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Teilprojekt 3: Musikgeschichte im populären Musiktheater ab 1970

Clémence Schupp-Maurer, M.A.

Musicals und eng verwandte Formen populären Musiktheaters wie Revue, Musical play und Schauspiel mit (populärer) Musik machen ab 1970 einen wesentlichen Teil Historio­graphischen Musiktheaters aus. Thematisch bezieht sich dieser Repertoire­ausschnitt v.a. auf die populäre Musik des 20. Jahrhunderts (neben einigen kanonischen Figuren der älteren Musikgeschichte): Schwerpunkte liegen auf der Geschichte der Rockmusik (beliebte Bühnenfiguren sind z.B. Buddy Holly, die Beatles, Rio Reiser, Tina Turner), des Jazz (am Bsp. von Louis Armstrong, Ella Fitzgerald, Billy Holiday) oder Chansons (z.B. Marlene Dietrich, Edith Piaf, Hildegard Knef). Historiographisches Musiktheater leistet ab 1970 also u.a. einen wichtigen Beitrag zur Historisierung der Pop- und Rockmusik. Neben Musicalzentren wie dem Londoner Westend und dem New Yorker Broadway sind v.a. deutsche Stadttheater in diesem Bereich sehr aktiv.

Promotionsprojekt

Die Repräsentation von Chanson- und Jazzsängerinnen im populären Musiktheater seit 1970: (Re-)Produktion von Musikgeschichten und Genderkonzepten

Marlene (UA: London, 1997), Piaf, je t´aime (UA: Paris, 1996), M wie Marilyn (UA: Bielefeld, 2002): Marlene Dietrich, Edith Piaf, Marilyn Monroe und viele andere Chanson- und Jazz­sängerinnen werden seit den 1970er Jahren regelmäßig zu Figuren populären Musiktheaters. Dabei beschäftigen sich die Akteur_innen der entsprechenden Musiktheater­produktionen von Autor_innen über Sänger_innen bis zum Publikum mit Musikgeschichte, genauer: mit Musik, künstlerischem Handeln und Biografie historischer Musikerinnen. Wie erleben sie diese Auseinandersetzung? Wie gestalten sie die Darstellung dieser Sängerinnen? Und wie werden dabei Genderkonzepte verarbeitet oder hinterfragt? Selten wird über Dietrich oder Piaf geredet, ohne dass sie als "Verführerin", "Kind" und/oder als "Karrierefrau" bezeichnet werden. Die Körperhaltung, die Gestik, die Stimme dieser Musikerinnen, ihre Kleidung und Make-up, die Art, wie sie ihr Leben und ihr künstlerisches Auftreten gestaltet haben, all dies beeinflusst das Bild, das heute von ihnen in diversen Medien, u.a. populären Musiktheater, zu sehen und zu hören ist.

Mit Methoden der Ethnografie, Theaterwissenschaft und historischen Musikwissenschaft analysiert das Promotionsprojekt die entsprechenden Aufführungen sowie die Erfahrungen und die Wahrnehmung der Beteiligten dieser Musiktheaterproduktionen. Zentral ist dabei die Frage, wie die Akteur_innen Musikgeschichte und Genderkonzepte (re-)produzieren.

(Stand: 06.11.2020)