Vita

Jessica Cronshagen promovierte 2010 an der Universität Oldenburg zum Thema „Einfach Vornehm. Die Hausleute der der nordwestdeutschen Küstenmarsch in der Frühen Neuzeit“. Im Anschluss begann sie ihr Habilitationsprojekt. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in der Religions- und Missionsgeschichte. Zuvor studierte sie Geschichte und Soziologie an der Universität Osnabrück.

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Dr. Jessica Cronshagen

Abteilung Geschichte der Frühen Neuzeit

Freiheit als Privileg

Sklaven hatten in der Frühen Neuzeit kaum Rechte. Welche Rechtfertigungsmuster für diese Freiheitsberaubung damals verbreitet waren, erläutert die Historikerin Jessica Cronshagen.

Frau Cronshagen, was bedeutet Freiheit aus historischer Sicht?

Die Definition von Freiheit wandelt sich ständig, in unterschiedlichen Zeiten wird auch immer etwas anderes damit verknüpft. In der Frühen Neuzeit gab es noch nicht diesen abstrakten Freiheitsbegriff. Zudem war er auch nicht so stark emotional besetzt wie heute.

Sie beschäftigen sich insbesondere mit der Zeit vom 15. bis 18. Jahrhundert. Wofür stand Freiheit in dieser Periode?

Das hing in der Frühen Neuzeit ganz von Herkunft und Stand ab. Für viele Europäer bedeutete Freiheit vor allem, Privilegien zu haben etwa reisen zu können oder im Stadtrat vertreten zu sein. In der Leibeigenschaft kam es vor allem auf die Situation an – es gab klare Regeln, was Menschen wann durften und was nicht. Besonders prekär war die Lage für afrikanische Menschen, die in dieser Zeit versklavt und verschleppt wurden. Ihnen wurde jegliches Recht abgesprochen – ein großer Unterschied zu den Freiheitsverhältnissen in Europa.

In ihrem Habilitationsprojekt nehmen Sie die Arbeit von Missionaren in Surinam in den Blick. Wie haben diese Menschen Sklaverei und damit verbundene Unfreiheit gerechtfertigt?

Es gab immer neue Rechtfertigungsmuster, etwa das „Zivilisierungsnarrativ“. Man ging davon aus, dass afrikanische Menschen mit der Freiheit nicht umgehen könnten und alleine nicht fähig wären, zu leben. Die Missionare sagten sich auch, sie müssten nicht in weltliche Angelegenheiten eingreifen, da die wahre Freiheit erst im Jenseits erreichbar sei. Man ging außerdem davon aus, dass die Wirtschaft ohne Sklaverei nicht funktionieren würde. Hinzu kam ab dem späten 18. Jahrhundert ein biologischer Rassismus mit der Behauptung, Menschen afrikanischer Herkunft wären für die Sklaverei geboren.

Wie steht es heute um die Freiheit?

Unfreiheit gibt es bis heute: von Menschenhandel über Zwangsprostitution bis hin zu prekären Arbeitsbedingungen in sklavenähnlichen Verhältnissen. Heutzutage gibt es aber im Gegensatz zum 18. Jahrhundert ein breites Bewusstsein für das Unrecht.

Interview: Lara Schäfer

(Stand: 22.04.2022)