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Forschungsfeld 1: Heterogenitätsdimension Religion u. differenzsensible Lehrkräfteprofessionalität – Studien zu Inklusion u. Exklusion (HERESIE)

Die erziehungswissenschaftliche und fachdidaktische Beschäftigung mit Heterogenität, Diversität und Intersektionalität ist in unterschiedlichen Teildisziplinen seit vielen Jahren breit verankert. HERESIE fokussiert auf Religion als Differenzdimension, die mit Blick auf Prozesse der Inklusion und Exklusion von hoher Bedeutung ist: (Zugeschriebene) Religion fungiert in dieser Hinsicht als sozialer Differenzmarker und hat damit den Begriff der Kultur ergänzt, wenn nicht sogar weitgehend abgelöst. Angesichts dessen ist es erstaunlich, dass Religion als Differenzdimension in den meisten erziehungswissenschaftlichen Disziplinen eine eher geringe Rolle spielt, während die Religionspädagogik ihrerseits die gesellschaftliche Einbettung der Thematisierung von Religion in der Schule, insbesondere Dominanzstrukturen und damit einhergehend die Themen Exklusion und Diskriminierung, weitgehend ausblendet oder zumindest darauf verzichtet, postkoloniale, poststrukturalistische und (de)konstruktivistische Ansätze zu rezipieren.

Im Sinne der Ausschreibung unternimmt es das Projekt, über grundlegende theoretische Klärungen (didaktische) Modelle zu erarbeiten, um mit dem Ziel der Herausbildung einer kritisch-reflexiven Professionalität sowohl im Rahmen der Lehrkräftebildung als auch im schulischen Kontext Erklärungs- bzw. Entscheidungsmodelle genauer zu untersuchen und zu hinterfragen. Dabei geht es insbesondere darum zu untersuchen, wie es gelingt, die Spannung aus dekonstruierenden Ansätzen und einem gleichzeitigen Anerkennen von (Selbst-)Verortungen in (religiösen) Kategorien ohne essentialisierende Setzungen auszuhalten und zu bearbeiten.

PD Dr. Tilmann Hannemann, Religionswissenschaft, Institut für Philosophie

Prof. Dr. Dr. Joachim Willems, Religionspädagogik, Institut für Ev. Theologie und Religionspädagogik

Forschungsfeld 2: Digitale Formate in der Lehrerbildung: Konzeption und Evaluation eines digitalen Fortbildungskonzepts am Beispiel der ökonomischen Bildung

Digitale Medien bieten ein großes didaktisches Potential für die standortübergreifende Gestaltung von Lehr-Lern-Prozessen für räumlich verteilte Zielgruppen bei gleichzeitig konsistent positiven Effekten. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind sie insbesondere für berufsbegleitende Bildungsmaßnahmen interessant. In der Lehrerfort- und -weiterbildung in Deutschland beschränken sich aber die wenigen bisherigen digitalen Konzepte zumeist auf die begleitende bzw. nachgeschaltete Bereitstellung von Inhalten in Datenbanken oder auf recht einfach gehaltene Blended-Learning-Konzepte. Für das Lehramt „Wirtschaft“ an allgemeinbildenden Schulen ist dies besonders problematisch, weil es bundesweit ein gravierendes Ausbildungsdefizit gibt. Ein hohes Maß fachfremden Unterrichts ist die Folge. Daraus resultiert wiederum ein hoher Fort- und Weiterbildungsbedarf (Nachqualifizierung, Quereinstieg, Mobilität zwischen Bundesländern etc.).

Hier soll das vorliegend skizzierte Promotionsvorhaben ansetzen, indem am Beispiel eines Qualifizierungssystems im Fach Ökonomische Bildung ein transferierbares digitales Fort- und Weiterbildungskonzept für die Lehrerbildung entwickelt und evaluiert wird. Zu den inhaltlichen Bestandteilen des Vorhabens gehören eine Erhebung des Status Quo, eine Lehrkräftebefragung, die Entwicklung eines digitalen Fortbildungskonzepts sowie die Erprobung und Evaluation mit einem ausgewählten Schwerpunkt. Relevante Forschungsmethoden sind Systematic Review, Dokumentenanalyse, standardisierte Fragebögen sowie Tests und Evaluationsdesigns.

