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Ausschreibung im Promotionsprogramm "Gestalten der Zukunft: Transformation der Gegenwart durch Szenarien der Digitalisierung"

Vier Promotionsstipendien zum 01. April 2021

Das interdisziplinäre Promotionsprogramm wird von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in Kooperation mit der Jade Hochschule Wilhelmshaven-Oldenburg-Elsfleth sowie dem Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst durchgeführt und vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert. Angesiedelt am Wissenschaftlichen Zentrum "Genealogie der Gegenwart" der Universität Oldenburg bietet es einen hervorragenden Rahmen für theoretisch und empirisch ausgerichtete Promotionsvorhaben, die sich aus kultur- und gesellschaftswissenschaftlichen Perspektiven mit der digitalen Transformation auseinandersetzen.

Das Promotionsprogramm geht davon aus, dass gegenwärtiges Handeln nicht nur von der Vergangenheit, sondern auch von Zukunftsentwürfen beeinflusst wird. Vor diesem Hintergrund sollen die Dissertationen dem Einfluss nachgehen, den - utopische oder dystopische, positive oder negative - Zukunftsszenarien der Digitalisierung auf (wirtschaftspolitische, bildungspolitische, technologische) Maßnahmen und Praktiken haben, die bereits gegenwärtig ergriffen werden, um 'die Gesellschaft', Institutionen und Akteure auf 'die Zukunft' vorzubereiten. Folgende Leitfragen dienen als Orientierungsgrundlage: 1. Wie, unter welchen Bedingungen und in welchen gesellschaftlichen Bereichen (Politik, Bildung, Wirtschaft, Gesundheitswesen usw.) werden welche Bilder einer digitalen Zukunft entworfen? 2. Wie und in welchen Genres, Medien und Institutionen (Parteiprogramme, wissenschaftliche Expertisen, Science-Fiction, Schaltzentralen wie z. B. Ministerien) erlangen diese Zukunftsentwürfe eine konkrete, sinnlich fassbare Gestalt? 3. Welche Szenarien setzen sich wo und wann gegen andere Szenarien durch und erlangen Gestaltungsmacht z. B. in politischen Entscheidungen, Bildungsinitiativen oder Krisenpräventionen?

Das Land Niedersachsen fördert das Promotionsprogramm mit insgesamt 15 Georg-Christoph-Lichtenberg-Stipendien (mtl. 1.400 Euro Grundbetrag zzgl. 100 Euro Sachkostenbeitrag und ggf. Kinderpauschale, Laufzeit 3 Jahre).

Zum 1. April 2021 sollen davon bis zu 4 Stipendien vergeben werden.

Am Programm beteiligt sind folgende Disziplinen: Amerikanistik, Betriebswirtschaft, Bildungswissenschaften, Erziehungswissenschaft, Germanistik, Geschichtswissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Kulturwissenschaft, Musikpädagogik, Musikwissenschaft, Philosophie, Soziologie, Sportwissenschaft und Wirtschaftsinformatik.

In dieser Ausschreibungsrunde sind insbesondere Bewerbungen ausfolgenden Disziplinen erwünscht: Bildungs- und Erziehungswissenschaft, Kultur-, Literatur- und Musikwissenschaft.

Aus bildungswissenschaftlicher/pädagogisch-psychologischer Perspektive könnten z.B. Alltagsvorstellungen, Wissen und/oder Emotionen von Schüler/innen und/oder Studierenden zur digitalen Transformation oder Reflexionsprozesse bezüglich digitaler Gegenwarts- und Zukunftsszenarien in der Schule oder im Studium untersucht werden. Auch möglich sind beispielsweise Studien, die sich (bildungsbezogen) mit gegenwärtigen und möglichen zukünftigen Kommunikations-, Urteilsbildungs- und/oder psychosozialen Prozessen in der digitalen Welt befassen.

Aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive sind z.B. Projekte denkbar, die Szenarien erforschen, die Digitalisierung als positiven Faktor für eine gelingende Organisationsentwicklung und Professionalisierung im Erziehungssystem und für die förderliche Entwicklung von Bildungsprozessen deuten und in Anspruch nehmen. Auch Dystopien, innerhalb derer das Erziehungssystem und professionelles pädagogisches Handeln qua Digitalisierung entgrenzt, oder ersetzt wird, und das professionelle pädagogische Handeln im Erziehungssystem gar als obsolet erscheinen lassen, können Projektthema sein.

Aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive rückt das Programm Alltagspraktiken oder kulturelle Phänomene in den Fokus, die zeitnah dokumentiert und interpretiert werden. Es werden Studien gesucht, die sich Personengruppen wie Digitalen Nomaden oder Preppern widmen, die eine digitale Zukunft antizipiert leben und damit potentiell als 'Vorbilder' auf andere wirken. Es sind ebenso Untersuchungen möglich, die diejenigen Berufsgruppen in den Blick nehmen, die heute die digitalen Alltagspraktiken "von morgen" entwickeln und im Bereich des Designs Anwendungen und Produkte, z.B. des Smart Homes oder der E-Mobility, gestalten. Die Ethnographie von Laboren und Entwicklungszentren ist dabei ein Bereich, der in die Science und Technology Studies übergeht und hier Fragen danach beantwortet, wie, für welche Menschen mit welchen Bedürfnissen diese Tools entworfen werden und ob es präferierte Ästhetiken gibt, die auf bestimmte gesellschaftliche Gruppen verweisen.

