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Dr. Claudia Schomaker


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   Claudia Schomaker

Dr. Claudia Schomaker

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Dissertation

Der Faszination begegnen
Didaktische Rekonstruktion ästhetischer Zugangsweisen im Sachunterricht für alle Kinder

„Wider eine Verödung der Lernkultur“ – Das Plädoyer Oskar Negts für ,pädagogische Phantasie’ und ,Experimentierlust’ im Schulalltag (Negt 2006) knüpft an die Forderungen Rumpfs aus den 1980er Jahren an, der aus der Analyse von schulischen Alltagsszenen und Lehrmaterialien der letzten 150 Jahre den Schluss zieht, dass die Schule das Sinnliche und Körperliche in Bildungsprozessen verdrängt habe zugunsten der Aneignung wissenschaftlicher Erkenntnisse, „die die persönliche Erfahrung am sinnlich spürbaren Detail annullieren oder übersteigen heißen“ (Rumpf 1981). Mit diesem Aufruf für eine Rückbesinnung auf sinnlich-ästhetisch geprägte Lernprozesse wird ein Modus kindlicher Welterschließung in den Fokus gerückt, der in alltäglichen Handlungsprozessen insbesondere von Erwachsenen als verschönernde, aber auch verzichtbare Form der Auseinandersetzung mit Sachverhalten gilt. Als Entlastung und Kompensation zu anstrengenden, kognitiv geprägten Lernprozessen rückt die Beschäftigung mit der ästhetischen Seite eines Sachverhalts in schulischen Bildungsprozessen oftmals an den Rand und gilt den ,Kernfächern’ der Schule als untergeordnet. Zahlreiche Ansätze in unterschiedlichen Fachdisziplinen, auch in der Grundschule bzw. im Sachunterricht, kennzeichnen allerdings in den letzten Jahren das Bemühen, sinnliche Wahrnehmungsprozesse in Unterrichtsabläufe zu integrieren und deren Bedeutung für die subjektive Aneignung eines Gegenstandes auf diese Weise zu berücksichtigen. Denn die ästhetische Dimension der Vergegenwärtigung eines Gegenstandes gilt als elementarer ,Modus der Welterfahrung’ (vgl. hierzu BMBF 2003), welcher sich zu den grundlegenden Dimensionen allgemeiner Bildung komplementär verhält und damit in jedem Lernprozess als eine notwendige Form der Kenntniserweiterung gilt. Die Dimensionen eines ästhetischen Weltzugangs sind äußerst vielfältig und verweisen auf eine lange Traditionsgeschichte, die bis in die Gegenwart verschiedene Disziplinen mit eigenen Ästhetikdiskursen hervorgebracht hat. In der vorliegenden Studie wird daher der Begriff des ästhetischen Erlebens als eine Weise der Weltzuwendung zunächst aus der historischen Perspektive und ihren differenzierten Diskursen in Philosophie, Psychologie und Biologie entwickelt. Mit dem Blick auf die ästhetische Betrachtung eines konkreten Gegenstandes des Sachunterrichts, der Lebensweise von Schnecken, wird dieser Fokus auf den traditionellen Diskurs der philosophischen Ästhetik darüber hinaus um den der ästhetischen Wahrnehmung von Natur im Besonderen erweitert. Die Perspektiven ästhetischen Erlebens münden mit den Briefen Schillers zur ästhetischen Erziehung des Menschen in die Hoffnung, dass ästhetische Erfahrungen bildungswirksam seien. Der Fokus der hier dargestellten Studie auf die didaktische Bedeutung ästhetischer Zugangsweisen im Sachunterricht setzt an diesem ,Versprechen des Ästhetischen’ (Ehrenspeck 1998) an: Inwiefern stellen ästhetische Zugangsweisen einen bedeutungsvollen Zugang zur Welt dar und welche Erkenntnisse stellen sie für das eigene Handeln bereit? Kann das ästhetische Erleben bzw. das ästhetische Erkennen eines Gegenstandes für die Didaktik des Sachunterrichts fruchtbar gemacht werden? Mit Hilfe der zuvor vielfältig gestalteten Perspektive auf Ästhetik wird ein expliziter Rahmen für die Diskussion didaktischer Entwürfe geschaffen. Auf diese Weise wird das Dilemma, in dem sich der Diskurs des ästhetischen Lernens in einem Sachunterricht für alle Kinder befindet, deutlich: Im Sachunterricht liegen für die Praxis zahlreiche Konzepte vor, die den Ästhetik-Begriff oftmals in einer verkürzten Dimension auf ein ,Lernen mit allen Sinnen’ beschränken. Der kritisch-reflexive Anspruch eines ästhetisch begründeten Weltverhältnisses geht damit verloren. Demgegenüber setzt sich der Diskurs ästhetischer Wahrnehmung in der Heil- und Sonderpädagogik kaum mit der bildungsrelevanten Dimension ästhetischen Lernens auseinander, sondern fokussiert in der Regel ästhetische Zugänge auf den heiltherapeutischen Aspekt. Anknüpfend an die Dimensionen ästhetischer Bildung wird in der hier dargestellten Studie erstmals explizit ein umfassender Begriff ästhetischen Lernens an einem konkreten Sachgegenstand (der Lebensweise von Schnecken) im Sachunterricht generiert, der über den Anspruch, lediglich die sinnlichen Wahrnehmungsprozesse in der Aneignung eines Sachverhalts hervorzuheben, deutlich hinausgeht und die kritisch-reflexive Dimension ästhetischen Lernens fokussiert. Diese Diskussion mündet schließlich in ein allgemeines Konzept ästhetischen Lernens im Sachunterricht, das sich auf die empirisch ermittelten ästhetischen Sensibilitäten in den Vorstellungsbildern von allen Kindern zur Lebensweise von Schnecken stützt.

