Wie retten wir die Korallenriffe?
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Wie retten wir die Korallenriffe?
Wie retten wir die Korallenriffe?
Iliana Baums, Professorin für Marine Conservation, befürchtet negative Folgen des Klimawandels für die Korallenriffe, sieht aber auch ermutigende neue Ansätze, um die Korallenriffe zu retten.
„Tropische Korallenriffe sind durch steigende Temperaturen bedroht. Wenn es zu warm wird, bricht die Symbiose zwischen Korallen und den einzelligen Algen in ihrem Gewebe zusammen. Die Algenzellen verlassen die Koralle und man sieht nur noch das weiße Kalkskelett der Korallen. Deswegen spricht man von Korallenbleiche. Die Folge ist ein Massensterben von Korallen.
Durch die globale Erwärmung kommt es immer häufiger zu Korallenbleichen, es sterben immer mehr Korallen. Und selbst diejenigen, die überleben, können geschwächt sein. Sie haben nicht mehr genug Energie übrig, um Infektionskrankheiten abzuwehren oder Nachwuchs zu produzieren. Die Folgen wiegen schwer, denn als „Regenwälder der Meere“ bieten Korallenriffe Lebensraum für ein Viertel aller Meeresarten und schützen Küsten bei Stürmen.
Was können wir tun, um sie zu schützen? Zunächst einmal: Die natürliche Anpassung an neue Umweltbedingungen kann erstaunlich schnell vor sich gehen. Durch den Prozess der Selektion überleben Tiere mit einer besseren Anpassung, in diesem Fall: einer Toleranz für höhere Temperaturen. Aber bei diesem Prozess ist eine Menge Zufall dabei. Es ist nicht garantiert, dass die natürliche Selektion schnell genug funktioniert, um das Aussterben der Korallen zu verhindern. Hier kann der Mensch eingreifen. Außer Frage steht: Am wichtigsten ist es, den Klimawandel zu stoppen, daran geht kein Weg vorbei. Aber wir sind bereits auf dem Weg in eine erheblich wärmere Welt. Daher müssen wir etwas tun, um den Korallen zu helfen, die schnellen Veränderungen zu überleben, bis sich die Erwärmung hoffentlich verlangsamt und sich die Bedingungen stabilisieren.
In der Korallenforschung verfolgen wir den Ansatz, so viel genetische Vielfalt wie möglich zu bewahren, etwa in Biobanken oder durch Kryokonservierung von Eiern und Spermien. Wir können weit voneinander entfernte Korallenkolonien zur Fortpflanzung miteinander in Kontakt bringen und so die natürliche Anpassung unterstützen. Viel hängt dabei von einer besseren internationalen Kooperation ab. Denn bislang sind Genehmigungsverfahren etwa für den Austausch genetischem Material über Grenzen hinweg langwierig und umständlich. Manchmal dauert es Jahre, bis eine Genehmigung erteilt wird. Angesichts der ziemlich katastrophalen Ereignisse, mit denen wir konfrontiert sind, brauchen wir dringend rechtliche Reformen, die uns bei unserer Aufgabe helfen.
Was mir Hoffnung macht, sind die unglaubliche Innovationskraft und die Energie, mit der zahlreiche Menschen weltweit versuchen, der Krise zu begegnen. In den letzten zehn Jahren gab es viele neue Lösungen und teils auch sehr schnelle technologische Fortschritte – von der Kryokonservierung bis zur geschlechtlichen Fortpflanzung von Korallen im Labor, die lange Zeit sehr schwierig war. Man weiß jetzt besser, wie man Korallen ansiedelt, welche Substrate sie benötigen, wie man den Jungtieren helfen kann, zu überleben. Es hat sich wirklich viel getan. Gleichzeitig ist es eine riesige Herausforderung, die Riffe weltweit wieder auf den Stand zu bringen, den wir kennen – allein angesichts der riesigen Flächen in der Karibik oder am Great Barrier Reef.”