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Masterstudiengang Erziehungs- und Bildungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Migration und Bildung

1. Gegenstand des Schwerpunkts Migration und Bildung

„Wir haben an unserer Schule eigentlich nichts mit Migration zu tun, hier sind nämlich kaum Migrant_innen“, spiegelt eine gängige alltägliche und auch im wissenschaftlichen Diskurs geteilte Auffassung über den Umgang mit Migration dar.

In einer migrationsgesellschaftlichen Perspektive wird hingegen davon ausgegangen, dass Migration gesellschaftliche Strukturen, Diskurse und Selbst- und Weltbilder aller in einer Gesellschaft lebenden Personen betrifft. Migration stellt gewohnte Handlungsroutinen in Institutionen auf einer pragmatischen Ebene in Frage, tangiert aber auch symbolisch wirksame Ebenen eines gesellschaftlichen Zusammenhangs; etwa wenn die Frage zum Thema wird, wer formell und informell zugehörig ist und wem lediglich temporär und bedingt das Recht auf formelle und informelle Mitgliedschaft zuteil wird.

Eine migrationsgesellschaftliche Perspektive widmet sich der Analyse und Hinterfragung gesellschaftlicher Strukturen in ihren Normalitätsannahmen, ihren Vorstellungen über migrantische Andere und den darin eingelagerten Machteffekten. Sie thematisiert damit die Grenzen der territorialen, rechtlichen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Konzeption von Gemeinschaft und Mitgliedschaft und eröffnet zugleich das Potenzial, diese hinterfragend zu verändern.

Auch Erziehungs- und Bildungsverläufe und die gleichberechtigte Teilhabe an und Mitgestaltung von Erziehungs- und Bildungsinstitutionen sind hiervon betroffen, sodass migrationsgesellschaftliche Fragen immer auch pädagogische Fragen sind. In einer migrationspädagogischen Perspektive geht es daher weniger darum, genau zu ergründen, wer Migrant_innen und/oder geflüchtete Menschen sind, sondern zu fragen, durch welche rechtlichen, politischen, soziale, aber auch pädagogische Praxen bestimmte Personen und Personengruppen erst zu Anderen gemacht werden.

Ziel einer migrationspädagogischen Perspektive ist erstens die systematisch-begründete Auseinandersetzung mit der Frage, wie pädagogische und gesellschaftliche Denk- und Handlungspraxen sowie institutionalisierte Strukturen dazu beitragen, Migrant_innen als Andere zu markieren und wie diese Position mit Zuschreibungen von Fremdheit und materieller wie symbolisch wirksamer Ausgrenzung auf allen gesellschaftlichen Ebenen verknüpft sind. Zweitens hat eine migrationspädagogische Perspektive zum Ziel, diskriminierende gesellschaftliche Strukturen und insbesondere Ungleichheitsverhältnisse in pädagogischen Institutionen zu analysieren und danach zu fragen, wie diese zu transformieren sind, um weniger verletzend, exkludierend und gewaltförmig zu werden.

2. Inhaltliche Schwerpunkte des Schwerpunkts Migration und Bildung

Im Masterstudium Erziehungs- und Bildungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Migration und Bildung werden Praxen und Handlungsroutinen, Strukturen und Institutionen von Bildung und Erziehung und den entsprechenden Akteur_innen wie gesellschaftliche Diskurse unter migrationsgesellschaftlicher Perspektive thematisiert und analysiert.

Der Studiengang greift hierfür zentrale Inhalte des Schwerpunkts Migrationspädagogik aus dem Bachelor Studiengang Pädagogik auf und setzt sie vertiefend fort.

Diese Vertiefung erfolgt über eine intensivierte Auseinandersetzung mit ausgewählten Theorien, als auch mit dem Studium qualitativ-empirischer Studien der Bildungs- und Sozialforschung sowie Lehrangeboten zur Reflexion pädagogischer Praxis. Der Studiengang ist dabei so aufgebaut, dass Bachelor-Absolvent_innen unterschiedlicher Universitäten eine Anschlussfähigkeit gewährleistet ist.

