Navigation

Skiplinks

Kontakt

Presse & Kommunikation

+49 (0) 441 798-5446

Weitere Ausgaben des Forschungsmagazins:

EINBLICKE Nr. 40 Herbst 2004

 

wie andere Gesellschaftsbereiche erleben auch die deutschen Universitäten einen tief greifenden Wandel. Seit dem Wintersemester 2004/05 werden an der Universität Oldenburg mit wenigen Ausnahmen nur noch Bachelor- und in der Folge Masterstudiengänge angeboten. Damit hat sich Oldenburg an die Spitze der niedersächsischen Universitäten gestellt und die Bologna-Beschlüsse von 1999 umgesetzt, die alle Länder der EU bis spätestens 2010 verwirklicht haben müssen. Ohne Frage ist die Umstellung auf das anglo-amerikanische System die größte Reform in der deutschen Hochschulgeschichte. Sie soll das Studium näher an die berufliche Praxis heranführen und es internationalisieren.

Natürlich gibt es viele Skeptiker - bundesweit und auch in Oldenburg. Sie befürchten eine zu starke Verschulung mit zu wenigen Möglichkeiten der kritischen Reflexion und des kreativen Denkens. Diese Argumente können jedoch die Durchsetzung der neuen Struktur nicht verhindern. Da die Vorteile deutlich überwiegen, hat sich die junge Universität Oldenburg zur raschen Umstellung entschlossen, die ihr mehr Möglichkeiten der Mitgestaltung und der Profilierung als Reformhochschule bieten.

Größere Probleme bereitet der Universität die mögliche Einführung von Studiengebühren. Erst kürzlich sprach sich der Senat dagegen aus. Ob er damit etwas bewirken kann, scheint eher fraglich. Neben Niedersachsen sind auch die meisten anderen Länder fest entschlossen, die unterfinanzierten Hochschulen mit Studiengebühren zu sanieren, da ihnen Umverteilungen in den öffentlichen Haushalten ebenso wenig möglich erscheinen wie Steuererhöhungen für den Bildungsbereich. Das Bundesverfassungsgericht wird voraussichtlich noch in diesem Jahr grünes Licht für die Einführung geben.

Warum sollte ein Studierender aus gut gepolstertem Elternhaus keinen Cent für die Leistungen der Hochschulen zahlen? Das kann nicht der strittige Punkt sein. Als Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre die Studiengebühren in der Bundesrepublik abgeschafft wurden, ging es um junge Menschen aus sozial schwächeren und bildungsfernen Familien, die zum Studium animiert werden sollten, um mehr Chancengleichheit zu eröffnen und den Akademikeranteil in einer immer komplexeren Gesellschaft zu erhöhen. Der Erfolg dieser Politik war durchschlagend. Die Zahl der Studierenden hat sich bis heute vervielfacht, und niemand wird ernsthaft versuchen wollen, das Rad zurückzudrehen. Wenn Deutschland mit anderen Industrienationen gleich ziehen will, muss die Zahl der Studierenden noch weiter steigen. Deshalb wird in den Ministerien über Stipendien- und Kreditsysteme nachgedacht, um keine Hemmschwellen für diejenigen aufzubauen, die finanziell abseits stehen. Eine andere, sicher ebenso wichtige Bedingung ist, dass die Einnahmen aus Studiengebühren den Universitäten, d.h. den Studierenden, selbst zugute kommen müssen und nicht zur Sanierung des Staatshaushaltes dienen.

Gerhard Harms
 

Presse ko1rs& Kommunikjkation (presse@2pyjtuol.deov7a) (Stand: 07.02.2019)