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20 Jahre Windstudium
Seit zwei Jahrzehnten hat sich das Windstudium als bundesweit einzigartige Weiterbildung im Bereich Windenergie etabliert. Über 500 Expertinnen und Experten aus den Reihen unserer Alumni, Dozent*innen und Partner bilden heute ein starkes Netzwerk. Und in den letzten Jahren wurde das Netzwerk um neue Angebote in den Bereichen Wasserstoff und Genehmigungsverfahren erweitert.
Das 20-jährige Jubiläum ist ein besonderer Meilenstein – ein Anlass, gemeinsam zurückzublicken, aktuelle Entwicklungen in Energie- und Wirtschaftspolitik zu reflektieren und den Blick nach vorn auf die kommenden Herausforderungen zu richten.
20 Jahre Windstudium – die Veranstaltungen
Forum zu Personal und Qualifizierung bei den 33. Windenergietagen in Potsdam
Unter dem Motto „Windbranche im Wandel – Folgen für Personal und Qualifizierung“ haben (von links nach rechts) Stefanie Müller (Alterric), Dominique Guillou (LEAG Renewables) und Wolfram Axthelm (BWE) bei den Spreewindtagen diskutiert. Es ging um die politischen Rahmenbedingungen der Windenergie, neue Strategien im Recruiting sowie Erfolgsfaktoren für eine Transformation von Jobs aus den fossilen hin zu den erneuerbaren Energien. Moderiert hat Christoph Schwarzer.
Wolfram Axthelm: Positive Ergebnisse aus dem Koalitionsausschuss
Brandaktuelles Policybriefing von den Beschlüssen des Koalitionsausschusses zur Kraftwerkstrategie: Wolfram Axthelm kam direkt aus dem Bundestag zum Forum und konnte Positives vermelden. Die Ausschreibungsvolumina für erneuerbare Energien bleiben stabil und die Pläne von Wirtschaftsministerin Katharina Reiche zu Reservekraftwerken kommen nun so wie bereits von Robert Habeck angepeilt: 2026 sollen Ausschreibungen für Gaskraftwerke mit einer Kapazität von 8 GW „H2-ready“ erfolgen; außerdem zusätzliche 2 GW technologieoffen, wobei Großspeicher explizit angesprochen worden seien. Und auch über diese Beschlüsse hinaus skizzierte Wolfram Axthelm gute Rahmenbedingungen für mehr Beschäftigung in der Windenergie. Den Monitoringbericht sieht er als gute Basis, um mit der Bundesregierung in einen Dialog zu kommen und Systemfragen zu lösen. Von dem Beraterauftrag für die Weiterentwicklung des Investitionsrahmens für erneuerbare Energien solle sich die Branche nicht verrückt machen lassen: für die EEG-Novelle 2026 werde dieser kaum relevant. Die EEG-Novelle müsse bereits in fünf Monaten stehen, damit das Gesetz rechtzeitig in Kraft treten könne. Windbranche und Erneuerbare müsste in der politischen Debatte klar und einheitlich agieren, damit die EEG-Novelle 2026 erfolgreich die großen Weichen für die Zukunft stellen könne. Die Anzahl an Genehmigungen und der Zubau von Windenergie an Land seien voll auf Kurs. Sogar in Baden-Württemberg und Bayern sei die Zahl der Anträge stark angestiegen und die Genehmigungsdauern erfreulicherweise gesunken. Die Bundesgesetzgebung habe ihre Wirkung entfaltet. Die Energiewende erweise sich als Jobmotor auch in Zeiten der Wirtschaftskrise. Jobs in den Bereichen Energieinfrastruktur und erneuerbare Energien hätten laut der Studie der Bertelsmann Stiftung von März 2025 zugenommen. Das Bild sei zwar nicht einheitlich. Zuletzt stark gewachsene Firmen der Branche, v.a. die großen Projektierer, stellt das starke Wachstum vor die Herausforderung, neue Prozesse sowie Führungs- und Organisationsstrukturen aufzubauen. Und in den kommenden Jahren werden die vielen genehmigten Projekte in die Umsetzung kommen, sodass sich dann auch in den Bereichen der Umsetzung – Bau, Logistik, Netzanschluss – der Personalbedarf zeigen werde.
