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Forschung

Schwerpunkte

  • Gegenwartsdiagnostik
  • Geschichte der Nachhaltigkeit
  • Historische Semantik der Treue
  • Nationalismus und Krieg in der deutschen Geschichte
  • Subjektivierungsforschung und Praxistheorie

Laufende Projekte

1. Von der Protestbewegung zur „intentionalen“ Gemeinschaft. Herkunft, Wandel und Konjunktur nachhaltigkeitsorientierter Gemeinschaftsentwürfe

Das assoziierte Teilprojekt des Verbundprojekts „Transformation durch Gemeinschaft. Prozesse kollektiver Subjektivierung im Kontext nachhaltiger Entwicklung“ zeichnet die Herkunft, den Wandel und die aktuelle Konjunktur von nachhaltigkeitsorientierten Gemeinschaftsentwürfen in ihrer gesellschaftstheoretischen und zeitdiagnostischen Bedeutung nach. Ziel ist eine diachrone Rekonstruktion der diskursiven Bedingungen des Auftretens der im Verbundprojekt untersuchten Nachhaltigkeitsgemeinschaften. Die im Gefolge der 68er-Bewegung entstandenen Bürgerinitiativen nahmen nicht nur neue Formen der politischen Partizipation wahr, weiteten sie aus und schufen neue Formen des politischen Handelns, vielmehr entwickelten sie eine spezifische „Aura des Widerstands“ (Schäfer 2015) sowie eine „Sprache der Kritik“ (Etzemüller 2005: 215), die in der Lage war, gesellschaftliche Verwerfungen jenseits einer ideologischen Rhetorik zu benennen und damit verhandelbar zu machen. Die schon in den 1960er Jahren thematisierte Umweltfrage konnte durch diese Sprache und spezifische Lebenspraktiken (Reichardt 2014) in einen Nachhaltigkeitsdiskurs überführt werden, der in neuen Entwürfen einer geradezu euphorisch erlebten kollektiven Subjekthaftigkeit zur Geltung kam (Pettenkofer 2014). Untersucht wird ein Quellenkorpus aus massenpublizistischem, programmatischem und autobiographischem Schrifttum aus dem Kontext der ökologischen Bewegung mit den Verfahren einer narratologisch informierten Historischen Diskursanalyse (Landwehr 2008; Koschorke 2012; Viehöver 2001).

Literatur: Etzemüller, Thomas (2005): 1968 – Ein Riss in der Geschichte? Gesellschaftlicher Umbruch und 68er-Bewegungen in Westdeutschland und Schweden. Konstanz: UVK; Koschorke, Albrecht (2012): Wahrheit und Erfindung. Grundzüge einer Allgemeinen Erzähltheorie. Frankfurt am Main: Fischer; Landwehr, Achim (2008): Historische Diskursanalyse. Frankfurt am Main u. a.: Campus; Reichardt, Sven (2014): Authentizität und Gemeinschaft. Linksalternatives Leben in den siebziger und frühen achtziger Jahren. Berlin: Suhrkamp; Pettenkofer, Andreas (2014): Die Entstehung der grünen Politik: Kultursoziologie der westdeutschen Umweltbewegung. Frankfurt am Main u. a.: Campus; Schäfer, Alfred (2015): 1968 – Aura des Widerstands. Paderborn: Schöningh; Viehöver, Willy (2001): Diskurse als Narrationen. In: Keller, Reiner / Hirseland, Andreas / Schneider, Werner / Viehöver, Willy (Hg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse, Bd. 1: Theorien und Methoden. Opladen: Leske & Budrich, S. 177-206.

 

2. Motive der Fügsamkeit. Zur historischen Semantik der Treue in der deutschen Geschichte

Wie in einem politischen Gemeinwesen Herrschaft und Gefolgschaft zusammenwirken, offenbart sich in Situationen, in denen der Zusammenhalt dieses Gemeinwesens bedroht ist. Zu den extremsten Herausforderungen für eine politische Handlungsgemeinschaft zählen Kriege. Um sie führen zu können, versucht der Staat, die in Friedenszeiten eingeübte “Fügsamkeit“ (Max Weber) der Beherrschten zu mobilisieren. Im Kriegsfall ist zuerst die Fügsamkeit des Militärs gefragt, symbolisiert durch den Treueid auf die Fahne. Doch auch über den militärischen Bereich hinaus tragen Treuekonzepte dazu bei, die Loyalität der Bürger zum Staat sicherzustellen und für den Krieg dienstbar zu machen. Dabei fügt die Selbstbindung des Gehorsams an das Gewissen der äußeren Unterwerfung des Subjekts durch den Staat die innere hinzu. Seitdem um 1800 der Nationalismus zur wirkungsmächtigsten Integrationsideologie in Europa aufstieg, wurde die “Treue zum Vaterland“ zum Dreh- und Angelpunkt für die politische Mobilisierung und militärische Disziplinierung der Gesellschaft. Das Forschungsprojekt geht den semantischen Verästelungen des Treuediskurses nach und fragt nach Verwendungszusammenhängen in der sozialen Praxis. Im Zentrum steht dabei das Ineinandergreifen von Herrschaftstechniken und Subjektivierungspraktiken. Ziel ist es, den Stellenwert von Treuekonzepten für die Herstellung von politischer Loyalität und militärischer Gefolgschaft in der deutschen Geschichte zwischen dem Zeitalter Napoleons und der Weltkriegsepoche auszuloten. 

