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Deutsche Lehnwörter in Polnischen Dialekten als Spiegel des Sprackkontakts: Ein elektronisches Wörterbuch mit multiplem Zugang auf eine Online-Plattform deutscher Lehnwörter in anderen Sprachen

(Summary in English below)

MITARBEITER:

Sabine Anders-Marnowsky

KOOPERATIONSPARTNER: 

Institut für Polnische Sprache der Polnischen Akademie der Wissenschaften (Krakau)

Institut für Deutsche Sprache (Mannheim)

 

Ziel ist die Erstellung eines elektronischen Wörterbuchs der deutschen Lehnwörter in polnischen Dialekten (WbdLpD), d.h. einer lexikographischen Datenbank, die online im Lehnwortportal Deutsch am IDS Mannheim publiziert wird. Letzteres umfasst bereits ein historisches Wörterbuch deutscher Lehnwörter in der polnischen Standard- bzw. Schriftsprache. Das WbdLpD wird mit letzterem und anderen Wörterbüchern zu deutschen Lehnwörtern in slavischen und anderen Sprachen vernetzt, die bereits im LWPD integriert sind. Der Inhalt des WbdLpD (wie das gesamte LWPD) wird über multiple Suchinstrumente zugänglich sein. Diese sind teils für alle Wörterbücher im LWPD relevant, teils spezifisch für einzelne. Neben einfachen wortbasierten Suchoptionen, wird das LWPD fortgeschrittenen Nutzern erlauben, komplexe Abfragen inkrementell aufzubauen, die auf mehrere Wörter abzielen und auf verschiedene lexikographische Attribute und Relationen, unter Ausnutzung Boolescher Operatoren, sog. regulärer Ausdrücke etc.

Es gibt gegenwärtig kein lexikographisches Kompendium deutscher Lehnwörter in polnischen Dialekten, obwohl deutsche Lehnwörter im Polnischen seit über hundert Jahren Gegenstand der Forschung waren und Polnisch (ungefähr auf einer Stufe mit Tschechisch und Slowenisch) wahrscheinlich die Sprache mit der größten Zahl von Germanismen ist. Darüber hinaus, aufgrund einer sich über Jahrhunderte erstreckenden Migration von Sprechern des Deutschen in polnischsprachige Gebiete, betrifft der deutsch-polnische Sprachkontakt nicht nur Eliten und städtische Bevölkerung, sondern auch ländliche, d.h. auch Dialektsprecher. Eine umfassende lexikographische Beschreibung ist dank des Fortschritts der Arbeiten am Słownik gwar polskich (SGP), einem vielbändigen Dialektwörterbuch des Polnischen, heute realistisch geworden. Die erschienenen Bände und vor allem die riesige Kartei des SGP werden die zentrale Materialbasis des WbdLpD sein. Das SGP selbst bietet keinerlei Information über die Herkunft der Wörter.

Das WbdLpD wird (a) die Lehnwörter auf der Ausdrucks- und Inhaltsebene mit Ausdrucksvarianten und abgeleiteten Wörtern aufzeigen sowie auch die semantische Affinität bzw. Distanz zum deutschen Etymon; (b) die Distribution der Lehnwörter (ihrer Ausdrucksvarianten und Bedeutungen) im polnischen Dialektraum mit kartographischer Darstellung darlegen, und zwar auf dem Hintergrund eines Schemas, das (i) die traditionelle dialektale Gliederung und (ii) die Zeitspanne berücksichtigt, in welcher sich einzelne polnische Gebiete unter deutschsprachiger Herrschaft befanden. Außerdem soll das Ausmaß der Überlappung zwischen deutschen Lehnwörtern in der polnischen Schriftsprache und in polnischen Dialekten expliziert werden. Letztlich soll der Status der Lehnwörter als „Einsetzungen“ (grob: neue Wörter für neue Dinge), als „Ersetzungen“ (von älteren Wörtern) oder „Koexistenz“ (mit älterem Wort: Synonymie oder Aufteilung eines semantischen Raumes zwischen Lehnwort und altem Wort) bestimmt werden.

 

German loan words in Polish dialects as a mirror of language contact: A multiple access dictionary on an online platform of German loans in other languages.

The project aims to compile an electronic Dictionary of German loan words in Polish dialects (DicGlPd). The DicGlPd will be an lexicographic database integrated into the online Lehnwortportal Deutsch (LWPD) at the IDS Mannheim. This portal already comprises a historical dictionary of loans in Standard (Written) Polish (WDLP). The planned dictionary will be linked with this and other dictionaries of German loans in Slavic and other languages that have already been integrated into the LWPD. The material in the DicGlPd (as the whole LWPD) will be accessible via multiple search instruments, some of which are shared by all dictionaries in the LWPD, and some of which are specific to individual dictionaries. Apart from simple expression-based or word-based search options, the LWPD will allow advanced users to incrementally construct, in an intuitive visual query builder, complex queries possibly spanning multiple words, their various lexicographic attributes and relationships, optionally using Boolean operators, regular expressions etc.

There is currently no lexicographic compendium of German loans in Polish dialects, although, firstly, German loans in Polish have been a topic in research for more than a century and, secondly, Polish is (roughly on a level with Czech and Slovene) probably the language with the highest number of German loans. Moreover, due to centuries of considerable levels of migration of speakers of German into Polish speaking areas there has been extensive language contact not only within elites or urban populations, but within rural populations / dialect speakers as well. An encompassing lexicographic description of German loans in Polish dialects has only now become possible due to the progress of work on the Słownik gwar polskich (SGP), a multi-volume dictionary of Polish dialects. The published volumes and the SGP’s huge card index will provide the central material basis for the planned dictionary. The SGP itself does not provide any information on the provenience of the words it contains.

The planned dictionary will describe (a) loans on the expression and content plane, explicating formal variation and corresponding derived words as well as the formal and semantic correspondence or distance to the German etymon; (b) the distribution of the loans (all expression variants, all meanings) in the Polish dialectal space with cartographic representation according to a scheme that mirrors (i) the traditional dialectal division of Polish dialects and (ii) the time span during which Polish areas found themselves under German (speaking) rule. Furthermore, the degree of overlap between German loans in Written / Standard Polish and Polish dialects will be presented. The loans will be described in terms of their status as “insertions” (roughly new words for new things), “replacements” (of older words) or “coexistence” (with older words: synonymy or repartition of a “semantic space” between new loan and old word.)

Wez+bmasteromg (anakhtfstas4i+fia.reisvuv1c1@uoncl.de) (Stand: 11.11.2019)