Dominique Guillou: Wie die Energiewende regional gelingen kann
Die Transformation der Braunkohleregion in der Lausitz zeige, wie die Energiewende bezogen auf eine Region umgesetzt werden könne, berichtete Dominique Guillou. In der „GigawattFactory“ entstehen Photovoltaik- und Windenergieanlagen, Batterie-Großspeicher, Netzinfrastruktur sowie Wärmeversorgung für Kommunen. Und das alles im Verbund intelligent gesteuert als innovativer Kraftwerkspark, um Strom verlässlich verfügbar zu machen. Der Umbau solle sich zum entscheidenden Standortfaktor entwickeln und damit neue Industrieansiedlungen – und neue Jobs – ermöglichen. Von den Beschäftigten der LEAG Renewables seien etwa 50% aus den Braunkohle-Sektoren übernommen worden und arbeiten heute v.a. im Asset Management, den administrativen Bereichen und dem regionalen Stakeholder Management. Wichtige Voraussetzungen waren eine Vereinbarung mit der betrieblichen Mitbestimmung, eine berufliche Perspektive und Umschulungsmaßnahmen. Herausfordernd sei es, die an feste Strukturen gewöhnten Beschäftigten für die agile Branche der Erneuerbaren zu motivieren. Die Projekte der LEAG liegen vornehmlich auf den betriebseigenen Flächen, viele davon Rückbauflächen aus dem Braunkohlebergbau, und sie würden aufgrund des großen Abstandes zur Wohnbebauung nicht als störend wahrgenommen. Entsprechend gäbe es in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz für den Bau der neuen Anlagen. Die Transformation der Braunkohleregion in eine Region der Erneuerbaren habe einen guten Start genommen. Es brauche aber auch hier genau das, was die Branche insgesamt benötige: stabile politische Ziele, einen verlässlichen Rahmen für die Investitionen sowie eine erfolgreiche Zusammenarbeit von Bund, Land und Kommunen.
Stefanie Müller: Wie sich Jobprofile und Recruiting bei Projektierern wandeln
Stefanie Müller skizziert in ihrem Beitrag zunächst die branchenweite Entwicklung der Jobprofile in der Projektentwicklung. Während Projektentwickler*innen Windparks früher weitgehend eigenständig realisieren konnten und nur wenige Schnittstellen zu koordinieren waren, hat die zunehmende Komplexität der Projekte zu einer deutlichen Ausdifferenzierung geführt: Zunächst entstanden spezialisierte Rollen wie Flächenakquisiteur*innen, später folgten weitere Spezialisierungen für Genehmigung, Bau und Inbetriebnahme. Heute setzen viele Unternehmen auf klar getrennte Verantwortlichkeiten entlang des gesamten Projektverlaufs, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Diese Veränderungen wirken sich auch auf das Recruiting aus: Für die spezialisierten Profile existieren kaum passgenaue Studiengänge oder klare Ausbildungspfade. Unternehmen suchen daher zunehmend nach Kandidat*innen mit hohem Entwicklungspotenzial, die sie intern qualifizieren können. Einstiegswege werden diverser, und Nachwuchskräfte benötigen – je nach Rolle – mehrere Jahre, um vollständig in die komplexen Aufgaben hineinzuwachsen. Am Beispiel von Alterric zeigt Stefanie Müller, dass sich diese allgemeinen Branchentrends ebenfalls bemerkbar machen, die organisatorische Umsetzung jedoch unterschiedlich ausgestaltet sein kann. Auch hier gilt: Die spezifischen Kompetenzanforderungen jeder Rolle machen es herausfordernd, passende Kandidatinnen direkt am Markt zu finden. Deshalb setzt Alterric im Recruiting ebenfalls stark auf Potenzial, Quereinstieg und interne Qualifizierung. Im neu gegründeten BWE-Arbeitskreis Personal und Recruiting, dessen Co-Sprecherin Stefanie Müller ist, tauschen sich Unternehmen der Branche nun zu gemeinsamen Maßnahmen aus, um die Attraktivität der Berufsprofile zu stärken, Qualifikationswege sichtbar zu machen und branchenweite Lösungen für die Personalgewinnung voranzubringen. Denn nur durch gemeinsame Initiativen vieler Unternehmen wird es möglich sein, mehr Nachwuchs und Quereinsteigende für die Windenergie zu begeistern.