Am erfolgreichen Ende dieses Promotionsvorhabens stehen idealerweise Erkenntnisse über theoretisch fundierte und praxiserprobte Kriterien für die Gestaltung von digitalen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen in der dritten Phase der Lehrerbildung. Von den am exemplarischen Beispiel gewonnenen Erkenntnissen des Promotionsvorhabens können andere Fächer der Lehrerbildung profitieren. Ganz allgemein werden im Projekt aber auch alle allgemeinen hochschuldidaktischen Aspekte einer Lehre auf Basis eines digitalen Fachkonzepts herausgearbeitet, um grundlegende Erkenntnisse in alle Studiengänge transferieren zu können.

Prof. Dr. Dirk Loerwald, Ökonomische Bildung, Department für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften

Prof. Dr. Olaf Zawacki-Richter, Wissenstransfer und Lernen mit neuen Technologien, Institut für Pädagogik

Forschungsfeld 3: Der professionelle Blick im Sportunterricht

Dem professionellen Blick im Sportunterricht kommt auf unterschiedlichen Handlungsebenen von Sportlehrkräften besondere Bedeutung zu (Oesterhelt, 2018; Reuker, 2012). Die hohe Komplexität von Unterrichtssituationen bei hoher struktureller Variabilität (z. B. keine vorgegebene Sitzordnung) erfordert eine optimale Ausrichtung der Aufmerksamkeit, um viele Schüler*innen und Ereignisse gleichzeitig erfassen und flexibles sowie situationsadäquates Handeln gewährleisten zu können (Klassenbeobachtungskompetenz). Ebenso müssen Sportlehrer*innen in der Lage sein, die von den Schüler*innen ausgeführten Bewegungen beobachten, kritische Bewegungsmerkmale erkennen und an die Schüler*innen rückmelden zu können (Korrekturkompetenz). Diese beiden für den Sportunterricht zentralen Kompetenzbereiche sollen im Hinblick auf Expertiseunterschiede und einer gezielten Schulung als Teil des Referendariats näher beleuchtet werden.

Im Rahmen des Promotionsprojekts sollen ausgehend von dem Expert-Performance-Ansatz von Ericsson (2006) zwei Themenschwerpunkte untersucht werden: (1) die Fertigkeit, die Klasse so im Blick zu haben, dass kritische Ereignisse erkannt werden können (Klassenbeobachtungskompetenz; Studie 1) und (2) die Kompetenz zum Erkennen von kritischen Bewegungsmerkmalen für den Lernprozess (Korrekturkompetenz; Studie 2).

Innerhalb einer jeden Studie wird zunächst die Expertise von Sportlehrkräften im Hinblick auf die jeweiligen Kompetenzen erfasst (Teilstudien 1a und 2a). In Erweiterung zu bisherigen Studien zum professionellen Blick im Sportunterricht (Reuker, 2017a, 2017b) wird auch das von den Teilnehmer*innen angewandte Blickverhalten mit Hilfe von Eye-Trackern erfasst und analysiert (Cortina et al., 2018; McIntyre, Jarodzka, & Klassen, 2019). In einem zweiten Schritt folgt darauf aufbauend jeweils die gezielte Schulung der visuellen Wahrnehmung in einer Gruppe von Anfänger*innen oder Fortgeschrittenen (Teilstudien 1b und 2b).

Cortina, K., Müller, K., Häusler, J., Stürmer, K., Seidel, T., & Miller, K. (2018). Feedback mit eigenen Augen: Mobiles Eyetracking in der Lehrerinnen-und Lehrerbildung. Beiträge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung, 36(2), 208-222.

Ericsson, K. A. (2006). The Influence of Experience and Deliberate Practice on the Development of Superior Expert Performance The Cambridge Handbook of Expertise and Expert Performance (pp. 685-705).

McIntyre, N. A., Jarodzka, H., & Klassen, R. M. (2019). Capturing teacher priorities: Using real-world eye-tracking to investigate expert teacher priorities across two cultures. Learning and Instruction, 60, 215-224.

Oesterhelt, V. (2018). Förderung der Beobachtungskompetenz in der Sportlehrerbildung. In N. Ukley & B. Gröben (Eds.), Forschendes Lernen im Praxissemester: Begründungen, Befunde und Beispiele aus dem Fach Sport (pp. 81-100). Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.

Reuker, S. (2012). Der professionelle Blick von Sportlehrkräften. Sportwissenschaft, 42(4), 240-246.

Reuker, S. (2017a). The knowledge-based reasoning of physical education teachers: A comparison between groups with different expertise. European Physical Education Review, 23(1), 3-24.