Veröffentlichungen

Monografien

  • Über die Sinne hinaus. Ästhetische Zugangsweisen im Sachunterricht bei Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen des schulischen Lernens, Göttingen: Duehrkohp und Radicke 2000. [CD-ROM]
  • Der Faszination begegnen. Ästhetische Zugangsweisen im Sachunterricht für alle Kinder. Oldenburg: DIZ 2007.
  • Ästhetische Bildung im Sachunterricht. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag (im Druck).

Herausgeberschaften

  • Der (Sach-)Unterricht und das eigene Leben. Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2007 (zus. mit Ruth Stockmann)

Beiträge in Sammelbänden und Zeitschriften (auch online)

  • Gebrauchsanweisung und Tipps. Wie stellen wir eine Sachunterrichtskiste her? zus. mit Sabine Schröder. In: neue deutsche schule 11 (1997), S. 34-35.
  • Alles dreht sich um Räder, mit Rädern, auf ... Ein Sachunterrichtsprojekt zus. mit Maria Wigger. In: Grundschulunterricht 10 (1998), S. 36-38.
  • Möglichkeiten zur Umsetzung eines Konzeptes ganzheitlicher Gesundheitsförderung. In: Sache-Wort-Zahl 24 (1999), S. 24- 28.
  • Leben im Mittelalter. Anregungen für einen handlungsorientierten Sachunterricht zu einem historischen Thema. In: Reeken, Dietmar von: Historisches Lernen im Sachunterricht.
  • Didaktische Grundlegungen und unterrichtspraktische Hinweise, Seelze: Kallmeyer 1999, S. 87-105. Old McDonald had a farm ... Bauernhof heute? In: Kaiser, Astrid (Hrsg.): Praxisbuch handelnder Sachunterricht. Band 3, Baltmannsweiler: Schneider-Verlag 2000, S. 33-44.
  • ,Ich mach’ dich gesund’, sagte der Bär. In: Kaiser, Astrid (Hrsg.): Praxisbuch handelnder Sachunterricht. Band 3, Baltmannsweiler: Schneider-Verlag 2000, S. 95-110.
  • Rollt das Rad? In: Kaiser, Astrid (Hrsg.): Praxisbuch handelnder Sachunterricht. Band 3, Baltmannsweiler: Schneider-Verlag 2000, S. 138-146.
  • Warum Mädchenstunden und Jungenstunden. Gedanken zum Tagebuch. In: Kaiser, Astrid (Hrsg.): Praxisbuch Mädchen- und Jungenstunden, Baltmannsweiler: Schneider-Verlag 2001, S. 55-57.
  • Räder und Fahrzeuge. Lernzirkel im Sachunterricht zus. mit Astrid Kaiser. In: Unterricht. Arbeit+Technik 12 (2001), S. 6-7.
  • Das ist ja schön! Ästhetische Zugangsweisen im Sachunterricht der Primarstufe“. In: PädForum 5 (2001), S. 369-377.
  • Mit allen Sinnen...oder? Über die Relevanz ästhetischer Zugangsweisen im Sachunterricht. In: Kaiser, A./Pech, D. (Hrsg.): Basiswissen Sachunterricht. Band 3: Integrative Zugangsweisen für den Sachunterricht. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag 2004, S. 49-58.