Mit Windkraft zur Husum Wind
Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums charterte das Windstudium den Traditionssegler Astarte und machte sich mit einer Gruppe Alumni auf den Weg zur Messe HUSUM WIND 2025.
Von Bremerhaven aus ging der Törn am Offshore Windpark Nordergründe vorbei mit Übernachtung in Helgoland nach Husum. Während der Messe lag die Astarte im Husumer Hafen und wurde als schwimmendes Hotel genutzt. Nach der Messe segelte eine zweite Gruppe Alumni wieder retour.
Vielen Dank an Eugen von Abel und die Crew der Astarte der Schiffergilde Bremerhaven.
Ermöglicht wurde der Törn mit freundlicher Unterstützung durch:
Diskussion beim Alumnitreffen in Husum: Perspektiven der Windbranche
Wie geht es weiter mit der Windenergie und wer macht’s? Darüber diskutierten Branchenexperten am Rand der Husum Wind 2025 beim Alumni- und Netzwerktreffen des Windstudiums.
Im Zentrum stand die Diskussion über die aktuellen Entwicklungen in der Energie- und Wirtschaftspolitik. Im Speicher Husum am Binnenhafen ging es unter anderem um den kurz zuvor veröffentlichten Energiewende-Bericht und den 10-Punkte-Plan der Bundesenergieministerin Katherina Reiche. Betont wurde die Notwendigkeit eines stabilen Investitionsrahmens für Erneuerbare, etwa in der anstehenden Novellierung des EEG. Ein weiteres Thema waren weltweite Entwicklungen und wie sich die für die Energiewende so dringend benötigten Fachkräfte gewinnen, qualifizieren und halten lassen. Die Referenten Carlo Reeker (BWE) und Dr. Sebastian Rohe (Alterric) lieferten je einen Impulsvortrag und diskutierten anschließend auf dem Podium mit Toni Freude (UKA) und den Gästen.
Ermöglicht wurde die Veranstaltung mit freundlicher Unterstützung durch:
Jubiläumsevent: Alumni- und Netzwerktreffen Windenergie und Wasserstoff
Mit Open Source und Elektrolyse ins Net-Zero-Valley
Großartige Stimmung, prominente Gäste und spannende Diskussionen – bei der Feier zum 20-jährigen Bestehen des Windstudiums wurde deutlich, was das Netzwerk rund um die Weiterbildung ausmacht. Fast hundert Alumni, Lehrende und Partner der C3L-Programme zu Wasserstoff und Wind waren ins CORE in der Oldenburger Innenstadt gekommen. Das jährliche Netzwerktreffen verknüpfte wie in den vergangenen Jahren den persönlichen mit dem fachlichen Austausch.
