Korte

Korte, Oliver

"Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume macht mich schaudern." (Blaise Pascal)

Beispiele

Zwei Skizzen zum Raumkonzept der Oper Copernicus für Sänger, Sprecher, Orchester und Elektronik. In diesem Werk ist das Ensemble ringförmig um das Publikum positioniert.
(1) Zweiter Akt: Virenartige Verbreitung von Impulsschwärmen (Pest in Florenz).
(2) Dritter Akt: Pentagramme, projiziert auf 8 Raumpunkte (Prophezeiungen des Nostradamus).

Kurzbiographie

Oliver Korte, geboren am 10. April 1969 in Hamburg, ist seit 2006 Professor für Musiktheorie und Gehörbildung an der Musikhochschule Lübeck; seit 2020 ist er dort Vizepräsident. Zuvor lehrte und forschte er an der HfM „Hanns Eisler“, der UdK Berlin und der HMT Rostock. 2002 wurde er mit einer Arbeit über Bernd Alois Zimmermann promoviert. Er studierte Komposition, Musiktheorie und Musikwissenschaft in Hamburg, Wien und Berlin; besondere künstlerische Impulse verdankt er privaten Studien bei Gösta Neuwirth. Korte ist Mitgründer der Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH) und Herausgeber der Schriften der Musikhochschule Lübeck; seine Kompositionen sind auf mehreren Tonträgern dokumentiert und erklingen regelmäßig im In- und Ausland (darunter USA, Chile, England, Frankreich und Tschechien). Sein bisheriges Hauptwerk, die abendfüllende Oper Copernicus für Sänger, Sprecher, Orchester und Elektronik, wurde 2015 in Dresden uraufgeführt (Wiederaufnahme 2016).

 

Als Komponist untersuche ich mein Verhältnis zur Umwelt, und zwar nicht zuletzt zur physischen Umwelt. Ich betreibe Werkstoff- und Material-Studien (Glas, Kies, Die Elemente), verfertige Wetter-Protokolle (Essay) und vermesse den musikalischen ebenso wie den realen Raum (alles fort, Epiphanie). Gleichsam unter Laborbedingungen lasse ich spezifische Klangobjekte und -texturen aufeinandertreffen. Diese können einander anziehen oder abstoßen, sich mischen oder distinkte Schichten bilden oder auch mehr oder weniger heftig miteinander reagieren. Von zunehmender Bedeutung sind in meiner Arbeit Konstellationen verschiedener Textsorten, Sprachfelder zwischen Klang und Semantik, welche bevorzugt Handlungs- und Verstehens-Optionen des Menschen innerhalb seiner physischen und sozialen Umgebung ausloten. Sind die Grenzen unserer Sprache die Grenzen unserer Welt? (Ludwig W.). Wie determiniert sind wir durch unsere gesellschaftlichen, politischen und religiösen, aber auch unsere physischen Rahmenbedingungen, wie beispielsweise das Klima? (Essay, Copernicus). Wie können wir das Nichts begreifen und wie arrangieren wir uns damit? (rien nul). Meine Kompositionen folgen einer musikimmanenten Logik und sind zugleich Modelle bestimmter Aspekte der Welt.

Werkauswahl

  • Ludwig W. (2020) für Klarinette und Vibraphon
  • ILL ANGELS (2018) für Violine, Bassklarinette, Schlagzeug und Klavier
  • Sous bois von Lili Boulanger, Fassung für Chor und Orchester (2018)
  • Epigramm – Kryptogramm – Piktogramm (2017) für einen sprechenden Trommler
  • Copernicus (2012-15), Raum-Oper für Sänger, Sprecher, Orchester und Elektronik
  • Sechs Microloge (2012) für Klarinette und Klavier
  • Copernicus-Material für 18 Solostreicher (2011); Fassung für großes Orchester (2012)
  • Einige Überlegungen zur Natur des Wassers (2008) für zwölfstimmigen Chor    
  • Epiphanie (2007) für kleines Orchester
  • Kompass (2003/07) für Cello
  • Die Elemente (2006/07), Konzert für zwei Schlagzeuger und Orchester
  • winterblau – löwenfarben (2006) für Chor
  • Hymne au Soleil von Lili Boulanger, Rekonstruktion der Orchesterfassung (2003/04)
  • Essay (2003-05), Kantate für Sopran, Chor und Orchester
  • alles fort (1998/99) für drei im Raum verteilte Chorgruppen
  • rien nul (2002), Musik für Samuel Beckett für Sextett
  • Kies (2002), Elementarstudien für vier Klarinetten
  • Frost (2001), Elementarstudien für Glockenspiel und Klavier
  • Glas (2000), Elementarstudien für drei Celli
  • Trois Morceaux von Lili Boulanger, Orchesterfassung von O. Korte (1999)
  • zögern ... schweigen (1996) für Klavier
  • Szenen (1994-96) für Orchester
  • Trio für Violine, Klarinette und Klavier (1994)
  • ... aus der Asche (1993) für Sextett
  • Music for a Wolf (1992) für Marimba
  • Lichtstück (1991/92, rev. 2004)
  • Wintergesänge (1990/91) für Sänger und Ensemble über 8 japanische Haikus