Literatur: Buschmann, Nikolaus / Murr, Karl B. (Hg.): Treue. Politische Loyalität und militärische Gefolgschaft in der Moderne. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2008; Lange, Sven: Die Geschichte der Schwurverpflichtung im deutschen Militär. Bremen: Edition Temmen, 2002; Prodi, Paolo: Das Sakrament der Herrschaft. Der politische Eid in der Verfassungsgeschichte des Okzidents. Berlin: Duncker & Humblot, 1997; Siegel, Eva-Maria: High Fidelity. Konfigurationen der Treue um 1900. München: Wilhelm Fink, 2004; Twellmann, Marcus: "Ueber die Eide". Zucht und Kritik im Preußen der Aufklärung. München: Wilhelm Fink, 2010.

Abgeschlossene Projekte

1. Genealogie der Nachhaltigkeit

Das im Verbundprojekt „Reflexive Responsibilisierung. Verantwortung für nachhaltige Entwicklung“ angesiedelte Forschungsprojekt untersucht prominente Entwürfe einer nachhaltigen Gesellschaft seit der ‚ökologischen Revolution’ um 1970. Diese werden als wirklichkeitsstiftende Erzählungen gelesen, die das menschliche Wahrnehmen und Handeln im Blick auf die Verwirklichung einer nachhaltigen Gesellschaft orientieren sollen: In einer ‚symptomatologischen’ Lesart des Mensch-Natur-Verhältnisses diagnostizieren sie Fehlentwicklungen in der Gegenwart, die sie in die Vergangenheit zurückverfolgen und in die Zukunft fortschreiben, entwerfen auf dieser Folie eine vermeintlich bessere, nachhaltige Zukunft und postulieren Maßnahmen, die den Weg in diese Zukunft ebnen sollen. Ziel der Untersuchung ist es, die narrativen ‚Bauelemente’, aus denen sich Nachhaltigkeitserzählungen zusammenfügen, im Hinblick auf die darin enthaltenen Problematisierungen, Wissensformen und Grundannahmen zu rekonstruieren. Von besonderem Interesse ist dabei, welche (historischen) Erzählfiguren in den Narrativen jeweils in den Mittelpunkt rücken, wie diese Erzählfiguren füreinander anschlussfähig gemacht und wie sie zu kohärenten Erzählungen verdichtet werden. Untersucht werden soll schließlich auch, wie die verschiedenen Nachhaltigkeitserzählungen aufeinander Bezug nehmen und dabei die Abgrenzung zu und die De-Thematisierung von alternativen Sichtweisen immer schon mitproduzieren.

Literatur: Buschmann, Nikolaus: Nachhaltigkeit als diagnostisches Programm. In: Thomas Alkemeyer / Nikolaus Buschmann / Thomas Etzemüller (Hg.): Gegenwartsdiagnosen. Kulturelle Formen gesellschaftlicher Selbstproblematisierung in der Moderne. Bielefeld: Transcript, 2019, S. 439-459; Buschmann, Nikolaus: Zukunftsverantwortung. Zur Diagnostifizierung des Verhältnisses von Mensch und Natur nach 1945. In: Nikolaus Buschmann / Anna Henkel / Lars Hochmann / Nico Luedtke (Hg.): Reflexive Responsibilisierung. Verantwortung für nachhaltige Entwicklung. Bielefeld: Transcript, 2018, S. 211-231; Buschmann, Nikolaus / Sulmowski, Jędrzej: Von „Verantwortung“ zu „doing Verantwortung“. Subjektivierungstheoretische Aspekte nachhaltigkeitsbezogener Responsibilisierung. In: Nikolaus Buschmann / Anna Henkel / Lars Hochmann / Nico Luedtke (Hg.): Reflexive Responsibilisierung. Verantwortung für nachhaltige Entwicklung. Bielefeld: Transcript, 2018, S. 281-295.

 

2. Krieg und Nationalstaatsgründung: Kriegsdeutung in öffentlichen Diskursen zwischen Revolution und Reichsgründung

Die Auseinandersetzung der deutschen Öffentlichkeit mit Krieg und Nation in den beiden Jahrzehnten vor der Reichsgründung stand unter dem Eindruck widerstreitender nationalpolitischer Zukunftsoptionen. Das im Tübinger Sonderforschungsbereich 437 "Kriegserfahrungen. Krieg und Gesellschaft in der Neuzeit" angesiedelte Projekt analysiert die Wahrnehmung einer von Kriegen und Krisen geschüttelten Phase der deutschen Geschichte auf der Basis von Tageszeitungen, politischen Zeitschriften und Unterhaltungsmagazinen. Im Mittelpunkt seiner Untersuchung stehen die zeitgenössischen Vorstellungen vom modernen Krieg, Strategien seiner Legitimation, religiöse Aspekte der Kriegswahrnehmung sowie Feindbilder und Bedrohungsphantasien. Dabei wird deutlich, dass der Krieg eine für unterschiedliche weltanschauliche Orientierungen offene Projektionsfläche nationaler Selbstdeutung bot. Dies trug wesentlich dazu bei, die Nation als Bezugsrahmen politischer und kultureller Orientierung in der zeitgenössischen Vorstellungswelt zu verankern - allerdings um den Preis, dass das kriegerische Leitbild der "wehrhaften Geschlossenheit" zum Fluchtpunkt der nationalen Selbstidentifikation wurde.

Literatur: Buschmann, Nikolaus: Einkreisung und Waffenbruderschaft. Die öffentliche Deutung von Krieg und Nation in Deutschland 1850-1871. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2003.

(Stand: 21.08.2020)