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Exemplarische Paare und die transnationale Verhandlung der Geschlechterverhältnisse im Umbruch der industriellen Moderne, ca. 1880-1930

 

Das Projekt soll ausgewählte (Ehe-)Paare untersuchen, die im Umbruch der Industrialisierung, d.h. im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert - einer zentralen Phase in der Geschichte der westlichen Moderne - in ihren Partnerschaften und der Öffentlichkeit traditionale Geschlechterverhältnisse thematisiert und verhandelt haben. Ausgangsthese ist die Beobachtung, daß mit der Industrialisierung die sozialen Verhältnisse dynamisiert wurden. Neben einer Zunahme beispielsweise der sozialen Mobilität gerieten auch bürgerliche Geschlechterrollenmodelle in Bewegung, in denen Frauen aus der öffentlichen Sphäre zumeist ausgeschlossen waren. Mit Öffnung der Universitäten und neuer Berufe ergab sich für Frauen der bürgerlichen Mittelschicht eine Möglichkeit, die Frauen etwa in der Kunst schon vorher offen gestanden hatte, nämlich in einer Profession Selbständigkeit erlangen und sich selbst verwirklichen zu können. Gleichzeitig stieg aber in der unteren Mittelschicht der Druck auf Frauen, durch Berufstätigkeit zum Familieneinkommen beizutragen.

Am Beispiel verheirateter und unverheirateter Paare soll analysiert werden, wie Partner, die durch ihre Profession geschult waren, persönliche und gesellschaftliche Verhältnisse zu reflektieren und beide Seiten in einem Verhältnis zu denken, die Umbrüche der Geschlechterverhältnisse im Rahmen ihrer Partnerschaft verhandelten. Es geht also um eine eng lokalisierte Praxis der Geschlechterrollendebatte zwischen in der Regel zwei Menschen. Oft sah diese Auseinandersetzung so aus, daß Frauen, die die neuen Möglichkeiten zu nutzen suchten, bei ihren männlichen Partnern (und ihrer Umwelt) auf Widerstand stießen und sich in lebenslangen und teilweise erbitterten Auseinandersetzungen ihren Möglichkeitsraum erkämpfen mußten.

Grundsätzlich fielen diese Prozesse jedoch komplexer aus. Die Auseinandersetzungen konnten nur stattfinden, wenn die männlichen Partner zumindest bereit waren, die Umbrüche zu verhandeln. Außerdem waren durchaus nicht alle Frauen auf der "progressiven" Seite zu finden, einige verfochten bewußt "traditionale" Rollenmuster oder entwarfen "progressive" Geschlechterrollen, die faktisch aber die überkommenen Rollenmuster zementierten. Je nach Partnerschaft, je Profession, Generation und Land konnte die Aushandlungspraxis also durchaus unterschiedlich ausfallen. Reflexion, die Lebenspraxis innerhalb der Partnerschaften und die Demonstration dieser Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit - die nicht notwendig dezidiert politisch sein mußte, oft reichte auch nur das Exempel einer erfolgreichen Frau - werden in diesem Projekt analytisch verbunden, also das Binnenklima einer Partnerschaft mit der Makroebene der Gesellschaft.

 

Das Projekt befindet sich in Vorbereitung und wird zusammen mit Melanie Unseld (Musikwissenschaften) und Anja Zimmermann (Kunstgeschichte) beantragt.

 

Webmastpyjfer zktThomas Etzemülleru+3l (thomama6cxs.lxouetzemusheeller@uxaol.dg3e) (Stand: 07.11.2019)