Aus der Perspektive der (germanistischen und amerikanistischen) Literatur- und Kulturwissenschaft interessiert es sich für die Geschichte, die Formen und die Funktionspotentiale von Repräsentationen einer digitalen Zukunft in unterschiedlichen Medien und Genres (bspw. literarische Texte, Filme, populäre Musik, Gaming, Graphic Novels). Denkbar sind also u.a. Projekte, die sich mit den (medientechnologischen, politischen, sozioökonomischen,…) Voraussetzungen solcher Zukunftsentwürfe in unterschiedlichen historischen Kontexten beschäftigen; die nach deren medien- und genrespezifischen Verfahren und Muster der Darstellung fragen und bspw. intertextuelle/-mediale Referenzen solcher Entwürfe aufeinander bzw. auf klassische Modi der Zukunftserzählung (Utopie/Dystopie) in den Blick nehmen; oder Projekte, die die Effekte solcher Entwürfe auf die Wahrnehmung und Deutung einer bestimmten (durch diese Zukunftsentwürfe hergestellte und diese Entwürfe ebenso informierende) Gegenwart in unterschiedlichen historischen und regionalen Kontexten fokussieren. Untersucht werden sollte dabei immer auch, wie Perspektiven auf eine digitalisierte Zukunft in neue Formen des Erzählens von Digitalisierung 'übersetzt' werden und so nur ästhetisch konstruierbare Gestalten der Zukunft produzieren.

Aus musikwissenschaftlicher Perspektive interessiert es sich folglich für die Verflechtungen digitaler Zukunftsentwürfe mit Klang und Musik. Gefragt wird erstens nach den strukturellen, musikkulturellen und musikhistorischen Bedingungen der Entstehung und Verhandlung von Verklanglichungen einer digitalen Zukunft. Zweitens werden die Funktionen dieser Verklanglichungen in unterschiedlichen Medien und Genres erforscht (Musikvideo, Film, TV, Werbung, Computerspiel, Performance Art, etc.). Drittens werden die Machtverhältnisse unterschiedlicher Digitalisierungsszenarien thematisiert: Welche konkurrierenden Szenarien für eine digitale Zukunft gibt es, und welche Rolle spielen dabei Verklanglichungen und musikbezogene Erzählweisen?

Das Promotionsprogramm bietet Promovierenden ein ideales Umfeld durch interdisziplinäre Tandembetreuung (nach Möglichkeit in Kooperation zwischen Wissenschaftler*innen der Universität Oldenburg und der Jade Hochschule), Angebote zur fachlichen Vertiefung, ein Forum für interdisziplinäre Dialoge und das Knüpfen (über-)fachlicher Netzwerke sowie Angebote zur Erlangung wissenschafts- und arbeitsmarktorientierter Schlüsselqualifikationen. Die Arbeitssprache im Kolleg ist Deutsch. Bewerbungen bzw. Projekte in englischer Sprache sind dennoch möglich. Passive Deutschkenntnisse, die die Wissenschaftskommunikation ermöglichen, werden vorausgesetzt.

Weitere Informationen zur thematischen Ausrichtung, zu zentralen Fragestellungen, zu Beispielprojekten und zu den beteiligten Hochschullehrer/innen finden sich auf: https://uol.de/wizegg/promotionsprogramm

Von den Bewerber/innen wird ein überdurchschnittlicher, zur Promotion befähigender universitärer Hochschulabschluss in einem der beteiligten Fächer oder einem benachbarten Fach erwartet. Zudem ist der Bewerbung eine konkrete Idee für ein Promotionsprojekt mit Bezug zur Thematik des Programms beizufügen.

Bewerbungen sollen (bitte in dieser Reihenfolge) umfassen:

1. ein Anschreiben inkl. einer Stellungnahme zur eigenen fachlichen Verortung (insgesamt max. eine Seite);

2. ein etwa 1000 Zeichen umfassendes Abstract des geplanten Promotionsvorhabens, das auch die Anknüpfung an Gegenstand und Fragestellungen des Promotionskollegs deutlich macht;

3. eine max. fünfseitige Skizze des Promotionsvorhabens (exklusive Literaturverzeichnis, das nicht länger als zwei Seiten sein sollte);

4. einen Lebenslauf;

5. Zeugnisse;

6. ein Empfehlungsschreiben einer Hochschullehrerin/eines Hochschullehrers.

Bewerbungen sind bis zum 07.02.2021 in elektronischer Form (als ein einziges pdf-Dokument) an die Sprecher des Promotionsprogramms, Prof. Dr. Thomas Alkemeyer und Prof. Dr. Martin Butler, zu richten: .

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(Stand: 27.11.2020)