Gerd Hoffmann

Kontakt

Raum: A06 5-501

Sprechzeiten: nach Vereinbarung - in Präsenz oder online (Studiengruppe "Sprechstunde - Gerd Hoffmann")

E-Mail:

Gerd Hoffmann

Forschungsinteressen:

  • Einfluss sozio-kognitiver Effekte beim Lernen mit digitalen Medien
  • Digitales Lehren und Lernen in der Schule
  • KI-unterstützte pädagogische Diagnostik in digitalen Lernumgebungen
  • Lehr-Lernforschung mit Learning Analytics und Educational Data Mining
  • Lehrkräftebildung

Lebenslauf

Seit 2022 | Wissenschaftliche Mitarbeit und Doktorand im Arbeitsbereich Empirische Lehr-Lern-Forschung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (FK I, Institut für Pädagogik)

2018-2022 | Lehrbeauftragter für besondere Aufgaben im Arbeitsbereich Empirische Lehr-Lern-Forschung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (FK I, Institut für Pädagogik)

2012-2016 | Wissenschaftliche Mitarbeit im BMBF-Projekt „eCompetence and Utilities for Learners and Teachers“ (eCULT) an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

2013-2014 | Wissenschaftliche Mitarbeit im BMBF-Projekt „Forschungsbasiertes Lernen im Fokus“ (FLiF) an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Bis 2010 | Studium der Informatik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Abschluss: Diplom

Promotionsprojekt

Titel

Beeinträchtigt die digitale Textdarstellung das tiefe Textverständnis? Kognitive und soziale Effekte bei individueller und kooperativer Textrezeption in traditionellen und virtuellen Hochschulseminaren

Zusammenfassung

Bestehen Unterschiede zwischen dem Lesen auf Papier und dem Lesen am Bildschirm? Zahlreiche aktuelle Studien deuten darauf hin, dass Textverständnis beeinträchtigt sein kann, wenn ein identischer Text digital statt auf Papier gelesen wird. Die bisherige Forschung zum Verständnis linearer Texte konzentriert sich vor allem auf individuelle Leseprozesse, obwohl sich kooperatives Lesen im Lernkontext als förderlich erwiesen hat. Ziel der vorliegenden empirischen Studie ist es, die bestehende Forschungslücke hinsichtlich möglicher Unterschiede zwischen kooperativem Lesen auf Papier und am Bildschirm zu schließen. Zudem sollen empirisch fundierte Indikatoren identifiziert werden, die erklären, warum das Textverständnis beim digitalen Lesen beeinträchtigt sein kann. Die Feldforschung (N = 447) wurde im Bachelor- und Master-Studiengang für das Lehramt im Institut für Pädagogik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg von Beginn des Corona-Lockdowns im Jahr 2020 bis zur vollständigen Rückkehr zur traditionellen Hochschullehre im Jahr 2023 durchgeführt. Sie gliedert sich in drei zeitlich aufeinander folgende qualitative Teilstudien. Die Gesamtergebnisse verdeutlichen, dass digitale Textformate das Textverständnis beeinträchtigen können, wenn Leser:innen ihre beim Lesen auf Papier bewährte Navigationsstrategie für wiederholtes Lesen wichtiger Passagen unverändert auf digitale Texte übertragen. Das damit verbundene häufige Bildschirm-Scrollen führt zu einem Verlust wertvoller Bearbeitungszeit, die für das Erreichen eines tiefgehenden Textverständnisses fehlt. Leistungsstarke Leser:innen nutzen für wiederholte Lesephasen hingegen eine zeitsparende Navigationsstrategie, die auf Schlüsselwörtern und der Suchfunktion basiert. Mit dieser Strategie können sie relevanten Textpassagen zielgerichtet und zeitsparend ansteuern. Auf diese Weise erzielen sie überwiegend gute bis sehr gute Ergebnisse auf der Ebene des vertieften Textverständnisses. Darüber hinaus zeigen die Daten, dass ein tiefes Textverständnis in allen Formen kooperativer Textarbeit - ob in virtuellen oder realen Klassenräumen - nur dann erreicht wird, wenn die Gruppenmitglieder den Textinhalt intensiv miteinander diskutieren. Zahlreiche aktuelle Studien verweisen auf eine beeinträchtigte Zusammenarbeit von Lernenden in virtuellen Klassenräumen, die vor allem auf Defizite bei der visuellen Wahrnehmung von Blickkontakt und Mimik während der Kommunikation zurückzuführen ist. Dieser Befund wurde durch die vorliegende Feldforschung bestätigt. Eine neue Erkenntnis der Untersuchung ist, dass die fragmentierte Wahrnehmung sozialer Signale mit wiederholter Zusammenarbeit derselben Gruppe im virtuellen Klassenraum mit der Zeit abnimmt. Durch eine damit verbundene sukzessive Vervollständigung fehlender sozialer Signale über die Zeit verbessert sich die von den einzelnen Gruppenmitgliedern erlebte emotionale und soziale Qualität der Interaktionen in der Gruppe. Dies steigert die Motivation, sich intensiv an der Kooperation zu beteiligen, und führt in der Folge zu einer hohen Qualität der kognitiven Zusammenarbeit. Auf diese Weise können virtuelle Lerngruppen ein Textverständnisniveau erreichen, das den Bestleistungen kooperativer Lerngruppen in realen Klassenräumen entspricht.

