PJINEEDS

Kontakt:

Dr. Dr. Gesine H. Seeber (ScD)

PJINEEDS

Funktionelle und psychosoziale Bedürfnisse von Patienten im erwerbsfähigen Alter während der Rehabilitation nach periprothetischer Infektion des Knie- oder Hüftgelenks – Entwicklung eines grenzüberschreitenden, unterstützenden Rehabilitationsprogramms

Projektteam:

Amarins Koster, MSc, PhD cand.
Dr. Dr. Gesine H. Seeber
Prof. Dr. Max Ettinger
A/prof. Dr. Inge Akker-van der Scheek (UMCG, NL)
A/prof. Dr. Martin Stevens (UMCG, NL)
 

Projektlaufzeit:

Mai 2024 – Mai 2028

Projektförderung:

Deutsche Rentenversicherung Oldenburg-Bremen

Projektbeschreibung:

Weltweit unterziehen sich jedes Jahr Millionen Menschen einer Gelenkersatzoperation. Dabei handelt es sich meist um Hüft- oder Kniegelenkendoprothesen. In Deutschland werden pro Kopf mehr Hüft- und Kniegelenkersatzoperationen durchgeführt als in vielen anderen europäischen Ländern, wie z.B. den Niederlanden. Es wird erwartet, dass die Operationszahlen weiter steigen, unter anderem, weil immer mehr Eingriffe bereits bei jüngeren Patienten im erwerbsfähigen Alter vorgenommen werden. Ein erheblicher Anteil der Patienten fällt derzeit in diese Gruppe, und ihr Anteil wird in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter steigen. Mit steigendem Renteneintrittsalter werden viele dieser Patienten noch lange Zeit mit ihren künstlichen Gelenken den Arbeitsalltag bestreiten müssen. Die Unterstützung einer guten Genesung gewinnt daher zunehmend an Bedeutung.

Die schwerwiegendste Komplikation nach einer Hüft- oder Kniegelenkersatzoperation ist die periprothetische Gelenkinfektion (periprosthetic joint infection; PJI), von der 1–2 % der Patienten betroffen sind. Angesichts der steigenden Zahl der Eingriffe bedeutet dies eine beträchtliche Anzahl betroffener Personen. Die PJI kann tiefgreifende Auswirkungen haben, laut Literatur vergleichbar mit einer Krebsdiagnose: Sie ist unvorhersehbar, verursacht langfristige funktionelle und psychosoziale Einschränkungen, beeinträchtigt das tägliche Leben und führt zu erheblicher Unsicherheit. Die direkten medizinischen Kosten für einen einzelnen Patienten übersteigen regelmäßig 100.000 €. Hinzu kommen indirekte und immaterielle Kosten, wie beispielsweise Arbeitsausfälle und langfristige Erwerbsunfähigkeit.

Die aktuelle PJI-Forschung konzentriert sich in erster Linie auf Diagnostik, Chirurgie und Medikation (Antibiotika), während der medizinischen und psychosozialen Rehabilitation wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Bewegung und gezielte Physiotherapie können das Gleichgewicht, die Muskelkraft, die Ausdauer und den Bewegungsumfang der Gelenke verbessern. Sie können zudem Schmerzen und Steifheit lindern – Vorteile, die bei nicht infizierten THA-/TKA-Patienten gut belegt sind. Eine verbesserte körperliche Funktionsfähigkeit fördert zudem das psychische Wohlbefinden und eine schnellere Rückkehr ins Berufsleben. Es fehlen jedoch Belege für wirksame Rehabilitationspfade speziell für PJI-Patienten, und über die Sichtweisen der Patienten auf ihre funktionellen und psychosozialen Bedürfnisse ist wenig bekannt. Das Verständnis dieser Bedürfnisse ist allerdings unerlässlich, um Versorgungslücken zu identifizieren und maßgeschneiderte Nachsorgeprogramme zu entwickeln.

Dieses grenzüberschreitende Projekt zielt darauf ab, ein Rehabilitationsunterstützungs-programm für Patienten im erwerbsfähigen Alter mit Zustand nach Hüft- oder Knie-PJI zu entwickeln. Zunächst wird im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit die vorhandene Literatur zu den biopsychosozialen Bedürfnissen von PJI-Patienten und möglichen Strategien zu deren Bewältigung erfasst. Anschließend wird im Rahmen einer qualitativen Interviewstudie untersucht, welche funktionalen und psychosozialen Bedürfnisse deutscher und niederländischer Patient:innen mit Hüft- oder Knie-PJI im Behandlungs- und Genesungsprozess unerfüllt bleiben und ob sich diese zwischen den Ländern unterscheiden. Um die Perspektiven des medizinischen Fachpersonals zu erfassen, wird eine Mixed-Methods-Studie bestehend aus einer internationalen Online-Umfrage und Interviews mit Fachkräften in den Niederlanden, Deutschland, Norwegen und dem Vereinigten Königreich durchgeführt um die aktuellen Rehabilitationspfade sowie deren Eignung zur Erfüllung der Patientenbedürfnisse bewerten.

Schließlich wird in Zusammenarbeit mit Patienten, Fachkräften des Gesundheitswesens und anderen Interessengruppen ein Unterstützungsprogramm entwickelt. Dieses Programm wird anschließend in einer Pilotstudie getestet, um seine Durchführbarkeit und Umsetzbarkeit zu bewerten. 

(Stand: 31.03.2026)  Kurz-URL:Shortlink: https://uol.de/p118566
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