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Hybridisierung von zwei Seiten: ukrainisch-russisches und russisch-ukrainisches Code mixing im Kontext der (sozio)linguistischen Situation in der südlichen Ukraine entlang der Küste des Schwarzen Meers

(English version below)

MITARBEITER:

Dr. Olesja Palinska

KOOPERATIONSPARTNER: 

Prof. Dr. Tilmann Reuther, Institut für Slawistik Universität Klagenfurt

Prof. Dr. Oleksandr Taranenko, Institut für Sprachwissenschaft der Nationalen Ukrainischen Akademie der Wissenschaften

 

Die Ukraine ist ein mehrsprachiges Land. Dominant ist die bilinguale Konstellation Ukrainisch-Russisch. Ukrainisch ist stark im Westen, Russisch im Osten und Süden. Die zentrale Ukraine stellt einen Übergangsraum dar. Die beiden strukturell eng verwandten Sprachen funktionieren als Gebersprachen für einen gemischten Kode, den „Suržyk“. Der spezifische Punkt beim Suržyk ist, dass er (wie man annimmt) in zwei Varianten vorliegt.

Der „prototypische Suržyk“ stammt aus der Zeit der politischen und sozialen Dominanz des Russischen in der Ukraine. Seit den 1860-er Jahren der Zarenzeit und ab den 1930-ern der Sowjetzeit passten sich die Menschen an die russischsprachige Umgebung an. Die Entwicklung des „alten“ Suržyk ähnelt dem sogenannten „dialect levelling“. Bei weiterhin gegebener Variabilität ist eine gewisse Stabilisierung dieses Kodes zu beobachten, denn Erwachsene begannen untereinander und über mehrere Generationen mit ihren Kindern in informellen Kommunikationssituationen im „Alt-Suržyk“ zu sprechen. Die zweite Variante des gemischten Kodes, hier „Neu-Suržyk“ genannt, ist jüngeren Ursprungs. Sie entwickelte sich bei Sprechern, die sich hauptsächlich des Russischen bedienten, bevor sie sich aufgrund der Sprachpolitik ab 1990 zumindest partiell dem Ukrainischen zuwandten. Der Neu-Suržyk hat somit eine russische Basis und ist– sehr wahrscheinlich neben dem Alt-Suržyk – im Süden der Ukraine zu erwarten (und im derzeit für systematische Forschung nicht zugänglichen Osten).

Die zentrale Forschungsfrage mit innovativer kontaktlinguistischer Dimension lautet: Ist eine klare Differenzierung zwischen zwei gemischten Kodes auf der Basis derselben beiden eng verwandten Gebersprachen möglich? Oder besteht ein gradueller Übergang zwischen Sprechergruppen mit unterschiedlichem soziodemographischem Hintergrund?

Die Hypothesen unseres Projekts lauten:

  • Grammatisch kann zwischen dem Alt-Suržyk und dem Neu-Suržyk vor allem auf quantitativer Basis unterschieden werden, mit Cluster-Unterschieden zwischen Sprechern (z.B. bei der Bandbreite von Flexionsendungen).
  • Lexikalisch liegen klare Unterschiede vor – überwiegend ukrainisch vs. überwiegend russisch geprägte Lexik.
  • Hinsichtlich der Lautung sind der Alt-Suržyk und der Neu-Suržyk strukturell unterschiedlich.
  • Der Neu-Suržyk ist variabler als der Alt-Suržyk.

Die Alternative zu diesen Hypothesen ist, dass keine zwei unterschiedlichen Suržyks erkennbar werden, sondern ein Kontinuum zwischen einem stark ukrainischen und einem stark russischen Suržyk, verbunden mit soziodemographischen Unterschieden auf verschiedenen Ebenen.

Der methodische Zugang des Projekts besteht in einer innovativen korpuslinguistischen Beschreibung, kombiniert mit analytischen Methoden der quantitativen Variationslinguistik, die mit soziodemographischen Daten korreliert werden. Zusätzlich werden Tiefeninterviews zu individuellen „Sprachbiographien“ durchgeführt und qualitativ ausgewertet, zum Abgleich quantitativer und qualitativer Befunde.

 

Hybridization from two sides: Ukrainian-Russian and Russian-Ukrainian Code Mixing

 in the context of the (socio) linguistic situation in southern Ukraine along the Black Sea coast

The Ukraine is a multilingual state, with a predominantly bilingual constellation - Ukrainian and Russian. These two structurally closely related languages function as donor languages for a mixed code called Surzhyk. The specific point with the Ukrainian-Russian mixed code is that it may exist in two variants, reflecting the history of the country.

“Prototype Surzhyk” stems from the times of Russian political and social dominance in the Ukraine: From the 1860-ies in Tsarist times and from the 1930-ies in Soviet times people adapted themselves to a Russian-speaking environment. Though quite variable, a certain stabilisation of this mixed code is observed, since adults started to speak Old Surzhyk between themselves and with their children in informal communication over several generations. The second variant of mixed code, here called “Neo-Surzhyk”, is of younger origin. It evolved with people who used to practise mainly Russian, but - due to the Ukrainian language politics after 1990 - had at least partially to turn to Ukrainian. Neo-Surzhyk thus has a Russian base and is expected to occur – most probably along with Old Surzhyk - in the South of the Ukraine (and in the East, now inaccessible for systematic research).

The central research question of our project with a general contact-linguistic dimension is the following: Is there a clear differentiation between two mixed codes based on the same two closely related donor languages? Or is there a gradual transition between groups of speakers with different sociodemographic backgrounds?

The methodological approach of the project consists in a corpus linguistic description, combined with analytical methods of quantitative variationist sociolinguistics, correlated with sociodemographic data. In addition to that, in-depth interviews on individual “Sprachbiographien” (linguistic biographies) will be conducted and analysed qualitatively, in order to correlate quantitative contact-linguistic findings with qualitative data.

Webmavcsister (anastasia.fhewzreiuhs1eutcf@unlm4ol+7.dexqba) (Stand: 11.11.2019)