Beratung & Kontakt

Can Eroglu
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Wissenschaftliche Koordination
Prof. Dr. Matthias Bormuth
Professur für Vergleichende Ideengeschichte am Institut für Philosophie der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Leitung der Karl Jaspers-Gesellschaft
Karl Jaspers-Haus
Unter den Eichen 22
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Ringvorlesung Philosophie
Die Ringvorlesung Philosophie ist eine Kooperation zwischen dem Institut für Philosophie, dem C3L – Center für lebenslanges Lernen der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und der Karl Jaspers-Gesellschaft.
Die Vorträge werden in der Universität gehalten und parallel online übertragen. Sie können sich somit aussuchen, ob Sie zur Universität kommen oder die Vorträge ganz bequem von zu Hause aus verfolgen. Mit diesem Format ermöglichen wir eine individuelle und ortsunabhängige Teilnahme.
Anmeldung: Für die Teilnahme ist eine Gasthörerschaft erforderlich. Wenn Sie die Vortragsreihe gerne vor Ort besuchen möchten, wählen Sie bei der Anmeldung bitte die Veranstaltungsnummer 4.03.9998, damit wir für Sie einen Platz reservieren können und die maximale Teilnehmerzahl nicht überschreiten. Für die digitale Variante wählen Sie bitte die Veranstaltungsnummer 4.03.9998-online.
Für die digitale Teilnahme benötigen Sie lediglich ein internetfähiges Endgerät. Die Veranstaltung wird über das Videokonferenzprogramm „BigBlueButton“ übertragen. Damit Sie teilnehmen können, erhalten Sie einige Tage vorher die Zugangsdaten sowie einen kurzen Leitfaden für die Nutzung des Systems per E-Mail. Eine spezielle Software ist für die Nutzung nicht erforderlich.
Sie haben an einem Termin keine Zeit? Kein Problem! Wir zeichnen alle Vorträge auf und stellen diese im Laufe der jeweiligen Woche per E-Mail bzw. über Stud.IP zur Verfügung. Somit verpassen Sie keinen Vortrag.
Zur Anmeldung
Sommersemester 2026
„Größeres wolltest auch du”
Kreativität und Krankheit seit Hölderlin
Die modernen Versuche, Kreativität und Krankheit zusammen zu denken, sah Karl Jaspers als Herausforderung: „Die Pathographie ist eine heikle Sache.“ Der Philosoph hat selbst mit Strindberg und van Gogh vor hundert Jahren Fallgeschichten zwischen Psychiatrie, Literatur und Kunst vorgelegt, die Friedrich Hölderlin zur legendären Gestalt erhoben. Das psychische Leiden hatte seine Verse noch tiefgründiger werden lassen. Fünfzig Jahre später wurde der Dichter zur Ikone der Antipsychiatrie, die in seinem Wahnsinn der Gesellschaft den Spiegel vorhielt.
Sigmund Freud entwickelte exemplarisch am Moses des Michelangelo psychoanalytische Ideen zur Kreativität. Friedrich Nietzsche war sein genialer Vorgänger im psychodynamischen Denken, der zuletzt selbst als Autor des Antichrist dem Wahnsinn verfiel. Thomas Mann folgte bis zuletzt seinen Spuren in der deutschen Geschichte, ergriffen von Melancholie. Von daher erscheint Rainer Maria Rilke heute als zeitdiagnostisch sensibler Dichter der Angst. Psychosomatisch erkundete Viktor von Weizsäcker den Schmerz, ihm nahe auch der Schriftsteller Ernst Jünger.
Wie die Entstehung bleibender Worte und Ideen bei seelisch Kranken pragmatisch zu denken ist, skizzierte klassisch William James, beeindruckt von Tolstoi und Nietzsche. Franz Kafka umriss dies Rätsel nicht nur im Tagebuch luzide. Unica Zürn lebte und starb an den Abgründen literarischer und bildender Kunst. Ingeborg Bachmann blieb am Rande der europäischen Gesellschaft eine widerspenstige Künstlerin, deren Werk bis zur Selbstzerstörung reichte. Dass die kreativen Kräfte durch den Zufall der Krankheit enorm stimuliert werden, ist das Erbe der klassischen Moderne in Roman, Essay und Poesie. Dies wusste auch Virginia Woolf, die heute repräsentativ für Dichterinnen steht, welche auf wunderbare Weise den unglücklichen Verlust von Gesundheit in literarisches Glück zu verwandeln vermögen.
Vortragsplan
Montags, 14:15 – 15:45 Uhr
Bibliothekssaal der Universität
| 13. April 2026 Strindberg und van Gogh Karl Jaspers als Pathograph Prof. Dr. Matthias Bormuth (Oldenburg) |
| 20. April 2026 Enttäusche Sehnsucht Friedrich Hölderlins Sturz ins Nichts Prof. Dr. Manfred Geier (Hamburg) |
| 27. April 2026 Das Lächeln der Mona Lisa Freuds Psychoanalyse der Kreativität Dr. Sebastian Spanknebel (Oldenburg) |
| 04. Mai 2026 Über den Schmerz Ernst Jünger und Viktor von Weizsäcker Dr. Sebastian Kleinschmidt (Berlin) |
| 11. Mai 2026 Kranke Seelen und gesunde Ideen Pluralistisch denken mit William James Simeon Hüttel (Trier) |
| 18. Mai 2026 Dichter der Angst Rainer Maria Rilke Prof. Dr. Manfred Koch (Sent/Engadin) |
| 01. Juni 2026 „Es gibt nur eine Krankheit, nicht mehr“ Franz Kafka als Psychosomatiker Dr. Reiner Stach (Berlin) |
| 08. Juni 2026 „Die Agonie des All“ Poetische Halluzinationen bei Unica Zürn Prof. Dr. Manfred Geier (Hamburg) |
| 15. Juni 2026 Der Gekreuzigte und der Antichrist Über Friedrich Nietzsche Prof. Dr. Heinrich Detering (Göttingen) |
| 22. Juni 2026 Die Widerspenstige Ingeborg Bachmanns Leben und Leiden Dr. Ingeborg Gleichauf (Freiburg) |
| 29. Juni 2026 Im Lichte Nietzsches Vesuch über Thomas Mann Prof. Dr. Matthias Bormuth (Oldenburg) |
| 06. Juli 2026 „Wenn das Licht der Gesundheit ausgeht“ Virginia Woolf und andere Dichterinnen lesen Dr. Christiane Brokmann-Nooren (Jever) und Franziska Vondrlik (Oldenburg) |