Abstract

Are there differences between reading on paper versus reading on screen? Numerous recent studies point to impaired comprehension when the same text is read in digital format instead of printed on paper. Current research on text comprehension of linear texts shows a focus on the individual reading process, although cooperation has proven to be advantageous in the context of learning. This empirical study intends to overcome the lack of empirically based research results regarding differences between cooperative reading on paper versus on screen. A further aim is to overcome the deficiency of empirically based indicators that can explain the detected impaired individual text comprehension performance while reading digital texts. The field study (N = 447) was conducted in the bachelor’s and master’s degree programs for teacher education at the Institute of Education at Carl von Ossietzky University of Oldenburg, from the beginning of the COVID-19 lockdown in 2020 until the full return to traditional university teaching in 2023. Overall results show that the digital text format impairs text comprehension when participants transfer their text navigation strategy for repeated reading of important passages from reading on paper to digital texts unchanged. Because of time-intensive scrolling operations, they lose valuable processing time, which they lack to grasp the deep level of understanding of a given text. The best performers apply a keyword- and search-function-based text navigation strategy for their repeated reading phases. They mostly achieve good and very good comprehension performance at the deep understanding level of the text. Furthermore, the collected data show that in all settings of cooperative text work, whether in virtual or real classrooms, students can achieve a high level of comprehension only if the group members discuss the text content intensely among themselves. Numerous recent studies have shown an impairment in the establishment of collaboration among learners, particularly in virtual classrooms, due to a lack of visual perception of eye contact and the facial expressions of conversation partners. This result was confirmed by the conducted field study. A new finding of the study is that the fragmented perception of social cues decreases over time when the same group repeatedly cooperates in a virtual classroom. Through a gradual completion of missing social signals over time, the emotional and social quality of the interactions experienced by individual group members improves. This increases the motivation to actively engage in cooperation and subsequently leads to a high quality of cognitive collaboration. In this way, virtual learning groups can reach a level of text comprehension that matches the best performance of cooperative learning groups in real classrooms.

Tagungsbeiträge

Sitzungsleitung:

2025 Session Chair: „Learning Strategies Across Contexts: From Classrooms to Clinical Settings“, EARLI Conference 2025, Universität Graz

Vorträge:

Mit Begutachtungsverfahren (double-blind peer review)

Hoffmann, G. (2025). Reception of digital texts in university teaching - effects on text comprehension. EARLI Conference 2025: „Realising Potentials through Education: Shaping the Minds and Brains for the Future“ an der Universität Graz vom 25.-29. August 2025 (Vortrag).

Hoffmann, G. (2024). How to foster text comprehension? Teaching strategies in virtual and real classrooms. EARLI SIG 11 & 13 Conference: „Diversity within classrooms and societies: Perspectives on Teacher, Moral, and Democracy Education“ an der University of Oxford vom  12.-14. August 2024 (Vortrag).

Hoffmann, G. (2014). Hinzulernen im Verlauf des Forschenden Lernens auf Basis von Open Educational Resources. Unterstützung einer flexiblen Wissensvermittlung mit Referatorien. „Teaching Trends 2014: Offen für neue Wege – Digitale Medien in der Hochschule“, C.v.O. Universität Oldenburg, 15.-16. Oktober 2014, (Vortrag und Buchbeitrag).

Mit Begutachtungsverfahren (blind peer review)

Hoffmann, G. (2018). Echtzeitgestützte Intervention durch die lehrende Person beim kooperativen Lernen mit vernetzten digitalen Lernumgebungen. Abschlusskonferenz der Fokus-Gruppe „Media meets Diversity @ School“: Implications and Challenges for Teacher Education im Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst, 30.-31. August 2018, (Vortrag).

Publikationen

Stand: 07.2026

Fachzeitschriften mit double-blind peer review (*) sowie Fachzeitschriftenbeiträge und Buchbeiträge

Ohmes, L., Haug, L., Wagener-Praed, U., Schlesier, J., Hoffmann, G. & Moschner, B. (2026). „Kreativität ist gedankliche Freiheit“: Konzepte von Lehramtsstudierenden zu Kreativität und ihre Bedeutung für die Lehrkräftebildung. In E. Grommé, J. Schlöpker, T. Kaiser, C. Reintjes, S. Nonte (Hrsg.). Empirische Perspektiven aus der Bildungsforschung: Wissenstransfer zwischen Empirie und Praxis. Tagungsband der AEPF 2024, (S. 65-74). Waxmann.

Hoffmann, G. (2014). Hinzulernen im Verlauf des Forschenden Lernens auf Basis von Open Educational Resources. Unterstützung einer flexiblen Wissensvermittlung mit Referatorien. In O. Zawacki-Richter, D. Kergel, N. Kleinefeld, P. Muckel, J. Stöter, K. Brinkmann (Hrsg.), Teaching Trends: Offen für neue Wege - Digitale Medien in der Hochschule, (S. 69-81). Waxmann.

Mitgliedschaften und Gremien

Mitgliedschaften:

European Association for Research on Learning and Instruction

  • SIG 7:  Technology-Enhanced Learning and Instruction
  • SIG 11: Teaching and Teacher Education
  • SIG 17: Methods in Learning Research

Gesellschaft für Informatik

  • