trotz zu erwartender allgemeiner Sparzwänge gestärkt werden.

- Trotz durchaus positiver Erfahrung mit digitalen Bildungsangeboten bleiben auch in Zukunft Präsenzformate zentral. Unmittelbare Begegnungen in Bildungseinrichtungen und Tagungshäusern sind und bleiben für eine wirkungsvolle politische Bildung grundlegend.

- Es ist mehr Forschung erforderlich. Denn gerade jetzt ist ungewiss, wie sich unter den gegebenen Umständen Strukturen verändern und, wie und unter welchen Bedingungen gute politische Bildung gelingt.

- Es muss politischer und gesellschaftlicher Konsens sein, dass die „Corona-Krise“ gezeigt hat, wie unverzichtbar und „systemrelevant“ außerschulische politische Jugendbildung und politische Erwachsenenbildung sind.

Für den Arbeitskreis Außerschulische politische Jugendbildung und politische Erwachsenenbildung (AJEB): Prof. Dr. Klaus-Peter Hufer, Prof. Dr. Tonio Oeftering und Dr. Julia Oppermann/ 03.05.2021

Neuerscheinung

Im Sammelband „Positionen der politischen Bildung 3. Interviews zur außerschulischen Jugend- und zur Erwachsenenbildung“ wird u. a. der Frage nachgegangen, welchen Herausforderungen sich die gegenwärtige politische Jugend- und Erwachsenenbildung stellen muss.

Neue Reihenherausgabe

Prof. Dr. Tonio Oeftering ist seit Januar 2021 Mitherausgeber der Reihe „Erinnern und Lernen. Texte zur Menschenrechtspädagogik“ im LIT Verlag

https://www.lit-verlag.de/publikationen/reihen/erinnern-und-lernen.-texte-zur-menschenrechtspaedagogik/

Neuerscheinungen

Mit „Politische Bildung meets Kulturelle Bildung“ ist nun der fünfte Band der Reihe „Votum. Beiträge zur politischen Bildung und Politikwissenschaft“ erschienen.

Der Band "Hannah Arendt – Lektüren zur politischen Bildung" ist aus der Zusammenarbeit von Prof. Dr. Dirk Lange, Prof. Dr. Waltraud Meints-Stender und Prof. Dr. Tonio Oeftering entstanden.

„Eine positive Demokratiegeschichte“

Politische Bildung fristet oft ein Nischendasein. Dabei bietet gerade die Wiedervereinigung eine gute Gelegenheit, die Errungenschaften der Demokratie aufzuzeigen, sagt der Politikdidaktiker Tonio Oeftering anlässlich des 3. Oktober.

Herr Prof. Dr. Oeftering, wir feiern in Deutschland in diesen Tagen 30 Jahre Wiedervereinigung. Warum ist es wichtig, dass dieses Thema in den Mittelpunkt der politischen Bildung rückt?

Die Wiedervereinigung ist ein positiver Identifikationspunkt in unserem kollektiven Gedächtnis. Denn die friedliche Revolution ist eine der großen Errungenschaften nach dem zweiten Weltkrieg. Natürlich soll dies nicht den negativen Fixpunkt des Nationalsozialismus verdrängen – die Erfahrungen der NS-Zeit sind zentral für die deutsche Geschichte. Aber die Wiedervereinigung ist eine positive Demokratiegeschichte, die zeigt, was möglich ist, wenn Menschen friedlich für ihre Freiheit und ihre Rechte auf die Straße gehen. Im Politikunterricht an Schulen oder in der außerschulischen politischen Bildung ist die Wiedervereinigung zudem Lernanlass für einen praktischen Systemvergleich. Was für eine Diktatur war die DDR eigentlich? Welches sind die Errungenschaften der Demokratie und des Rechtsstaats, die es in der DDR nicht gab? Das sind Themen, die wir zu diesem Anlass aufgreifen können.

Laut des kürzlich veröffentlichten Jahresberichts zum Stand der Deutschen Einheit ist die Zufriedenheit mit der Demokratie in Deutschland in den neuen Ländern nach wie vor geringer als in den alten Bundesländern. Woran kann das liegen?

Die Gründe für diese Unterschiede sind vielschichtig. Es mag daran liegen, dass sich die politischen Kulturen in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich entwickelt haben. Hinzu kommt, dass sich die Lebensverhältnisse in beiden Teilen Deutschlands zwar angeglichen haben, aber trotzdem noch unterscheiden und beispielsweise Ostdeutsche in der Leitung von Unternehmen oder in führenden politischen Positionen unterrepräsentiert sind. Gerade im Osten fühlen sich manche nach wie vor als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse, deren vorangegangene Lebenserfahrungen entwertet wurden. Das hat Enttäuschungen produziert, die nicht in gute Bahnen gelenkt wurden. Da fühlen sich viele abgehängt.

Offenbar mangelt es laut Bericht gerade im Osten auch an Vertrauen in die Politik…

Es gibt ja auch durchaus Anlass zur Kritik. Politikerinnen und Politker sind in der Verantwortung, die Menschen nicht zu vergessen und eine Politik zu machen, die vertrauenswürdig ist – gerade, weil sich viele abgehängt fühlen. Hinzu kommt: Kräfte wie die AfD oder rechte Bewegungen versuchen gezielt, das Vertrauen in die Demokratie zu erschüttern und etwa unsere Regierung als diktatorisch zu brandmarken. Dabei geht die Wortwahl, wie „Altparteien“ oder „Lügenpresse“, auf nationalsozialistische Sprechweisen zurück. Die Demokratie, wie wir sie in den Jahren der Wiedervereinigung errungen haben, wird in Misskredit gebracht durch Leute, die eine bewusste Strategie haben. Doch wie agieren diese Gruppen? Wie sprechen sie und was sind die eigentlichen Interessen? Aufgabe der politischen Bildung ist, dies zu betrachten und die Vorzüge der Demokratie aufzuzeigen.

Ist denn vieles von dem, was wir gegenwärtig erleben, auch auf mangelnde Bildung zurückzuführen?

Ja, die politische Bildung ist oft stark defizitär – in Ost- und Westdeutschland. Aber gerade im Osten gibt es wenig Wissen, etwa über den Rechtsstaat. Und die DDR-Diktatur wird oft verharmlost. Das grundlegende Problem ist, dass politische Bildung ein Nischendasein fristet. Das ist skandalös vor dem Hintergrund der rechtspopulistischen und demokratiefeindlichen Entwicklungen in der Gesellschaft. In den Schulen ist Politikunterricht nur minimal in den Stundentafeln vertreten, wie Untersuchungen der Universität Bielefeld im „Ranking Politische Bildung“ regelmäßig zeigen. Zudem ist Politik eines der Fächer, die am häufigsten fachfremd unterrichtet werden. Und in der außerschulischen Bildung sieht es nicht besser aus – viele Angebote gibt es nicht mehr, weil die Einrichtungen um ihre Existenz kämpfen. Für eine gute politische Bildung ist aber eine verlässliche und langfristig angelegte Struktur nötig. Hier klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander. Denn die Erwartung an den Politikunterricht ist ja, dass er junge Menschen zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern macht, die informierte Entscheidungen treffen können.

Was müsste hier anders werden?

Der Unterricht sollte nicht nur mehr Stunden umfassen, sondern es ist auch wichtig, dass es eine gute und fundierte Ausbildung von Lehrern gibt. Das betrifft nicht nur die Politiklehrer selbst, sondern eigentlich alle Lehrerinnen und Lehrer – gerade, wenn es um demokratische Werte und Einstellungen geht. Meiner Meinung nach ist es eine Aufgabe der gesamten Schule, Demokratie zu lehren. Wir brauchen also guten Fachunterricht, und gleichzeitig ist die Schule als Institution gefragt. Das Jubiläum der deutschen Einheit zeigt, wie dringlich dies ist. Wir brauchen politische Bildung, um die Erfolgsgeschichte der Wiedervereinigung im Bewusstsein zu behalten und uns gleichzeitig den Herausforderungen aus den bislang nicht erledigten Aufgaben der Wiedervereinigung stellen zu können.

Interview: Constanze Böttcher

Quelle: Carl von Ossietzky Universität Oldenburg: https://uol.de/aktuelles/artikel/eine-positive-demokratiegeschichte-4454

Neuerscheinung

Mit „Protest und Partizipation“ ist nun der vierte Band der Reihe „Votum. Beiträge zur politischen Bildung und Politikwissenschaft“ erschienen. Dieser Sammelband entstand als Dokumentation der Münsteraner Sektionstagung 2017 der DVPW-Sektion Politikwissenschaft und Politische Bildung, durch die Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Andrea Szukala (Münster) und Prof. Dr. Tonio Oeftering (Oldenburg).

(Stand: 15.09.2021)