Reuker, S. (2017b). The noticing of physical education teachers: a comparison of groups with different expertise. Physical Education and Sport Pedagogy, 22(2), 150-170.

 

Prof. Dr. Dietmar Grube, Pädagogische Psychologie, Institut für Pädagogik

PD Dr. Florian Loffing, Sport und Bewegung, Institut für Sportwissenschaften

Dr. Rebecca Rienhoff, Sportpsychologie, Institut für Sportwissenschaften

Dr. phil. Ingo Roden, Pädagogische Psychologie, Institut für Pädagogik

Prof. Dr. Jörg Schorer, Sport und Bewegung, Institut für Sportwissenschaften

Forschungsfeld 4: Intersektionale Sensibilität (Cluster)

Intersektionalität geht davon aus, dass historisch gewachsene Diskriminierungsformen Machtstrukturen, Subjektivierungsprozesse und soziale Ungleichheiten in ihren Interdependenzen analysiert werden müssen. Intersektionalitätsforschung entwickelt sich seit der Jahrtausendwende vor allem in außerschulischen Feldern. Sie hat inzwischen Einfluss auf verschiedene Disziplinen wie die Bildungswissenschaften, die Sonderpädagogik oder die Interkulturelle Erziehungswissenschaft und inspiriert auch verschiedene Fachdisziplinen.

Über die Methoden und die genaue Ausgestaltung des Forschungsfeldes gibt es viele Kontroversen. Konsens besteht jedoch in der Auffassung, dass nur durch komplexe intersektionale Mehrebenen-Analysen soziale Praxen in modernen Gesellschaften angemessen kritisch analysiert werden können. Das kritische Potential liegt darin, dass durch die gleichzeitige Untersuchung mehrerer Analysekategorien Herkunft und Wirksamkeit sozialer Praxen offengelegt und zugleich auch mögliche Transformationen erforscht werden können.

Unter Sensibilität verstehen wir eine Haltung und Handlung, die empfindsame Aufnahmebereitschaft für lebensweltbezogene Herausforderungen und entsprechendes antwortendes Verhalten zeigt. Diese Haltung zeichnet sich u.a. durch die angemessene Wahrnehmung von Situationen, Verstehen von Menschen und Kontexten, Gespür für Atmosphären sowie durch die Anerkennung des Anderen und seiner biographischen Erfahrungen aus.

Ziel der Forschung im Bereich Intersektionale Sensibilität ist die Förderung eines sensiblen wie kritischen Blicks für intersektionale Herausforderungen und für mögliche produktive Ansatzpunkte für Veränderungen. In der Lehrer*innenbildung betrifft dies Ausdrucksformen und -möglichkeiten in Bezug auf Medien, Lehrmittel und didaktische Aushandlungsprozesse.

Im Mittelpunkt des Clusters stehen Forschungen zum Arrangement unterschiedlicher Lehr-Lernkonzepte in der Sonderpädagogik, Musikpädagogik und Philosophiedidaktik, ausgerichtet an theoretisch-konzeptionellen, empirischen und forschungsmethodologischen Fragestellungen. Darüber hinaus werden Wirkzusammenhänge von Lehr-Lernprozessen in den drei Feldern kritisch analysiert; didaktische Modelle, Methoden und Interventionen mit dem Ziel einer kritisch-reflexiven Professionalität werden erarbeitet und evaluiert. Das theoretische Fundament soll über die Bearbeitung der folgenden übergeordneten Frage weiterentwickelt werden:

  1. Inwiefern kann Intersektionale Sensibilität ein Bildungsziel im Kontext von Schule sein?
  2. Was sind die Bedingungen für die Entwicklung von Intersektionaler Sensibilität auf der Struktur- und der Interaktionsebene?

Prof. Dr. Mario Dunkel, Musikpädagogik, Institut für Musik

Prof. Dr. Ulla Licandro, Heterogenität und Diversität unter besonderer Berücksichtigung inklusiver Bildungsprozesse, Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik

Prof. Dr. Christa Runtenberg, Didaktik der Philosophie, Institut für Philosophie

Prof. Dr. Annett Thiele, Pädagogik und Didaktik bei Beeinträchtigungen der körperlichen und motorischen Entwicklung sowie bei chronischen und progredienten Erkrankungen, Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik

Forschungsfeld 4.2: Umgang mit sprachlich-kultureller Vielfalt im Schulalltag - Einstellungen, Handeln und organisatorische Rahmenbedingungen

Aufgrund demografischer Veränderungen und migrationsbedingtem gesellschaftlichen Wandel steigt die sprachlich-kulturelle und soziale Heterogenität im deutschen Bildungssystem (Autorengruppe Bildungsberichterstattung, 2018).  Obgleich sprachlich-kulturelle Merkmale nach wie vor mit Bildungs- und Teilhabechancen verknüpft sind, gibt es bisher kein umfassendes Modell der Kompetenzen, über die Lehrende im Kontext von wachsender Vielfalt verfügen sollten (Hachfeld et al., 2012). Ziel der Nachwuchsgruppe ist es, diese Forschungslücke systematisch in drei Forschungssträngen (qualitativ und quantitativ) zu bearbeiten.

