Promotionsprojekte
Leitung der Fachgruppe
Promotionsprojekte
Nächster Termin für das Doktorandenzentrum KME
Mittwoch, den 09.10.2026; 09:00-13:00 Uhr
Aktuelle Promotionsprojekte
Franziska Ellen Pelikan
Arbeitstitel: Lernprozesse bei SuS mit Komplexer Behinderung im Unterricht gestalten
Lernprozesse gezielt bei SuS mit Komplexer Behinderung zu planen, durchzuführen und zu evaluieren, stellt die pädagogische Fachwelt bis heute in Theorie und Praxis vor große Herausforderungen. Die gezielte Steuerung und Kontrolle von Lernprozessen durch äußere Akteure lassen sich in Anbetracht der Zielgruppe nicht ausreichend verifizieren (Thiele, 2019). Der klassische formative Bildungsbegriff muss demnach neu gedacht und erweitert werden (Fröhlich 1995, Wieczorek, 2018 Thiele 2019). Doch was bedeutet das konkret für die Planung, Durchführung und Evaluation von Lerninhalten in der Schule?
Derzeit werden SuS mit Komplexer Behinderung nach dem Kerncurriculum GE unterrichtet, auch wenn die dort aufgeführten Lernziele häufig nicht von der Personengruppe erreicht werden können und in der Praxis die Funktion eines Platzhalters anstelle hilfreicher Rahmenbedingungen für den Unterricht einnehmen.
Das Promotionsprojekt stellt die aktuelle Lernsituation von SuS mit Komplexer Behinderung in Niedersachsen und Bremen dar und analysiert Qualitätsmerkmale und Rahmenbedingungen für eine lernförderliche Unterrichtsgestaltung. Die Unterrichtsplanung, -durchführung und -evaluation soll unter Berücksichtigung der Zielgruppe erforscht und mit Expert*innen reflektiert werden. Folglich soll ein Beitrag zum derzeitigen Diskurs der Gestaltung von Lernprozessen in der pädagogischen Arbeit geleistet werden. Konkretes Ziel ist die Erstellung von Rahmenbedingungen zur Gestaltung und Begleitung gezielter Lernprozesse bei SuS mit Komplexer Behinderung.
Janna Bootsmann
Arbeitstitel: Orientierungsrahmen von Fachkräften im Kontext von Gewaltschutzkonzepten in besonderen Wohnformen – eine empirisch-rekonstruktive Studie im Land Niedersachsen
„Denn bis in die Gegenwart hinein haben viele Menschen mit Behinderung Infantilisierung, paternalistische und integritätsverletzende Fremdbestimmung, aber auch das ganze Spektrum symbolischer, struktureller, psychischer und physischer Gewalt am eigenen Leib erfahren“ (Dederich, 2013, S. 199). Wohnheime gelten hierbei als Orte, an denen sich individuelle Vulnerabilität und die Gefahr gewaltförderlicher institutioneller Bedingungen paaren und zur Gewaltbetroffenheit von Menschen mit Behinderung beitragen. Aktuelle Zahlen liefert der Forschungsbericht 639 „Gewalt und Gewaltschutz in Einrichtungen der Behindertenhilfe“: Jeweils die Hälfte der befragten stationär betreuten Frauen und Männer gab an, im Erwachsenenalter Formen körperlicher Gewalt erlebt zu haben. Mehr als 60% beider Geschlechter gaben an, psychische Gewalt erlebt zu haben. Bei der Betroffenheit von sexueller Gewalt lässt sich ein Geschlechterunterschied feststellen: 22% der Frauen berichteten von dieser Gewalt, 11% der Männer (Schröttle et al., 2024). Studien zeigen außerdem, dass bei der quantitativen und qualitativen Untersuchung von Gewaltphänomenen neben dem Merkmal Behinderung und Geschlecht weitere Differenzordnungen relevant werden, z. B. Kommunikation (Fries, 2020) und Race (Gummrich, 2015). Auch bei der Umsetzung von Schutzmaßnahmen und beim Zugang zu Hilfeangeboten zeigen sich intersektionale überlagernde Barrieren bzw. die Gefahr intersektionaler Unsichtbarkeit (Höppner, 2023). Gesetzlich besteht international nach der UN-BRK und national durch §37a im SGB IX eine Verpflichtung für Einrichtungen wie Wohnheime, Gewaltschutzkonzepte vorzuhalten. Auch in diesen Gesetzestexten wird auf intersektionale Zusammenhänge hingewiesen.