Der Vortrag von Dr. Christian Friege drehte sich um das Zusammenspiel von Windkraft und Wasserstoff. „Das eine geht langfristig nicht ohne das andere“, betonte der EWE-Marktvorstand. Beim weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien biete elektrolytisch erzeugter Wasserstoff viele Vorteile: Weniger Wind- und Solarstrom muss ungenutzt abgeregelt werden. H2 könne als saisonaler Speicher die Stromversorgung bei Dunkelflaute sichern und industrielle Prozesse wie die Beton- oder Stahlherstellung klimaneutral machen. Außerdem sei weniger Netzausbau nötig, wenn Moleküle statt Elektronen transportiert werden. Dafür ließen sich zum Teil vorhandene Leitungen nutzen. Im Nordwesten werden die L-Gas-Leitungen frei und die in Deutschland zwischen Nord und Süd verlaufenden Gasleitungen haben eine Kapazität von 75 GW – deutlich mehr als beim Strom mit 18 GW. Friege erläuterte auch die Planungen der EWE für den 320-MW-Elektrolyseur in Emden, der ab 2026 jährlich bis zu 1,4 TWh aufnehmen soll.
Open Source für Netzbetreiber
Prof. Dr. Sebastian Lehnhoff, Vorstandsvorsitzender des OFFIS und Experte für Energieinformatik, gab einen Einblick in die Digitalisierung der Energiesystems. So werde sich in einem beispielhaften Mittelspannungsbereich die Zahl der Datenpunkte durch Smart Meter vervielfachen – von bislang 180.000 auf dann 24 Millionen. Die derzeit eingesetzten Systeme für die Betriebsführung können dies nicht bewältigen. Durch Erweiterungen entstehen Probleme durch verteilte Datentöpfe, Medienbrüche und inkonsistente Daten. Diese Systeme zu warten und zu verknüpfen sei „für Informatiker eine Katastrophe“. Zudem gebe es derzeit nur vier spezialisierte Softwareanbieter. Damit Netzbetreiber und Energieversorger schneller auf neue regulatorische und technische Anforderungen reagieren und die Digitalisierung effizient umsetzen können, brauche es modulare Entwicklungen, gemeinsame Plattformen und offene Standards. „Es geht nicht ohne Open Source“, betont Lehnhoff. Nur so ließe sich der Markt für weitere Entwickler öffnen. Ein Beispiel ist die Genossenschaft OpenKonsequenz, die Open-Source-Module für Netzbetreiber entwickelt. Bei der Netz Leipzig und EWE NETZ habe sich die Software bereits im Feldversuch bewährt.
„Gigantische Chancen” im Nordwesten
Im Podiumsgespräch mit den beiden Vortragenden verwiesen Prof. Dr. Claudia Kemfert vom DIW Berlin und der OLEC-Vorstand und Oldenburger Wirtschaftsförderer Roland Hentschel auf die herausgehobene Rolle der Nordwestregion bei der Energiewende: Hier gebe es von den Erneuerbaren Energien überzeugte Akteure, Industrie, grüne Erzeugungskapazität und Fachkräfte. Die Wasserstoffwirtschaft biete Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Innovationen, so Kemfert: „Die Chancen für den Nordwesten sind gigantisch.“ Der Fokus sei jedoch nicht allein auf Wasserstoff zu richten. Insbesondere müsse der Ausbau von Speichern und Netzen vorangetrieben werden und der volkswirtschaftlich sinnvollste Weg gewählt werden. Welche Chancen die Energiewende für die Region bietet, machte Hentschel mit dem aktuellen Antrag für das Net Zero Valley Nordwest deutlich. Auf Basis einer EU-Vorgabe könne die Region zu einer Sonderwirtschaftszone avancieren, in der rund 160 Vorhaben bevorzugt genehmigt und gefördert werden.
Mit freundlicher Untersützung von:
Wann starten die nächsten Weiterbildungen?
Der nächste Jahrgang des berufsbegleitenden Windstudiums beginnt im August 2026.
Start für die nächste Weiterbildung Wasserstoff für Fach- und Führungskräfte ist im Frühjahr 2026.
Die Weiterbildung Genehmigungspraxis für die Energiewende beginnt im Frühjahr 2026.