Internationaler Frauentag
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Das Sommerfest der Zentralen Gleichstellungsstelle
Internationaler Frauentag
Videobotschaft von Prof. Dr. Katharina Al-Shamery
Vizepräsidentin für Akademische Karrierewege, Chancengleichheit und Internationales
Seit 1911 wird der Internationale Frauentag am 8. März weltweit begangen, um auf die Rechte von Frauen und Mädchen aufmerksam zu machen. Trotz zahlreicher Fortschritte bestehen weiterhin geschlechtsspezifische Ungleichheiten – etwa bei Löhnen, politischer Teilhabe, der Verteilung von Sorgearbeit oder der Betroffenheit von Gewalt. In jedem Jahr erinnert uns der Internationale Frauentag daran, dass Gleichstellung, Chancengleichheit und gesellschaftliche Teilhabe keine Selbstverständlichkeiten sind und auch im Hochschulkontext stehen diese Errungenschaften immer wieder unter Druck. Gerade deshalb ist dieser Tag Anlass, nicht nur Erreichtes zu würdigen, sondern auch auf aktuelle Herausforderungen aufmerksam zu machen.
Lisi Maier und Dr. Arn Sauer (Direktorium der Bundesstiftung Gleichstellung) formulieren die Bedeutung des Internationalen Frauentags wie folgt:
Neue Visionen für ein geschlechtergerechtes Leben für alle zu entwickeln, dafür steht der 8. März! Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen und Strukturwandelprozesse gleichstellungsorientiert zu gestalten, ist unverzichtbar für eine gerechte und demokratische Gesellschaft. [1]
In einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung sehen sich Hochschulen mit neuen Spannungsfeldern konfrontiert. Forschende, Studierende und Mitarbeitende berichten zunehmend von Angriffen auf die Wissenschaftsfreiheit, von persönlichen Anfeindungen und von Versuchen, wissenschaftliche Arbeit oder gesellschaftliches Engagement zu delegitimieren. Besonders Frauen, deren Lebensrealitäten von mehreren strukturellen Benachteiligungen geprägt sind, sind davon häufig betroffen – sei es durch digitale Angriffe, öffentliche Diffamierungen oder strukturelle Benachteiligungen.
So weist die DFG-Präsidentin Professorin Dr. Katja Becker anlässlich der DFG-Festveranstaltung am 1. Juli 2025 auf internationale Entwicklungen hin, die die Wissenschaftsfreiheit und die Sicherheit von Forschenden weltweit zunehmend gefährden:
Institutionen und Projekte verlieren ihre Förderung, zahllose Wissenschaftler*innen ihre Anstellung und ausländische Forschende und Studierende ihren Aufenthaltstitel. Die Orwell’sche Tilgung von Schlüsselbegriffen und die scheinbar willkürlichen Streichungen von Fördermitteln dienen als Instrument der Machtausübung. Die Unabhängigkeit der Wissenschaft wird systematisch eingeschränkt, ihre Integrität gezielt untergraben und ihre Prinzipien für politische Zwecke instrumentalisiert […] Unabhängige Forschung wird massiv eingeschränkt; man möchte fast sagen: vertrieben und verfolgt. [2]
[A]uch hierzulande verzeichnen wir leider eine zunehmende Wissenschaftsfeindlichkeit. Kolleg*innen aller Fachgebiete sowie Mitglieder der DFG berichten uns davon. Die Klima- und die Biodiversitätsforschung sind ebenso betroffen wie viele Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften und selbst die Medizin. Dabei beschränken sich die Angriffe keineswegs auf die sozialen Medien; sie betreffen uns hier und jetzt. [3]
Diese Entwicklungen betreffen demzufolge nicht nur Einzelpersonen, sondern die Hochschule als Ort des kritischen Denkens und der offenen Debatte insgesamt. Werden Persönlichkeitsrechte verletzt oder wissenschaftliche Positionen unter Druck gesetzt, stellt dies eine Herausforderung für die gesamte akademische Gemeinschaft dar.
