Aktuelle Nachrichten

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  • Es ist die erste Präsenttionsfolie des Vortrags zu sehen.

    Dr. Carolin Reinck

Vortrag zum Wohlbefinden bei Kindern auf der GEBF-Tagung

Carolin Reinck hat auf der GEBF-Tagung 2026 in München Teilergebnisse aus dem SENSOR-Projekt 2024 vorgestellt.

Siehst du mich so wie ich bin? Zur Rolle der Beurteilungsübereinstimmung von Eltern und Kindern für das psychische Wohlbefinden der Kinder

Keywords: 

Beurteilungsübereinstimmung; psychische Auffälligkeiten; Wohlbefinden; Grundschule

Abstract:

Studien zur multiperspektivischen Einschätzung von mentaler Gesundheit zeigen, dass die Beurteilungsübereinstimmung zwischen SchülerInnen und Lehrkräften bzw. Eltern gering bis moderat ausfällt und eine höhere Übereinstimmung bzgl. externalisierender Problematiken als bei internalisierenden Auffälligkeiten auftritt (Achenbach, McConaughy & Howell, 1987; De Los Reyes et al., 2015). Im Zuge dieser Forschung wird aufgeworfen, dass die mangelnde Beurteilungsübereinstimmung einen diagnostischen Mehrwert bieten könnte. So scheint die Beurteilungsdiskrepanz zwischen Lehrkräften und SchülerInnen prädiktiv für das Stresserleben der Kinder zu sein (Lüdeke & Linderkamp, 2019). Große Abweichungen zwischen Eltern und Kindern gehen mit ungünstigen Entwicklungsverläufen einher (Guion, Mrug & Windle, 2009). Die vorliegende Studie berücksichtigt die Perspektiven der Kinder sowie ihrer Erziehungsberechtigten, um den Einfluss der Beurteilungsdiskrepanz im häuslichen Umfeld für den Primarbereich und deren Bedeutung für das psychische Wohlbefinden der Kinder zu beleuchten. Mentale Gesundheit und subjektives Wohlbefinden werden in der aktuellen Forschung als zwei verschiedene Aspekte betrachtet, die sich orthogonal gegenüberstehen (Westerhof & Keyes, 2010). Ein hohes Wohlbefinden geht mit körperlicher Gesundheit (Diener & Chan, 2011), Zufriedenheit in Peer-Beziehungen (Suldo et al., 2016) sowie besseren akademischen Leistungen einher (Bucker et al.,2018). Starke Diskrepanzen in der Einschätzung der mentalen Gesundheit können Hinweise auf eine belastete Eltern-Kind-Beziehung sein (De Los Reyes & Kazdin, 2006) und folglich in einem negativen Zusammenhang mit dem Wohlbefinden der SchülerInnen stehen. 

Die Forschungsfrage lautet wie folgt: Inwiefern hängt das psychische Wohlbefinden der SchülerInnen mit ihrer Beurteilungsübereinstimmung mit ihren Eltern in Bezug auf externalisierende und internalisierende Konstrukte ab?

H1: Je höher die beiden Parteien ein Zielkonstrukt (Hyperaktivität/Emotionale Probleme) einschätzen, desto geringer die Differenz zwischen Eltern und Kindern in Bezug auf das Zielkonstrukt.

H2: Je höher die Beurteilungsdifferenz zwischen Eltern und ihren Kindern ausfällt desto geringer ist das psychische Wohlbefinden der Kinder. 

Mithilfe von n = 500 SchülerInnen (48% weiblich) aus 76 Klassen der dritten (49%) und vierten Jahrgangstufe (MAlter=9.08; SDAlter=0.70) aus Grundschulen wurde im Rahmen des SENSOR Projekts eine Querschnittsbefragung durchgeführt. Die Konstrukte Depression und Hyperaktivität wurden als Indikator für die Wahrnehmung des Kindes aus Perspektive der SchülerInnen sowie der Eltern erfasst. Die kindperzipierte Einschätzung wurde mithilfe des BASC (Reynolds & Kamphaus, 2020) vorgenommen, die elternperzipierte Einschätzung mithilfe der deutschen Version des SDQ (Koglin, Barquero, Mayer, Scheithauer & Petermann, 2007). Das psychische Wohlbefinden wurde mittels KIDSCREEN-10 (Ravens-Sieberer et al., 2014) erhoben. Für die Auswertung wurden Mehrebenenanalysen mittels des R-Pakets lme4 (Bates, Mächler, Bolker & Walker, 2015) durchgeführt.

Ergebnisse:

Die Beurteilungübereinstimmung von Eltern und Kindern wurde mithilfe des Betrags der Differenzen der z-standardisierten Angaben der beiden Inventare ermittelt. Es werden absolut Beurteilungsdifferenzen von Minternalisierend=0.90 (SDinternalisierend=0.84) und Mexternalisierend=0.93 (SDexternalisierend=0.72) erreicht. Entgegen der Hypothesen zeigte sich, dass höhere elterliche Einschätzungen von Hyperaktivität (β=0.08, p<.001) und emotionalen Problemen (β=0.12, p<.001) mit höheren Beurteilungsdifferenzen zwischen Eltern und Kindern einhergingen. Das gleiche Profil zeigte sich für die Einschätzung durch die Kinder im externalisierenden (β=0.05, p<.001) und im internalisierenden (β=0.08, p<.001) Bereich. In Übereinstimmung mit H2 war eine größere Beurteilungsdifferenz zwischen Eltern und Kindern negativ mit dem psychischen Wohlbefinden der Kinder assoziiert. Dies konnte sowohl für den internalisierenden (β=-2.85, p<.001) als auch den externalisierenden (β=-1.35, p=.037) Bereich gezeigt werden. Außerdem konnte gezeigt werden, dass die Höhe des Elternurteils einen Interaktionseffekt mit der absoluten Differenz aufweist. Die visuelle Inspektion zeigte, dass je höher das ursprüngliche Elternurteil bei der Einschätzung internalisierender und externalisierender Probleme ausfällt, desto weniger hängt die Beurteilungsdifferenz mit dem psychischen Wohlbefinden zusammen.

Diskussion:

Die Hypothesen konnten anhand der vorliegenden Stichprobe in Teilen bestätigt werden. Sie deuten an, dass insbesondere die Unterschätzung eines möglicherweise vorliegenden Problems für das Kind, dazu führt, dass die Schülerinnen und Schüler ein geringeres psychisches Wohlbefinden aufweisen. Möglichkeiten, wie Schulen Eltern bei der Entwicklung eines sensibleren Problembewusstseins unterstützen können werden, diskutiert.

Link: https://www.researchgate.net/publication/402770572_Siehst_du_mich_so_wie_ich_bin_Zur_Rolle_der_Beurteilungsubereinstimmung_von_Eltern_und_Kindern_fur_das_psychische_Wohlbefinden_der_Kinder#

(Stand: 10.02.2026)  Kurz-URL:Shortlink: https://uol.de/p116409n13103
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