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Prof. Dr. Martin Butler

Institut für Anglistik und Amerikanistik

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Wer macht die Zukunft?

Wer macht die Zukunft?

Martin Butler, Hochschullehrer für Amerikanistik: Literatur und Kultur und Direktor des Wissenschaftlichen Zentrums „Genealogie der Gegenwart“, erklärt, wie Zukunftsentwürfe entstehen.

„Die Zukunft steht noch nicht fest. Das macht sie zu etwas Ungewissem. In Zeiten multipler Krisen, in denen Kriege und andere Katastrophen die Schlagzeilen dominieren, wird aus Ungewissheit für viele Menschen ein wahrer „Vergewisserungsnotstand“. Diesem versuchen sie auf ganz verschiedene Art und Weise zu begegnen: Die einen vertrauen auf die Verbindlichkeit wissenschaftlicher Prognosen, andere glauben an die Visionen politischer Entscheidungsträger, wiederum andere an religiöse Heilsversprechen. Welche unterschiedlichen Erzählungen über die Zukunft dabei entstehen, wie sie um Deutungshoheit ringen, und wie sie gegenwärtiges Denken und Handeln anleiten – das alles sind Fragen, mit denen wir uns am Wissenschaftlichen Zentrum „Genealogie der Gegenwart“ fach- und fakultätsübergreifend auseinandersetzen.

Ein Beispiel: Im Diskurs über die Zukunft westlicher Industrienationen kommt Migration einerseits eine Schlüsselrolle im Umgang mit Überalterung und Fachkräftemangel zu; in einer anderen Erzählung wird sie zur beunruhigenden Gefahr, die es zu verhindern gilt. Diese Zukunftsnarrative konkurrieren miteinander, an ihnen orientieren sich Meinungen und Entscheidungen in der Gegenwart. 

Erschreckenderweise ist in diesem Kampf um Aufmerksamkeit die Wirkmacht einer Erzählung nicht unbedingt an deren Faktenorientierung gekoppelt. So kann es sein, dass ein Tweet des US-amerikanischen Präsidenten vom Golfplatz mehr gesellschaftliches Gewicht entwickelt als eine wissenschaftliche Studie. Wie und warum sich welcher Zukunftsentwurf durchsetzt, hängt also unter anderem davon ab, wer an dessen Erstellung beteiligt ist, und in welchem Kontext und mit welcher Reichweite er verbreitet wird.

Dem gehen wir mit unserem Forschungsansatz nach: Wir wollen die Mechanismen freilegen, mit denen Zukunftsentwürfe hergestellt und popularisiert werden, und dabei auch das Verhältnis zwischen Zukunftsnarrativen und Gegenwartshandeln genauer beleuchten. Gerade in Zeiten, in denen die Institution der Wissenschaft und die Verbindlichkeit ihrer Prognosen mehr als je zuvor in Frage stehen, ist eine solche Perspektive von besonderer Bedeutung.”

(Stand: 16.02.2026)  Kurz-URL:Shortlink: https://uol.de/p117086
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