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Naemi Flemming, M.Ed.

Die Geschichte von Komponistinnen wird in verschiedenen Formen historiographischen Musiktheaters rezipiert und auf vielfältige Arten erzählt – vermehrt seit den 1980er Jahren, in Einzelfällen jedoch schon deutlich früher. Gerade in den letzten Jahrzehnten treten historische Komponistinnen hier zunehmend als Hauptfiguren auf und werden dabei ganz unterschiedlich verkörpert: Von Instrumentalist*innen, Puppen- und Schauspieler*innen wie in Clara – Ein Spiel für Ragna Schirmer und Puppen (Figurentheater mit inszeniertem Konzert von Christoph Werner, Halle 2018) oder von Tänzer*innen wie in Geliebte Clara (Ballett von Jutta Ebnother, Nordhausen 2015). Auch von Sänger*innen werden sie in Opern, Musicals und ähnlichen Formen repräsentiert wie in Alma und das Genie (einer "One-Woman-Show für Diva und Pianisten" von Tom van Hasselt, Berlin 2015) – oder auch von ganzen Gruppen, z. B. von singenden Kindern, wie in Fanny! – Wer will mir wehren zu singen? (Musiktheater von Cordula Däuper und Johannes Müller, Berlin 2018). Diese diversen Genres bringen eine große stilistische und insbesondere musikalische Bandbreite mit sich, sodass die Kompositionen der dargestellten Komponistinnen ihren Platz in der Musiksprache der Stücke finden können, aber nicht müssen. Musik als Gegenstand ihres Handelns und Schaffens ist dabei zugleich ein zentrales Medium, mit dem historiographisches Musiktheater die Geschichte von Komponistinnen vermittelt.

Promotionsprojekt

Komponistinnen auf der Bühne. Musiktheater über musikalisches Handeln von Frauen

In Musiktheaterstücken über Komponistinnen wie Fanny Hensel (geb. Mendelssohn), Clara Schumann (geb. Wieck) oder Alma Mahler (geb. Schindler) treten diese scheinbar aus dem Schatten der 'großen' Männer, auf die ihre Nachnamen hindeuten, hinaus ins Rampenlicht. Im Titel solcher Stücke stehen ihre Vornamen häufig für sich, was sie auf der einen Seite 'klein' erscheinen lässt (obwohl sie doch eigentlich nicht mehr hinter die 'großen' Komponisten zurücktreten), aber auf der anderen Seite 'unabhängig' darstellt (obwohl sie meistens doch zumindest im Zusammenhang mit ihnen auftreten). Die Inszenierung einer Komponistin funktioniert dabei über verschiedene Rollen: Sie tritt nicht nur als Komponistin auf, sondern zugleich als Ehefrau, Witwe, Schwester, Tochter, Mutter, Muse, femme fatale, Star, Schülerin, Lehrerin, Interpretin und vieles mehr. Spiegelt sich damit im Musiktheater der von der musikwissenschaftlichen Genderforschung angeregte Perspektivwechsel hin zum kulturellen Handeln von Frauen? Oder steht das Musikgeschichtstheater hier in der Tradition einer Musikgeschichtsschreibung, die an der romantischen Vorstellung des Genies und dem von ihm hervorgebrachten Werk orientiert ist? Welche Funktion nimmt das Werk der dargestellten Komponistinnen in der Musiksprache solcher Stücke ein und welche Rolle spielen demgegenüber die Werke und Geschichten von Komponisten, mit denen sie biographisch im Zusammenhang standen?

Mit Methoden der Musiktheater- und Aufführungsforschung, der musikwissenschaftlichen Genderforschung und der Musiktheorie analysiert das Promotionsprojekt Musiktheaterstückeüber Komponistinnen. Es soll untersucht werden, welche Lösungen das Musikgeschichtstheater findet, um Musikgeschichte neu zu schreiben und darzustellen, was Komponistinnen (insbesondere auch musikalisch) zu erzählen hatten.

Musik-Webmquasqoajyte2ir (mus8wik@shhuolga.de38u) (Stand: 08.07.2020)