Der Internationale Frauentag ist deshalb auch ein Aufruf zur Solidarität und zur gemeinsamen Verantwortung. Es braucht Räume, in denen Erfahrungen gehört werden können und Strukturen, die Schutz, Unterstützung und Sichtbarkeit ermöglichen. Gleichzeitig braucht es eine starke Vernetzung zwischen den unterschiedlichen Statusgruppen der Hochschule: Studierende, wissenschaftliche Mitarbeitende, Professorinnen und Professoren sowie Beschäftigte in Technik und Verwaltung.
„[D]ie Organisationen und Institutionen des Wissenschaftssystems [müssen] noch enger zusammenstehen, wie dies etwa im Rahmen der Allianz gelebt wird. Gemeinsam und frühzeitig müssen sie auf institutioneller Ebene präventive Maßnahmen gegen demokratie- und verfassungsfeindliche Eingriffe in die Wissenschaftsfreiheit und die Instrumentalisierung wissenschaftlicher Selbstverwaltung ergreifen. Dies betrifft die ideologisch motivierte Einflussnahme auf die Wahl von Themen und Methoden der Forschung ebenso wie auf Förderentscheidungen. Hierfür gilt es nicht nur, die Standards guter wissenschaftlicher Praxis zu sichern. Vielmehr müssen auch die Mechanismen der wissenschaftlichen Selbstverwaltung, insbesondere die Wahl-, Geschäfts- und Verfahrensordnungen ihrer Gremien, auf Krisenfestigkeit geprüft und bei Bedarf besser geschützt werden. Um diesen Ansatz nicht zu konterkarieren, ist es wichtig, dass die Gremien diese Schutzkonzepte und Präventionsmaßnahmen eigenständig entwickeln und in die Umsetzung bringen.” [4]
Die Forderung nach einer offenen, demokratischen und diskriminierungsfreien Wissenschaftslandschaft wird nicht nur von einzelnen Institutionen, sondern auch von zentralen Einrichtungen des deutschen Wissenschaftssystems deutlich vertreten. So betont die Leitung von GESIS:
Die Institutsleitung von GESIS setzt sich für Demokratie, Vielfalt und eine offene Gesellschaft ein und stellt sich gegen antidemokratische Bestrebungen sowie gegen Diskriminierung, insbesondere aufgrund von ethnischer Herkunft oder rassistischer Gründe, Geschlecht oder sexueller Identität, Religion oder Weltanschauung, Behinderung oder Alter. [5]
Auch die Deutsche Rektorenkonferenz unterstreicht die grundlegende Bedeutung demokratischer Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre in einer Pressemitteilung vom 23. Januar 2024 „Wissenschaft braucht liberale Demokratie und Rechtsstaatlichkeit” [6]
Vor dem Hintergrund immer unverhohlener antidemokratischer Bestrebungen und damit verbundener Menschenverachtung betonen wir klar und eindeutig: Freiheitliche Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind die unverrückbaren Säulen unseres Landes und seiner Institutionen. Sie sind auch wesentliche Voraussetzung für die Existenz eines wettbewerbsfähigen und international kompatiblen deutschen Hochschulsystems. [7]
[Wir] sollten [...] auch unsere individuelle Resilienz als Wissenschaftler*innen stärken. Denn Wissenschaftsfeindlichkeit kann uns auch persönlich treffen, in Form von destruktiver Kritik und Herabwürdigung von Forschungsergebnissen, von Beleidigungen und Drohungen oder gar von tätlicher Gewalt. Darum müssen wir konkrete Schutzkonzepte entwickeln und diese mit klaren Zuständigkeiten strukturell verankern – sei es in der Akuthilfe für betroffene Individuen und Institutionen, sei es für die Unterstützung in langwierigen Gerichtsverfahren oder sei es bei der ganz persönlichen Stärkung der inneren Resilienz. [8]
Das Bündnis wissenschaftlicher Organisationen in Deutschland hebt hervor:
Für die zukünftige Lebensfähigkeit unseres Landes müssen wir auf einer offenen Gesellschaft und einer starken Demokratie aufbauen. [9]
Der gemeinsame Dialog ist entscheidend, um Herausforderungen zu erkennen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Veränderung kann dabei nicht allein „von oben“ verordnet werden. Vielmehr braucht es einen offenen Bottom-up-Prozess, der Perspektiven aus allen Bereichen und allen Statusgruppen der Hochschule einbezieht. Nur so können Maßnahmen entstehen, die die tatsächlichen Erfahrungen und Bedarfe der Hochschulmitglieder widerspiegeln.