Der Schwerpunkt Migration und Bildung bietet insbesondere für die folgenden Themen und Forschungsansätze eine fundierte und intensive Auseinandersetzung:

  • Rassismustheorie und Rassismuskritik v.a. mit Bezug auf den bundesdeutschen Kontext
  • Postkoloniale Theorie (Postcolonial Studies)
  • Differenz und Intersektionalitätstheoretische Ansätze zu Ethnizität, Geschlecht, Alter, Religion etc.
  • Migrationsgesellschaftlichen Perspektiven auf Recht(e) und Politik
  • Erziehungswissenschaftliche Diskriminierungsforschung
  • Subjektivierungs und Bildungstheorien
  • Mehrsprachigkeit und Linguizismuskritik
  • Reflexion und Analyse von Handlungen und Strukturen in pädagogischen Feldern
  • Theorien zu pädagogischer Professionalität und organisationalem Handeln in der Migrationsgesellschaft

3. Qualifikationsziele und berufliche Anschlussmöglichkeiten mit dem Schwerpunkts Migration und Bildung

Der Masterstudiengang befähigt Studierende zu einer wissenschaftlichen Qualifizierung und zielt auf den Ausbau der systematisch-theoretischen Reflexionsfähigkeit theoretischer Texte wie auch der pädagogischen Handlungspraxis ab. Dabei ist die Struktur des Masterstudiengangs so angelegt, dass sowohl die Grundlage für weiterführende wissenschaftliche Tätigkeiten (z.B. Promotion) erarbeitet werden können, als auch eine pädagogische Professionalisierung aus einer migrationspädagogischen und rassismuskritischen Perspektive für verschiedene Handlungsfelder im Kontext von Bildung, Erziehung und Beratung erfolgt.

Die beruflichen Handlungsfelder der Migrationspädagogik sind ausdrücklich nicht auf spezielle Arbeitsbereiche mit oder für Migrantinnen und Migranten (z.B. Migrations- oder Integrationsberatungsstellen) beschränkt. Vielmehr ist Migrationspädagogik als Schlüsselqualifikation und Querschnittsaufgabe für alle pädagogischen und migrationsgesellschaftlich strukturierten Berufs- und Handlungsfelder anzusehen.

Berufliche Tätigkeitsfelder für Absolvent_innen des Schwerpunkts Migration und Bildung sind u.a.:

  • Beratungsaufgaben in eingetragenen Vereinen, Organisationen, Stiftungen und Unternehmen
  • Tätigkeit als wissenschaftliche_r Referent_in in Institutionen der Politischen Bildung, Parteien, Träger der Erwachsenenbildung, Antidiskriminierungsbüros und Einrichtungen zur Gleichstellungsarbeit bzw. Diversity Management
  • Beratende Funktionen in Einrichtungen des öffentlichen Dienstes, des Gemeinwesens und der Kulturarbeit sowie in sozialen Einrichtungen
  • Wissenschaftliche Tätigkeiten an Fachhochschulen und Universitäten z.B. als Wissenschaftliche Mitarbeiter_innen oder Lehrbeauftragte für besondere Aufgaben im Kontext von Forschung und Lehre
  • Anstreben einer Promotion im Fach Erziehungs- und Bildungswissenschaften im Rahmen eines Stipendiums, eines Graduiertenkollegs oder einer Anstellung als wissenschaftliche_r Mitarbeiter_in an der Universität oder der Fachhochschule

Weiterführende Literaturtipps:

  • Mecheril, Paul (Hg.). Unter Mitarbeit von Veronika Kourabas und Matthias Rangger (2016): Handbuch Migrationspädagogik. Weinheim: Beltz Verlag.
  • Castro Varela, María do Mar, Dirim, Inci; Kalpaka, Annita; Mecheril, Paul; Melter, Claus (Hg.)          (2010): Migrationspädagogik. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.
Webmasulterngg49: Bett6lralina Mt1usgeyer6p (beepcndttina.meyer@uo1vfvl.de) (Stand: 21.08.2020)