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Accessorize! Accessoires und ihre tragenden Moderollen
Accessorize!
Accessoires und ihre tragenden Moderollen
Accessoires sind vielfältig – und sie sind überall! Manchmal sind sie unsichtbar dabei, manchmal springen sie prominent ins Auge. Sie können rein dekorativ sein oder eine eher praktisch-technische Funktion haben. Manchmal verraten sie etwas über Berufe, sie markieren Zugehörigkeiten und grenzen gleichzeitig ab und sie können auch zum politischen Statement werden. Accessoires sind viel mehr, als nur unwichtiges Beiwerk: Sie spielen im wahrsten Sinne des Wortes tragende Moderollen.
Die Ausstellung beleuchtet das anhand ausgewählter Objekte aus der Sammlung Textile Alltagskultur, die in mehreren Themensektionen zusammengestellt wurden. So können Accessoires beispielsweise eine medizinische Funktion haben, wie wir mit orthopädischen Fußkorrekturschienen und einem BH mit Prothese für Brustkrebserkrankte zeigen. Sie können aber auch aus ästhetischen Gründen zur Körpermodifikation eingesetzt werden, wie Schulterpolster und ein Hüftgürtel verdeutlichen. Accessoires können politisch auf unterschiedlichen Ebenen sein – zum Beispiel, wenn es um Uniformknöpfe geht oder auch darum, bestimmte Geschlechtervorstellungen und vestimentäre Rollenbilder zu (de-)konstruieren. Wir zeigen eine Fliege, die zum Auslöser für Crossdressing wurde und damit stellvertretend für queere Objekte bzw. für queere Bekleidungspraktiken Eingang in die Ausstellung gefunden hat.
Wir beleuchten das Thema sensibler – häufig tierischer – Materialität unter anderem am Beispiel einer Tasche aus Krokodilleder. Das Tier wurde in den 1920er Jahren illegal erlegt und die Tasche erlaubt es daher, kritisch über koloniale Praktiken zu forschen. Deutlich jünger und europäischen Ursprungs ist hingegen das Rheumafell: Bis in die frühen 2000er Jahre wurden solche Objekte aus Katzenfell in der EU regulär gehandelt. Typisch sind Accessoires auch als Souvenir. Sie erinnern an Orte oder an Personen, wie ein Tanzstundenfächer aus den 1920er Jahren und eine Cap mit Union Jack-Motiv aus London zeigen. Ähnlich wie ein Poesiealbum zeugt der Fächer mit kleinen Gedichten von den Verehrern der früheren Besitzerin, während die Mütze den Spender an den Besuch in der berühmten Carnaby Street in den 1970er Jahren erinnerte. Manchmal sind Accessoires auch in einer bestimmten Zeit zentral für zahlreiche Praktiken, aber geraten dann in Vergessenheit. Das ist der Fall mit Gamaschen, Hutnadeln und Geldkatzen, die aus heutiger Sicht gewissermaßen als ‚Kuriosität’ gelten und stellvertretend für sich wandelnde Bekleidungspraktiken im Lauf der Jahre stehen.
Im Sommersemester 2025 haben sich Studierende am Institut für Materielle Kultur im Rahmen eines Seminars intensiv mit Accessoires aus der Sammlung Textile Alltagskultur (STAK) und ihren oben erwähnten, unterschiedlichen Funktionen beschäftigt. Die Ausstellung präsentiert Ergebnisse aus dem Seminar auf inhaltlicher und auch auf materieller Ebene. Zum Mitnehmen gibt es kostenlos Sets an Postkarten, die von den Studierenden zu den Objekten gestaltet wurden. Außerdem haben wir auch Accessoires zum Tragen konzipiert, und zwar in Form von temporären Tattoos mit Motiven vom Knopf bis zum Pflaster, die auf Zeit und auf der Haut Outfits verschönern können. Wer mag, kann sich unten auch die Vorlagen herunterladen, die entweder als Sticker oder als Tattoo selbst zuhause ausgedruckt werden kann. Die Ausstellung möchte dazu anregen, sich näher mit Accessoires zu beschäftigen und genau hinzusehen. Denn ausgehend von Accessoires lassen sich viele unterschiedliche Geschichten erzählen – vielleicht sehen wir danach unsere täglichen kleinen und größeren Begleiter mit anderen Augen!
Kuratorinnen: Veronika Dawydow, Klara von Lindern
Laufzeit: 14.01.2026 –