Wissenschaftliche Publikationen

  1. Herausgeberschaften
  • Welt – Zeit – Theater. Neun Untersuchungen zum Werk von Bernd Alois Zimmermann, Hildesheim 2018
  • Ludwig van Beethoven, Symphonie Nr. 7 A-Dur op. 93, Faksimile nach dem Original in der Biblioteka Jagiellońska, Krakau, Laaber 2018
  • Beethoven-Handbuch Bd. 1, Orchestermusik und Konzerte, hg. zus. mit A. Riethmüller, Laaber 2013
  • Gustav Mahler – Interpretationen seiner Werke (2 Bd.), hg. zus. mit P. Revers, Laaber 2011
  1. Artikel (Auswahl) und Buch
  • Klanggestalten und Klanggesten bei Luigi Nono, in: K. Aringer (Hg u.a.), Musik im Zusammenhang. Festschrift Peter Revers, Wien 2019, S. 593-611
  • Subjekt und Gewalt. Das Dona nobis pacem aus Bernd Alois Zimmermanns Requiem für einen jungen Dichter, in: O. Korte (Hg) Welt – Zeit – Theater, Hildesheim 2018, S. 145-180
  • Von den Kreisbahnen des Denkens. Zum Libretto meiner Oper Copernicus, in: Die Tonkunst, 1/2017, S. 34-40
  • Reconstructing Antoine Brumel. How to Bring the Chanson “Dieu te gart, bergere” Back to Life, in: Journal of the Alamire-Foundation 1/2016, S. 165-179
  • Georg Friedrich Händels Generalbass-Übungen als praktische Kompositionslehre, in: R. Kubicek (Hg), Musiktheorie und Vermittlung, Hildesheim 2014, S. 167-176
  • „Schattenklänge“. Mikrotonalität in Dieter Macks Schlagzeugkonzert „Wooden“, in: MusikTexte 150, August 2016, S. 79-82.
  • Bordun und Parallelensatz. Zur Artikulation tonaler Felder bei Gustav Mahler, in: Elisabeth Kappel (Hg), Das klagende Lied: Mahlers „Opus 1“ (= Studien zur Wertungsforschung 54), Wien 2013, S. 164-200
  • Das Fauxbourdon-Modell im Choralsatz Johann Sebastian Bachs, in: B. Petersen (Hg), Johann Sebastian Bach und der Choralsatz des 17. und 18. Jahrhunderts, Hildesheim 2013, S.40-50
  • Die siebte und achte Sinfonie [Beethovens], in: O. Korte (Hg u.a.), Beethoven-Handbuch Bd. 1, Orchestermusik und Konzerte, Laaber 2013, S. 174-215
  • „Il y a un temps pour tout“ : la phase sérielle de Zimmermann, in: P. Michel (Hg u.a.), Regards croisés sur Bernd Alois Zimmermann, Genf 2012, S. 69-86
  • Nacht und Licht. Die Kindertotenlieder [von Gustav Mahler], in: P. Revers (Hg u.a.): Gustav Mahler – Interpretationen seiner Werke, Laaber 2011, Bd. 1, S. 467-497
  • Macrocosm – Microcosm: About the Influence of Gustav Mahler’s Eighth Symphony on the Work of Anton Webern, in: E. Kappel (Hg), A Total Work of Art: Mahler´s Eight Symphony in Context (= Studien zur Wertungsforschung 52), Wien 2011, S. 202-213
  • Leere Räume, in: A. Avanessian (Hg u.a.), Raum in den Künsten. Konstruktion – Bewegung – Politik, München 2010, S. 167-174
  • Geographischer Ort und Ereignisraum. Tunjuk für großes Orchester, in: T. Möller (Hg), „Wenn A ist, ist A“. Der Komponist Dieter Mack, Saarbrücken 2008, S. 120-136
  • Antoine Brumel und Guilielmus Monachus. Falsobordone in Praxis und Theorie, in: J. P. Sprick (Hg u.a.), Musiktheorie im Kontext. 5. Kongress der Gesellschaft für Musiktheorie, Berlin 2008, S. 247-259
  • „Eine äußerst komplexe Strukturierung der Klangfarbe“. Kompositorische Strategien in Bernd Alois Zimmermanns „pas de trois“, in: Musik-Konzepte, Sonderband Bernd Alois Zimmermann, München 2005, S. 51-64
  • Die Ekklesiastische Aktion von Bernd Alois Zimmermann. Untersuchungen zu einer Poetik des Scheiterns (= Berliner Musik Studien Bd. 29), Sinzig 2003
  • Dekomposition. Eine Produktionsstrategie in Literatur und Musik (mit Richard Grasshoff), in: A. Haus (Hg u.a.), Material im Prozess. Strategien ästhetischer Produktivität, Bonn 2000, S. 123-136
  • Zu Bernd Alois Zimmermanns später Reihentechnik, in: Musiktheorie 1/2000, S. 19-40

 

(Stand: 30.04.2021)