Das alltägliche Verhalten und die Praxis von Fachleuten wird neben ihrem Wissen durch Einstellungen, professionelle Überzeugungen, motivationale Orientierungen und Erwartungen geprägt (Kunter et al., 2011; Slot, Romijn & Wysłowska, 2017).  Weiterhin spielen organisatorische Richtlinien, Kooperationen mit Eltern und anderen Stakeholdern und das Arbeitsumfeld eine wichtige Rolle.  Das Teilprojekt setzt sich mit der Erforschung sich wandelnder gesellschaftlicher Verhältnisse und ihrer Abbildung im Bildungsprozess auseinander und verfolgt das Ziel, die Orientierungs- und Prozessqualität von Lehrkräften in Bezug auf das Unterrichten im Kontext von sprachlich-kultureller Diversität zu erforschen.

In der Verschränkung prozessbezogener quantitativer Daten sowie subjektiver Einstellungsmerkmale können institutionelle, kulturelle und ideologische Mechanismen identifiziert werden, die Ungleichheit und Diskriminierung zugrunde liegen.  Hieraus können wertvolle pädagogische, didaktische undmethodische Grundlagen für die Gestaltung der Aus- und Weiterbildung für Lehrkräfte gewonnen werden.

Prof. Dr. Ulla Licandro, Heterogenität und Diversität unter besonderer Berücksichtigung inklusiver Bildungsprozesse, Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik

Forschungsfeld 4.3: Inklusive Bildung beim Philosophieren – Entwicklung einer inklusionsorientierten Fachdidaktik für das Fach Werte und Normen (Jahrgangsstufen 5 und 6)

Aus dem Dialog von Sonderpädagogik und Philosophiedidaktik entsteht ein neuartiger Beitrag zur Entwicklung einer inklusiven Fachdidaktik der Fächer Philosophie und Werte und Normen vor dem Hintergrund Intersektionaler Sensibilität.  Diese interdisziplinäre Forschung eröffnet besondere Möglichkeiten: Durch die Abstimmung der philosophiedidaktischen Dimensionen mit entwicklungs-psychologischen und sonderpädagogischen Befunden zur kognitiven, sozialen und emotionalen Entwicklung  der  Schüler*innen  werden  Unterstützungsbedarfe  angemessen  analysiert.  Praxisangemessene Möglichkeiten der Teilhabe werden entwickelt und implementiert. Für das Fach Werte und Normen gibt es gegenwärtig kaum spezifische Forschung; das Forschungsprojekt betritt ein neues und wichtiges Feld.  Vor dem Hintergrund der Einführung des Grundschulfachs Werte und Normen in Niedersachsen steigt die Dringlichkeit, inklusionsorientierte didaktische und pädagogische Bildungspläne, Materialien, Medien, Lehrgänge zu entwickeln.  Das Forschungsprojekt kann hierfür sinnvolle Vorarbeiten leisten.

Ziel des Forschungsvorhabens ist die Ausarbeitung von Konzepten inklusionsorientierten Unterrichts unter Berücksichtigung Intersektionaler Sensibilität im Fach Werte und Normen.  Auf der Grundlage aktueller sonderpädagogischer und philosophiedidaktischer Forschungen sowie Lehrerfahrungen wird ein Lernangebot für die Lerngruppen des Faches Werte und Normen in den Jahrgangsstufen 5 und 6 in Niedersachsen entwickelt und evaluiert.  Eine inklusionsorientierte Fachdidaktik, die den Aspekt der Intersektionalität aufgreift, ist für diese Altersgruppen besonders wichtig, da die Schüler*innen erst beginnen zu philosophieren und die Lerngruppen sehr heterogen sind. Das Projekt verfolgt Ziel drei des Graduiertenkollegs: die Erarbeitung und  Evaluation  didaktischer  Modelle,  Methoden  und  Interventionen,  die  –  mit  dem  Ziel  der Herausbildung einer kritisch-reflexiven Professionalität – sowohl im Rahmen der Lehrkräftebildung als auch im schulischen Kontext Wirkzusammenhänge von Lehr-/Lernprozessen sowie Erklärungs- bzw. Entscheidungsmodelle genauer untersuchen und hinterfragen.