Das Promotionsvorhaben rückt Fach- und Leitungskräfte in besonderen Wohnformen als häufig den Bewohner*innen in asymmetrischen Beziehungsgefügen gegenüberstehende Akteur*innen in den Fokus und fragt nach subjektiven Deutungs- und Handlungsmustern im Kontext von Gewaltschutz sowie nach dem Spannungsfeld dieser mit institutionellen Vorgaben z. B. in Form von Gewaltschutzkonzepten. Anhand der dokumentarischen Methode (Bohnsack, 2013) werden Handlungs- und Deutungsmustern in diesem Kontext rekonstruiert mit dem Ziel, einen Beitrag zu einer intersektional sensiblen Professionalisierung der Sonderpädagogik zu leisten.
Alica Gärtner
Arbeitstitel: Zwischen krank und gesund: Pädagogische Perspektiven auf episodisch verlaufende chronische Erkrankungen im Jugendalter
Chronische Erkrankungen wirken sich in vielfältiger Weise auf den Lebens- und Schulalltag, die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben sowie die soziale Teilhabe junger Menschen aus (Keller et al., 2025; Wicks et al., 2019; Willke & Walser, 2025). Besonders in der Adoleszenz, einer Lebensphase, in der chronisch Kranksein subjektiv gedeutet, bewältigt und in die eigene Identität integriert werden muss (Pfeiffer & Pinquart, 2013), treten spezifische (pädagogische) Herausforderungen auf. Dies gilt in besonderem Maße für chronische Erkrankungen mit episodischem Verlauf, wie etwa Epilepsie oder Migräne, die durch längere symptomfreie Phasen und zugleich akute, unvorhersehbare Krankheitsepisoden mit teils erheblichen Beeinträchtigungen und Kontrollverlust gekennzeichnet sind (Hoß & Maier, 2013). Für die Betroffenen entsteht aus dieser Ambivalenz zwischen Kranksein und von außen als (bedingt) gesund wahrgenommen werden (Sobczak & Radinger, 2022) sowie der Unvorhersehbarkeit im Verlauf (Mishel, 1990) eine dauerhafte Ambiguität hinsichtlich der Selbst- und Fremdwahrnehmung, divergierenden Rollenverständnissen und -erwartungen.
Das kumulative Promotionsprojekt greift diese Ambivalenz und Ambiguität aus pädagogischer Perspektive auf und untersucht ihre Bedeutung für Bildungsprozesse, schulische Teilhabe und jugendliche Entwicklung. Auf der Grundlage literaturbasierter Reviews sowie qualitativer, empirischer Studien werden subjektive Perspektiven von Jugendlichen mit chronisch-episodischen Erkrankungen und pädagogisch relevante Deutungs- und Handlungsmuster von Lehrkräften analysiert. Ziel ist es, theoretisch fundierte und praxisrelevante Implikationen für eine reflektierte, inklusive Pädagogik bei Krankheit zu entwickeln.
Abgeschlossene Promotionsprojekte
Dr. Dyon Hoekstra
Dissertation title: Involving stakeholders in setting priorities for public health research
Submitted to the Faculty Human and Health Sciences, University of Bremen
For the Degree of Dr. Public Health
Examiners: Prof. Dr. med. Hajo Zeeb & Prof. Dr. Benjamin Schüz
Defense: 07th of March 2025 (magna cum laude)
This dissertation developed and evaluated a structured, transparent, and resource-efficient approach to research priority setting (RPS) in public health. The overarching aim was to establish a priority-setting framework that enables the meaningful involvement of a wide variety of stakeholders despite often existing resource constraints.
Recognizing that public health is a multifaceted field spanning multiple sectors and stakeholder groups, the work addresses key limitations of existing RPS approaches, particularly their limited inclusivity, transparency, and replicability. Across four interconnected articles, the dissertation introduces, implements, and refines a multi-stage RPS approach based on a modified Delphi process and stakeholder-defined multi-criteria assessment. The approach was empirically piloted in Switzerland to prioritize topics for systematic reviews and in Germany to prioritize broader substantive and methodological public health research topics.
These studies demonstrated that large and diverse stakeholder groups—including researchers, practitioners, policymakers, and patient representatives—can be successfully engaged with high participation rates. The findings also highlight meaningful differences in priorities across stakeholder groups and illustrate how the use of multiple assessment criteria provides a more nuanced and holistic understanding of public health research needs.
Building on these empirical insights, the dissertation culminates in the development of a transparent, reproducible, and adaptable toolkit for research priority setting, particularly tailored to systematic reviews. This toolkit facilitates high stakeholder involvement through easy-to-implement online surveys and minimizes resource demands, while maintaining methodological rigor. Overall, the dissertation contributes a robust and inclusive framework for guiding prioritization processes, which can also be applied in other fields and disciplines other than public health.
https://kxp.k10plus.de/DB=2.1/SET=1/TTL=1/SHW?FRST=1/PRS=HOL