Solidarität ist nun das Gebot der Stunde. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft steht fest an der Seite bedrohter und verfolgter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – und wir setzen uns weltweit für Wissenschaftsfreiheit, Weltoffenheit und selbstverständlich auch für Chancengleichheit ein. [10]
Die in den genannten Stellungnahmen betonten Grundwerte – Demokratie, Vielfalt, Offenheit und der entschiedene Einsatz gegen Diskriminierung – bilden die Grundlage für die Förderung von Frauen in Wissenschaft, Hochschule und Gesellschaft. Wenn wissenschaftliche Einrichtungen klar Position für eine offene und pluralistische Gesellschaft beziehen, schaffen sie damit auch die strukturellen und kulturellen Voraussetzungen für echte Chancengleichheit.
Die Förderung von Frauen ist im Hochschulkontext daher weit mehr als eine Frage individueller Karriereentwicklung. Sie ist ein zentraler Bestandteil einer leistungsfähigen, innovationsstarken und international anschlussfähigen Wissenschaftslandschaft. Unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen bereichern Forschungsprozesse, stärken die Qualität wissenschaftlicher Erkenntnis und tragen zu einem offenen akademischen Diskurs bei.
Der Internationale Frauentag bietet deshalb Anlass, sowohl erreichte Fortschritte sichtbar zu machen als auch den fortdauernden Auftrag zu betonen, Gleichstellung aktiv zu gestalten. Die Stärkung von Frauen in Wissenschaft und akademischen Institutionen steht dabei in engem Zusammenhang mit dem Engagement für demokratische Werte, Vielfalt und eine offene Gesellschaft – Prinzipien, zu denen sich die deutsche Wissenschaftslandschaft ausdrücklich bekennt.
Fußnoten
[1] Lisi Maier und Arn Sauer: Bundesstiftung Gleichstellung am 08.03.2026, online verfügbar unter: https://www.linkedin.com/posts/bundesstiftung-gleichstellung_esistzeit-gleichstellung-internationalerfrauentag-activity-7436343180322725888-gVKz?utm_source=share&utm_medium=member_ios&rcm=ACoAAF9IhE4By0tho-ty0v67SkjXU9VOpf4QJIs, zuletzt aufgerufen am 09.03.2026.
[2] Katja Becker: Wissenschaft im Fadenkreuz. Rede anlässlich der DFG-Festveranstaltung am 1. Juli 2025, S. 2, online verfügbar unter: Wissenschaft im Fadenkreuz, zuletzt abgerufen am 04.03.2026.
[3] ebd., S. 5-6.
[4] ebd., S. 7.
[5] GESIS-Leitung: Unsere Werte bei GESIS: Demokratie, Vielfalt und eine offene Gesellschaft. Statement der Institutsleitung vom 07.06.2024, online verfügbar unter: Unsere Werte bei GESIS: Demokratie, Vielfalt und eine offene Gesellschaft, zuletzt abgerufen am 05.03.2026.
[6] Präsidium der Hochschulrektorenkonferenz: Wissenschaft braucht freiheitliche Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Pressemitteilung der Hochschulrektorenkonferenz vom 23.01.2024, online verfügbar unter: Pressemitteilung - Hochschulrektorenkonferenz, zuletzt abgerufen am 07.03.2026.
[7] ebd.
[8] Becker: Wissenschaft im Fadenkreuz, S. 7.
[9] Allianz der Wissenschaftsorganisationen: Für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes müssen wir auf eine offene Gesellschaft und eine starke Demokratie bauen. Stellungnahme der Allianz der Wissenschaftsorganisationen vom 02.02.2024, online verfügbar unter: Allianz-Stellungnahme Offene Gesellschaft und starke Demokratie final, zuletzt abgerufen am 06.03.2026.
[10] Becker: Wissenschaft im Fadenkreuz, S. 3.