Prof. Dr. Christa Runtenberg, Didaktik der Philosophie, Institut für Philosophie

Prof. Dr. Annett Thiele, Pädagogik und Didaktik bei Beeinträchtigungen der körperlichen und motorischen Entwicklung sowie bei chronischen und progredienten Erkrankungen, Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik

Forschungsfeld 5: Erstausbildung von Lehrkräften für eine inklusive Berufliche Orientierung

Mit der inklusiven Beruflichen Orientierung geht die Frage einher, wie Menschen mit unterschiedlichen Bedarfen, u.a. auch mit Behinderung und einem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf, in einer barrierefreien Schule in ihrer Berufsorientierung und im beruflichen Übergang unterstützt werden können. Bei der Beruflichen Orientierung und Inklusion handelt es sich gleichermaßen um schulische Querschnittsthemen, die aufgrund der Subjekt- und Biografieorientierung sowie der Überschneidungen bei diversen Maßnahmen und Kooperationspartner*innen aufeinander bezogen werden können und müssen. Eine fundierte Qualifizierung aller zukünftigen Lehrkräfte gehört zu den entscheidenden Gelingensbedingungen einer inklusiven Berufsorientierung. Hierbei handelt es sich einerseits um ein Forschungsdesiderat bzgl. der notwendigen Kompetenzen der Lehrkräfte und anderseits um eine Gestaltungsaufgabe, welche alle drei Phasen der Qualifizierung von Lehrkräften betrifft.

Gegenstand des Promotionsprojektes ist deshalb der Qualifikationsbedarf von sonderpädagogischen Lehrkräften und Fachlehrkräften zur inklusiven Beruflichen Orientierung und die konkreten Implikationen für die Erstausbildung von Lehrkräften.

Die Promotion soll den folgenden Forschungsfragen nachgehen:

  1. Welches sind die Kompetenzen von sonderpädagogischen Lehrkräften und Fachlehrkräften für eine inklusive Berufliche Orientierung,
    • die für die Bewältigung der Aufgaben beider Gruppen von Lehrkräften notwendig sind und Kooperation ermöglichen?
    • die spezifisch für jeweils eine Gruppe der Lehrkräfte ist?
  2. Wie kann der Erwerb der notwendigen Kompetenzen im Rahmen der Lehrer*innenerstausbildung konzeptionell fundiert werden?

Die Bearbeitung der Forschungsfragen soll sowohl theoretisch wie auch empirisch erfolgen.

Die Inklusion und Berufliche Orientierung sind in den letzten 15 Jahren stark in den Schulen ausgebaut worden und in Niedersachsen verpflichtender Inhalt der Erstausbildung von Lehrkräften in Universitäten und Studienseminaren. Es handelt sich zugleich um zwei schulische Gesamtaufgaben, die theoretisch (individuelle Unterstützung, Subjekt- und Biografieorientierung) und praktisch (insbesondere aufgrund des involvierten pädagogischen Personals) zahlreiche Schnittstellen aufweisen.

Mit Blick auf die allgemeinen Schulen ist aber festzustellen, dass bereits die Gestaltung und Umsetzung systematischer Konzepte der Beruflichen Orientierung auch ohne inklusive Belange erhebliche Probleme bereitet, u.a. weil die Qualifikation der Lehrkräfte nicht gesichert ist (vgl. Schröder, Lembke & Fletemeyer, 2018). Bei einer inklusiven beruflichen Orientierung erweitern sich die Aufgaben und Ansprüche an die Lehrkräfte weiter, weil beispielsweise zusätzliche Maßnahmen und Partner zur Förderung des nachschulischen Übergangs sowie weitere Anschlussalternativen zu berücksichtigen sind. Die unzureichende Kompetenz, die auch von den Lehrkräften selbst wahrgenommen wird, führt in der Konsequenz zu einer ablehnenden Haltung bezüglich einer inklusiven Beruflichen Orientierung (Nentwig, 2018, S.377f). Die Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte für die notwendigen Kompetenzen angesichts der Intersektionalität der Aufgabenstellungen im aktuellen Bildungssystem erfordert umfassende Forschungsaktivitäten über alle Ebenen des Bildungssystems (Art 24 UN-BRK) hinweg (Bless, 2017). Eine fundierte Qualifizierung aller zukünftigen Lehrkräfte gehört zu den entscheidenden Gelingensbedingungen einer inklusiven Berufsorientierung und sollte gemäß internationaler Konzeptionen und dem World Report on Disabilities (World Health Organization & World Bank, 2011,S. 222) das Wissen, Können und die Einstellungen ansprechen (Melzer, Hillenbrand, Sprenger & Hennemann, 2015).

