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Carl von Ossietzky Universität

Fakultät IV
Institut für Geschichte
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D-26129 Oldenburg

Gebäude A 11 Raum 0-012

Sprechstunde nach Vereinbarung

Peter Freiherr von Danckelman

Promotionsprojekt

Prosopographia Palmyrena

 

Erläuterung des Forschungvorhabens

Seit Jahrzehnten geht der Mainstream der Palmyra-Forschung davon aus, bei der in der in der römischen Provinz Syria liegenden Stadt Palmyra habe es sich um eine im Wesentlichen griechische Stadt gehandelt. Diese vor allem im französischen Raum vertretene These stützt sich im wesentlichen auf die Beobachtung, dass im epigraphischen Befund vornehmlich aus dem griechischen Raum stammende Institutionen wie eine Demos, die Phylen und Ämter wie das des Strategos vorkommen.  Der Erklärungsansatz, Palmyra als eine rein griechisch geprägte Stadt zu betrachten, stößt allerdings angesichts der bilingual palmyrenisch-griechischen Ausführung der palmyrenischen Inschriften und der aus ihnen zu entnehmenden starken verwandtschaftlichen Bindungen der Eliten an Stämme auf eine Kritik, welche den besonderen Fokus der palmyrenischen Eliten auf den Fernhandel und das  sogenannte palmyrenische Sonderreich vor allem auf Verbindung zwischen den Eliten und in der Palmyrene lebenden polymorph agierenden Nomadenstämmen zurückführt.

Das Dissertationsvorhaben möchte im Hinblick auf diese konträren Forschungspositionen eine Untersuchung der in palmyrenischem Aramäisch verfassten Teile der von Hillers und Cussini editierten bilingualen Inschriften Palmyras  unternehmen. Hierfür ist es zweigleisig angelegt: Zum einen soll eine Prospographie der in den Inschriften genannten Personen erstellt werden (bis dato ein Desiderat der Forschung), um einen Überblick über die Vernetzung der palmyrenischen Elite in die Palmyra umgebende Steppe, die Städtewelt Syriens und Mesopotamiens sowie in den Herrschaftsbereich der Parther und der späteren Sassaniden zu gewinnen. Zugleich sollen die von dieser Elite besetzten, zumeist mit griechischen Lehnwörtern bezeichneten Ämter und Institutionen der politischen Welt Palmyras unter der Hypothese einer transkulturell verlaufenden Romanisierung Palmyras analysiert werden. Hierfür ist es notwendig, bekannten griechischen Begriffe wie „βουλή“ nicht von vornherein als Teil einer klassischen griechischen Stadtverfassungen zu betrachten, sondern sich ihnen auch von der „aramäischen“ Seite her zu nähern und sie auf diese Weise zu hinterfragen. Eine so gewonnene neue Sicht auf die Eliten Palmyras und ihre Institutionen kann sodann genutzt werden, um die einzigartige Machtentfaltung Odainaths und Zenobias in den 260er Jahren besser zu verstehen.

 

Ziel der Arbeit

War Palmyra eine Anomalie im römischen Imperium? War es eine griechische Polis oder das städtische Zentrum einer polymorphen, tribalen Gesellschaft? Welchem der beiden Modelle kann mehr Plausibilität zugeschrieben werden?

Eine einzelne Arbeit wird diese Große Debatte nicht zweifelsfrei klären können. Die Fragestellung ist jedoch sinnvoll, um vor dem Hintergrund beider Modelle einen klareren Blick auf die palmyrenische Gesellschaft zu gewinnen. Hierfür sind zunächst drei Leitfragen zu stellen:

1. Welchen ethnischen, sozialen und kulturellen Kollektiven fühlten sich die in einer Prospographie erfassbaren Palmyrener zugehörig?

2. Auf welche Weise kommunizierte Palmyra mit anderen städtischen Zentren des römischen Syrien wie des parthischen Mesopotamien? Welche Formen der Konkurrenz gab es, welche Netzwerke wurden gepflegt?

3. Auf welchen Wegen eignete sich die lokale Bevölkerung, vor allem die lokale Elite, Institutionen, Praktiken und Symbole an, die offenkundig dem Zeichenrepertoire griechischer Stadtgesellschaften im hellenistischen bzw. römischen Osten entstammten? Mit welchem Inhalt füllte sie solche Anleihen?

(Stand: 07.04.2021)