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Holocaust in der Grundschule

Holocaust in der Grundschule

Forschungsinteressen:

Es mag ein wenig überraschen, aber ausgerechnet das Thema "Holocaust" dürfte dasjenige sein, das von allen Themen historischen Lernens im Rahmen des Sachunterrichts (vgl. Forschungsschwerpunkt "Frühes historisches Lernen") am intensivsten von der Forschung behandelt wurde. Hierin spiegelt sich die große Bedeutung wider, die die Erinnerung an die nationalsozialistische Vergangenheit in der deutschen Erinnerungskultur besitzt. Dies führt dazu, dass bereits Kindergarten- und Grundschulkinder in ihren Lebenswelten mit Nachwirkungen des Nationalsozialismus konfrontiert werden.

Eine eingehendere Forschungsdiskussion fand hierzu seit Mitte der 1990er Jahre statt. Dabei konzentrierte sich die Forschung bislang vor allem auf die Frage, ob es - vor allem von den Lernvoraussetzungen der Kinder her gesehen - überhaupt sinnvoll ist, den Nationalsozialismus und vor allem den Holocaust bereits in diesem Alter zu behandeln. Die wesentlichen Argumente scheinen hierzu bereits ausgetauscht. Der Tenor bei der Beantwortung dieser Frage lautet cum grano salis: Es gibt zwar eine Reihe von Bedenken und Einschränkungen insbesondere bei der unterrichtlichen Behandlung des Holocaust, aber eine frühe Thematisierung im schulischen Zusammenhang dürfte sinnvoll sein. Weiter gehende Erkenntnisse sind daher nicht so sehr von einer weiteren theoretisch-konzeptionellen Forschung zu erwarten, sondern vor allem von drei Zugriffen:

  1. von einer verstärkten Einbeziehung internationaler Forschungen und Erfahrungen (vgl. zu den USA: Heike Deckert-Peaceman: Holocaust als Thema für Grundschulkinder? Ethnographische Feldforschung zur Holocaust Education am Beispiel einer Fallstudie aus dem amerikanischen Grundschulunterricht und ihre Relevanz für die Grundschulpädagogik in Deutschland, Frankfurt am Main 2002)
  2. von einer empirischen Lehr-/Lern- bzw. Unterrichtsforschung, die sowohl Lehrer- und Schülervorstellungen zum Gegenstand als auch - z. B. im Form der Interventionsforschung - Auswirkungen einer unterrichtlichen Behandlung ermittelt
  3. von der Entwicklung methodischer Verfahren zur Behandlung des Themas im Grundschulunterricht

Der dritte Zugriff wird zur Zeit hier in Oldenburg verfolgt, nicht zuletzt, um die Implementation der Forschungsergebnisse in den konkreten Unterricht zu erleichtern. Auf der Grundlage der neueren Forschungen sollen unterschiedliche methodische und mediale Umsetzungsperspektiven entwickelt werden; geplant ist hierbei die Kooperation mit zahlreichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in ganz Deutschland, die in den letzten Jahren bzw. zur Zeit an dem Thema "Holocaust in der Grundschule" arbeiten (z. T. in Form von Qualifikationsarbeiten).

Bisherige Veröffentlichungen:


  • Dietmar von Reeken, "Wir können es weiter erzählen." Holocaust im Sachunterricht - Ein Kommentar aus geschichtsdidaktischer Perspektive, in: Detlef Pech, Marcus Rauterberg, Katharina Stoklas (Hrsg.): Möglichkeiten und Relevanz der Auseinandersetzung mit dem Holocaust im Sachunterricht der Grundschule (= www.widerstreit-sachunterricht.de, beiheft 3), 2006, S. 89-95 (auch online hier - Download des kompletten Beihefts, 1 MB)
  • Dietmar von Reeken, Historisches Lernen im Sachunterricht. Eine Einführung mit Tipps für den Unterricht, Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 2004
  • Dietmar und Silke von Reeken, Die Zerstörung des jüdischen Friedhofs in Diepholz. Ein Projekt in der Grundschule, in: Grundschule H. 7-8/1997, S. 68-70
  • Dietmar von Reeken, Art. "Holocaust", in: Astrid Kaiser (Hg.), Lexikon Sachunterricht, Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 1997, S. 173
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