Gegenstand des Promotionsprojektes ist der Qualifikationsbedarf von sonderpädagogischen Lehrkräften und Fachlehrkräften zur inklusiven Beruflichen Orientierung und die konkreten Implikationen für die Erstausbildung von Lehrkräften. Die Promotion soll den folgenden Forschungsfragen nachgehen:

  1. Welches sind die Kompetenzen von sonderpädagogischen Lehrkräften und Fachlehrkräften für eine inklusive Berufliche Orientierung,
    • die für die Bewältigung der Aufgaben beider Gruppen von Lehrkräften notwendig sind und Kooperation ermöglichen?
    • die spezifisch für jeweils eine Gruppe der Lehrkräfte ist?
  2. Wie kann der Erwerb der notwendigen Kompetenzen im Rahmen der Lehrer*innenerstausbildung konzeptionell fundiert werden?

In einem ersten, theoretischen Schwerpunkt geht es um die Aufarbeitung des nationalen und internationalen Diskurses zur inklusiven Beruflichen Orientierung. Im zweiten, konzeptionellen Schwerpunkt sind vor dem Hintergrund der verschiedenen Kompetenzmodelle die Kompetenzanforderungen von Lehrkräften zur inklusiven Beruflichen Orientierung zu präzisieren. Dies betrifft sowohl spezifische als auch gemeinsame Kompetenzen von sonderpädagogischen Lehrkräften und Fachlehrkräften. Im dritten, empirischen Schwerpunkte sollen durch die Befragung von Lehrkräften die relevanten Kompetenzen herausgearbeitet werden. Der vierte Schwerpunkt dient zum Transfer der Forschungsergebnisse in den Erstausbildung von Lehrkräften an Universitäten, aber auch an Studienseminaren.

 

Bless, G. (2017). Integrationsforschung: Entwurf einer Wissenskarte. Zeitschrift für Heilpädagogik, 68., S. 216–227

Bylinski, U. (2014). Gestaltung individueller Wege in den Beruf: Eine Herausforderung an die pädagogische Professionalität. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag.

Dreer, B. (2013): Kompetenzen von Lehrpersonen im Bereich Berufsorientierung. Beschreibung, Messung und Förderung. Wiesbaden: Springer

Ergebnisse des Forschungsprogramms COACTIV Bylinski, U./Rützel, J. (Hrsg.) (2016): Inklusion als Chance und Gewinn für eine differenzierte Berufsbildung. Bielefeld: Bertelsmann, S. 101-112

Hillenbrand, C. (2013). Inklusive Bildung: wirksame Unterstützung des Lernens für alle Schüler. In S. Maschke, G. Schulz-Gade und L. Stecher (Hg.), Jahrbuch Ganztagsschule 2014: Inklusion. Der pädagogische Umgang mit Heterogenität (S. 33–42). Schwalbach, Taunus: Debus Pädagogik.

Kunter, M.; Baumert, J.; Blum, W.; Klusmann, U.; Krauss, S.; Neubrand, M. (Hrsg.) (2011): Professionelle Kompetenz von Lehrkräften. Münster: Waxmann

Nentwig, L. (2018). Berufsorientierung als unbeliebte Zusatzaufgabe in der Inklusion? Eine Studie zur Bereitschaft von Lehrpersonen zum Engagement in der inklusiven Berufsorientierung. Bad Heilbrunn: Klinkhardt

Preuss-Lausitz, U. (2019). Ergebnisse der Inklusions- und Separationsforschung nach zehn Jahren UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Bilanz und Perspektiven. Zeitschrift für Heilpädagogik, 70, S. 468–483

Schröder, R. (2018): Inklusion in der schulischen Berufsorientierung: Synergien und Herausforderungen. In: Zeitschrift für Heilpädagogik, Heft 03/2018, S. 108-120

Schröder, R.; Lembke, R.; Fletemeyer, T. (2018): Konzeptionelle Gestaltung der Berufs- und Studienorientierung in gymnasialen Schulformen: Eine qualitative Studie zur unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Realisierung. In: Wittmann, E.; Frommberger, D.; Ziegler, B. (Hrsg.): Jahrbuch der berufs- und wirtschaftspädagogischen Forschung 2018. Opladen-Berlin-Toronto: Budrich.