  • ,Herzlich Willkommen im Schneckenzirkus’ – Anregungen und Ideen zur Umsetzung ästhetischer Zugangsweisen im Sachunterricht. In: Kaiser, A./Pech, D. (Hrsg.): Basiswissen Sachunterricht. Band 3: Integrative Zugangsweisen für den Sachunterricht. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag 2004, S. 213-218.
  • Individuelles Erkenntnisinteresse und der Anspruch der Standardisierung im Sachunterricht. In: Götz, M./Müller, K. (Hrsg.): Grundschule zwischen den Ansprüchen der Individualisierung und Standardisierung. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften 2005, S. 201-207.
  • Sinn-volle Bildung im Sachunterricht. Über die didaktische Relevanz ästhetischer Zugangsweisen. In: www.widerstreit-sachunterricht.de, Nr. 5/2005 (ISSN 1612-3034).
  • Möglichkeiten und Grenzen ästhetischer Erfahrungsräume im Sachunterricht. In: Cech, D./Fischer, H. J./Holl-Giese, W./Knörzer, M./Schrenk, M. (Hrsg.): Bildungswert des Sachunterrichts. Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2006, S. 253-262.
  • ,Aber bei Regen, das ist ja bei denen schön!’. Ästhetische Lernwege im Sachunterricht. In: Pfeiffer, S. (Hrsg.): Neue Wege im Sachunterricht. Publikation des DIZ, Universität Oldenburg 2006, S. 153-164.
  • ,Sondern auch der Weisheit Lehren…’ Didaktische Relevanz ästhetischer Lernwege im zukünftigen Sachunterricht.“ In: Cech, D./Feige, B./Hartinger, A./Lauterbach, R. (Hrsg.): Kompetenzerwerb im Sachunterricht fördern und erfassen. Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2007, S. 37-46.
  • ,Der mitgeschaute Blick’. Berühmte Entdecker und Erfinderinnen im Sachunterricht (zusammen mit R. Stockmann). In: Schomaker, C./Stockmann, R. (Hrsg.): Der (Sach-) Unterricht und das eigene Leben. Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2007, S. 244-254.
  • ,Auf klebrigen Spuren. Kinder erforschen die Lebensweise von Schnecken’. In: Weltwissen Sachunterricht, H. 4/2007 (im Druck). ,Lernen in Lernwerkstätten’. In: Beck, I./Feuser, G./Jantzen, W./Wachtel, P. (Hrsg.):
  • Behinderung, Bildung, Partizipation – Enzyklopädisches Handbuch der Behindertenpädagogik. Bd. 4: Didaktik und Unterricht. Hrsg. von Astrid Kaiser, Birgit Werner, Ditmar Schmetz, Peter Wachtel. Stuttgart. Verlag Kohlhammer 2007 (im Druck).
  • ,Ein Ding ist ein Ding’. Von, mit, an und über Sachen lernen. In: Becker, C. (Hrsg.): Perspektiven textiler Bildung. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag 2007 (im Druck).

Zur Person

Seit 2004 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Sachunterricht der Universität Osnabrück tätig (Schwerpunkt: Naturwissenschaftlicher Bereich des Sachunterrichts)".

diqbz-rhuc/Webmaster (diz@uni-oldenbvxlurg.inytde) (Stand: 07.11.2019)