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Dr. Anna Langenbruch

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Teilprojekt 1: Musik|Geschichts|Theater

Dr. Anna Langenbruch

Stimmen, Wissen und Spiel: Musikgeschichtstheater als Kunst und Wissenspraxis (Habilitationsprojekt)

Musikgeschichte auf der Bühne lässt sich, so meine These, als eigene Form künstlerischer Musik­geschichts­schreibung betrachten, als ein historiographisches Genre, das ich als Musik­geschichts­theater bezeichne. Kunst und Geschichte treffen im Musikgeschichtstheater in sehr spezieller Weise aufeinander, denn Musikgeschichte wird hier zumindest partiell im eigenen Medium verhandelt – sie wird nicht nur geschrieben und gelesen, sondern auch komponiert und aufgeführt, gesehen, gehört und weitererzählt. Wie wirkt sich dies auf Vorstellungen von musikhistorischem Wissen aus? Anders und etwas allgemeiner gefragt: Welche Rolle spielt Musik für die Wissensgeschichte?

Ausgehend vom Musik­geschichts­theater versuche ich in meinem Habilitationsprojekt, Antworten auf diese Fragen zu entwickeln, auf Fragen also, die nicht nur für künstlerische, sondern auch für wissenschaftliche Auseinander­setzungen mit Musikgeschichte grundlegend sind. Mit „Stimmen, Wissen und Spiel“ stelle ich dabei drei Begriffe ins Zentrum meiner Arbeit, die unmittelbar aus dem Gegenstand abgeleitet sind: Im Musik­geschichts­theater vermitteln Stimmen musikhistorisches Wissen im Modus des Spiels. Wie das funktioniert, gilt es für das Musik­geschichts­theater zu durchdenken und gleichzeitig danach zu fragen, was dies für die Musik­historiographie im Besonderen und für die Geschichts­theorie im weiteren Sinne bedeuten könnte.

Diese methodisch-theoretischen Überlegungen beruhen auf der Analyse ausgewählter Fallbeispiele, die einen weiten zeitlich-geographischen Bogen schlagen: Musikgeschichtstheater im Paris des langen 18. Jahrhunderts, Bühnen­geschichten von Opern­sängerinnen seit dem 19. Jahrhundert, Aufführungen von Musik­wissenschaft, wie sie sich im 20. und 21. Jahrhundert vor allem im Musiktheater US-amerikanischer Provenienz finden, sowie Geschichten des Politrock auf den Bühnen deutscher Stadttheater seit der Jahrtausend­wende. Diese inhaltlichen Schwerpunkte erschließen das Repertoire also entlang eines historischen Raumes, einer Berufsgruppe, einer wissenschaftlichen Disziplin und eines musikalischen Genres. Sie bilden die empirische Grundlage der Arbeit und vermitteln zugleich einen Eindruck von der historischen und geographischen Breite sowie der thematischen und stilistischen Vielfalt von Musik­geschichte auf der Bühne.

(Stand: 06.11.2020)