World Health Organization & World Bank (2011). World report on disability. Malta.

 

Prof. Dr. Clemens Hillenbrand, Pädagogik und Didaktik bei Beeinträchtigungen des Lernens, Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik

Prof. Dr. Rudolf Schröder, Ökonomische Bildung mit dem Schwerpunkt Berufsorientierung, Department für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften

Forschungsfeld 6: Der Klimawandel im Nordwesten – Auswirkungen auf den natürlichen Wasserkreislauf u. die technische Wassernutzung als Thema schulischer u. außerschulischer Bildung

Thematische Einbettung in das Graduiertenkolleg

Der Klimawandel wird zu einem in jeder Region konkret greifbaren Phänomen: Eines davon ist Veränderungen des Wasserkreislaufs im Nordwesten, die schon zu einer lokalen Schlagzeile geführt haben: „Der Krieg um das Wasser ist bereits im Gange“ (Nordwestzeitung, NWZ 2019). Die langanhaltende Dürre dieses Jahres hatte zu einer so erheblichen Absenkung des Grundwasserspiegels geführt, dass u.a. die Vegetation in weiten Teilen des Nordwestens sichtbar litt.

Zu einem Thema für die Lehrer*innenbildung wird dies, wenn man sich fragt, was Schule und Universität in dem durch den Klimawandel notwendig gewordenen gesellschaftlichen Transformationsprozess leisten können. Für die meisten Menschen kommt das Wasser aus dem Wasserhahn oder aus dem Duschkopf und ist eine tägliche Selbstverständlichkeit, um die man sich keine Gedanken machen musste. Das Bewusstsein dafür, dass man direkt von einer aufbereiteten Ressource aus der unmittelbaren Umgebung abhängt, ist weitgehend verloren gegangen.

Die technische Wasserversorgung ist Teil des Technotops, also einer uns zur zweiten Natur gewordenen technischen Sphäre. Doch diese technische Sphäre ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine technische Infrastruktur, die nur durch Arbeit und Investitionen ihre Funktion erfüllen kann.

Eine Bildung für nachhaltige Entwicklung hat also einerseits das Bewusstsein für die Abhängigkeit von dieser natürlichen Ressource zu entwickeln aber auch die technische Gestaltbarkeit der wasserwirtschaftlichen Nutzung. Das Ziel ist dabei einerseits die Abhängigkeit von dem Funktionieren natürlicher Abläufe erfahrbar und begreifbar zu machen und auf der anderen Seit zu erkennen, dass durch eine angepasste Technik des Eingriffs in diese natürlichen Kreisläufe die Sicherstellung der Wasserversorgung gewährleistet werden kann.

Eine wichtige Quelle für authentisches Wissen sind außerschulische Lernorte: Eingerichtet von Wasserverbänden, aber auch Forschungseinrichtungen, die neues Wissen über die Wasserkreisläufe im Nordwersten liefern.

 

Biographieorientierter Ansatz in der Arbeitsgruppe Technische Bildung (ATB)

In der Arbeitsgruppe Technische Bildung wird der biographische Ansatz auf zwei Ebenen verfolgt. Einerseits gestalten Studierende Lerngelegenheiten von Schülerinnen und Schüler an außerschulischen Lernorten und andererseits betreiben wir ein eigenes Schülerlabor.

AG Hydrogeologie und Landschaftswasserhaushalt

In Kooperation mit dem Schülerlabor können Studierende sich selbst ein Bild von der Forschung auf dem Gebiet des Wasserkreislaufs machen, sich mit Expertinnen und Experten austauschen und aus diesen Quellen für die Gestaltung von Lerngelegenheiten der SuS im ATB-Schülerlabor aber auch in den außerschulischen Lernorten schöpfen.

Einordnung des Erkenntnisgewinns

Die Studie wird zeigen, welche Studierenden von dem didaktischen Design der praxisorientierten Veranstaltung am meisten profitieren und inwieweit sie selbst darin einen Beitrag für ihre professionelle Kompetenz als zukünftige Lehrkraft erblicken. Aber auch die Überzeugungskraft des Designs in Hinblick auf das BNE-Thema Wasserkreislauf und technische Nutzung wird dargestellt werden können.

