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Transformation durch Gemeinschaft

Transformation durch Gemeinschaft – Prozesse kollektiver Subjektivierung im Kontext nachhaltiger Entwicklung (TransGem)

Projektleitung: Prof. Dr. Thomas Alkemeyer, Prof. Dr. Stephanie Birkner, Prof. Dr. Thomas Etzemüller, Prof. Dr. Thorsten Raabe (Sprecher), Prof. Dr. Karsten Müller.

Im jüngeren Nachhaltigkeitsdiskurs gelten Gemeinschaften als zentrale Wegbereiter einer zukunftsfähigen Gesellschaft. Zugleich werden immer häufiger Nachhaltigkeitsinitiativen von Personenkreisen betrieben, die sich explizit als Gemeinschaften entwerfen. Die Forschung greift diese Entwicklungen bislang nur unzureichend auf: Entweder unterstellt sie diesen Gemeinschaften unhinterfragt Handlungsfähigkeit und Wirksamkeit, oder sie problematisiert sie einseitig als negatives Gegenmodell zu einer Gesellschaft aufgeklärter, mündiger Subjekte. Eine differenzierte, theoretisch geleitete und empirisch fundierte Auseinandersetzung mit der Entstehung und Wirkung nachhaltigkeitsorientierter Gemeinschaften ist deshalb dringend angezeigt.

Das Verbundprojekt „Transformation durch Gemeinschaft“ (TransGem) verfolgt genau dieses Ziel: Es möchte am Beispiel aktueller Nachhaltigkeitsinitiativen zum einen rekonstruieren, worin die Attraktivität von Gemeinschaften für Politik, Wissenschaft und Praxis besteht. Zum anderen lotet es ihr transformatives Potenzial und ihre gesellschaftspolitischen Konsequenzen aus, um im Dialog mit den Praxispartnern Reflexions- und Orientierungswissen sowohl für den (politischen) Umgang mit als auch für das Handeln in Gemeinschaften zu gewinnen. Konkret widmet sich das Projektkonsortium folgenden Fragestellungen: Wie bilden sich Gemeinschaften unter Mitwirkung von Dingen, Artefakten und Technologien als Kollektivsubjekte nachhaltiger Entwicklung? Welche intendierten und nicht-intendierten Wirkungen haben diese Vergemeinschaftungen nach innen und außen? Wie sind diese im Hinblick auf die nachhaltigkeitsorientierte Transformation der Gesellschaft zu bewerten? 

Die ausgewählten empirischen Fälle – Escheroder „gASTWERKe“, Dorfgemeinschaft Oberndorf und Solidarische Landwirtschaft Oldendorf e.V. – sollen mit Zugängen der Diskursanalyse, der Praxeologie und der Psychologie analysiert werden. Diese Triangulation gestattet es, die Entwürfe und alltäglichen Praktiken nachhaltigen Gemeinschaftens sowie den individuellen Umgang der Teilnehmer mit kollektiven Ansprüchen und Erwartungen in den Blick zu bringen. In Erweiterung gängiger sozialwissenschaftlicher Forschung zu Gemeinschaften sollen zusammen mit konkreten Praktiken und ihren Bedeutungen auch Affekte und Emotionen als wirkmächtiger ‚Kitt‘ kollektiver Subjektivierung berücksichtigt werden. Das Verbundprojekt zeichnet sich somit durch einen einzigartigen theoretisch-methodischen Zuschnitt aus: Die drei Fälle werden parallel jeweils aus fünf fachspezifischen Perspektiven untersucht. Im Projektverlauf werden die Forschungsergebnisse kontinuierlich untereinander und mit den Praxispartnern in den Austausch gebracht. Erzielt wird so nicht nur eine transdisziplinäre Integration disziplinären Wissens, sondern auch eine gegenseitige Information und Herausforderung unterschiedlicher Perspektiven und Wissenstypen.

Das Verbundprojekt verspricht Aufschluss darüber zu geben, unter welchen Bedingungen Gemeinschaften sich zu Kollektivsubjekten ausformen, inwiefern sie dabei transformative Kraft entwickeln und welche gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen damit verbunden sind. Es ermöglicht so einen reflektierten Umgang mit den Prozessen kollektiver Subjektivierung in nachhaltigkeitsbezogener wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Praxis.
 

Teilprojekt 1 (Leitung: Prof. Dr. Thomas Etzemüller, BearbeiterIn: N.N.) unternimmt eine genealogisch-diskursanalytische Rekonstruktion von Nachhaltigkeitsgemeinschaften in der Moderne (mit einem Schwerpunkt auf Nordwestdeutschland). Der historisch-genealogische Zugang zeichnet die Herkunft, den Wandel und die aktuelle Konjunktur von Gemeinschaftsentwürfen in ihrer gesellschaftstheoretischen und zeitdiagnostischen Bedeutung nach. Ziel ist eine diachrone Rekonstruktion der diskursiven Bedingungen des Auftretens der konkret untersuchten Nachhaltigkeitsgemeinschaften. Dabei ist die Annahme leitend, dass diese Bedingungen heterogener Herkunft sind und nicht nur neue Formen des politischen Handelns umfassen, die im Gefolge der 68-er Bewegung entstanden, sondern vielmehr auch eine spezifische „Aura des Widerstands“ sowie eine „Sprache der Kritik“, die in der Lage war, gesellschaftliche Verwerfungen jenseits einer ideologischen Rhetorik zu benennen und damit verhandelbar zu machen. Offenbar ermöglichte erst der so entstandene Diskurs mit seinen spezifischen Lebenspraktiken die Übersetzung der schon in den 1960er Jahren thematisierten Umweltfragen in einen Nachhaltigkeitsdiskurs, der in neuen Entwürfen einer geradezu euphorisch erlebten kollektiven Subjekthaftigkeit zur Geltung kam. Untersucht werden soll ein breit gefächertes Quellenkorpus aus massenpublizistischem, programmatischem und autobiographischem Schrifttum aus dem Kontext der ökologischen Bewegung mit den Verfahren einer narratologisch informierten Historischen Diskursanalyse.

Das Projekt wird durch die VW-Stiftung gefördert. Projekthomepage

Webmfgaster Thbcvromas Etze+0wbmülfkdler (thcpml+omas.etba5kszefamuellrker@x3uol.de) (Stand: 08.07.2020)