 

Prof. Dr. Gudrun Massmann, Hydrogeologie und Landschaftswasserhaushalt, Institut für Biologie und Umweltwissenschaften

Prof. Dr. Peter Röben, Technische Bildung, Institut für Physik

Forschungsfeld 7: Lebensweltorientierung empirisch: Politische Musik im Politikunterricht. Eine politikdidaktische u. jugendsoziologische Studie

Das Projekt ist interdisziplinär in der Politischen Bildung/ Politikdidaktik und der Mikrosoziologie verortet. Im Fokus steht das fachdidaktische Prinzip der Lebensweltorientierung, das anhand des Einsatzes politischer Musik im Politikunterricht empirisch erforscht werden soll.

In der Fachdidaktik wurde der Einsatz politischer Musik im Politikunterricht konzeptionell in den letzten Jahren ausgearbeitet. Ihm liegt die Annahme zugrunde, dass der Einsatz des Mediums politische Musik, aufgrund seiner lebensweltlichen Verankerung, einen zielführenden Weg zum politischen Lernen darstellt. Was bisher fehlt, ist eine empirische Untersuchung dieser Annahme. Einen ersten explorativen Zugang soll das Dissertationsvorhaben leisten.

Der interdisziplinäre Ansatz ergibt sich aus der Tatsache, dass die Politikdidaktik zwar das inhaltliche, fachdidaktische und forschungsmethodische Rüstzeug zum Einsatz von Musik im Politikunterricht bereitstellt; die Mikro- bzw. Jugendsoziologie jedoch in größerem Maße fähig ist, die Seite der Lernenden und ihre Lebenswelten in den forschenden Blick zu nehmen.

Folgende Forschungsfragen sind für das Projekt leitend:

  1. Was genau ereignet sich aus fachdidaktischer Perspektive in einem lebensweltorientierten Politikunterricht zum Thema Migration, Digitalisierung oder Nachhaltigkeit, der sich des Ansatzes und Mediums politischer Musik bedient?
  2. Welche lebensweltlichen Orientierungen von Jugendlichen (und deren Familien) bestimmen die Nutzung und das Verständnis von politischer Musik
  3. Inwieweit ergeben sich aus dem Lebensweltansatz Opportunitäten und Restriktionen, das Verständnis von und den Umgang mit lebensweltlicher Vielfalt sowie politischen Themen bei Jugendlichen zu „irritieren“, um es im Sinne emanzipations- und mündigkeitsorientierter politischer Bildungsprozesse reflexiv zugänglich zu machen?
  4. Welche Erkenntnisse und Schlüsse lassen sich aus einer Zusammenführung der Ergebnisse auf die vorherigen Fragen im Hinblick auf die Herausforderungen, Modelle und Methoden zum didaktischen Prinzip der Lebensweltorientierung sowie die diesbezügliche Professionalisierung von Lehrkräften ziehen?

Um diese Fragen zu bearbeiten, erfolgt zunächst die Aufarbeitung des empirischen und theoretischen Forschungsstands zur Lebensweltorientierung bzw. Lebenswelten in der Fachdidaktik und in der Jugend- und Mikrosoziologie sowie zum lebensweltorientierten Zugang Politische Musik im Politikunterricht.

Hieran schließt sich eine empirische Feldphase an, in der mehrere Unterrichtseinheiten auf Grundlage des lebensweltorientierten Zugangs „Politische Musik im Politikunterricht“ zu einem der Themenfelder Migration, Digitalisierung oder Nachhaltigkeit durchgeführt, aufgezeichnet und ausgewertet werden. Begleitet wird diese Phase durch die Durchführung von leitfadengestützten, lebensweltbezogenen Interviews mit Lernenden aus der Lerngruppe unter jugendsoziologischen Fragestellungen hinsichtlich Lebenswelt und Musik als lebensweltlich verankertem Medium.

Insgesamt soll das Projekt also auf der Basis empirisch erhobener Lebensweltorientierungen Antworten auf die Frage generieren, was im lebensweltorientierten Politikunterricht beim Einsatz politischer Musik tatsächlich passiert.

Prof. Dr. Michael Feldhaus, Lebenslauf und soziale Ungleichheit, Institut für Sozialwissenschaften

Prof. Dr. Tonio Oeftering, Politische Bildung/ Politikdidaktik, Institut für Sozialwissenschaften

(Stand: 22.07.2021)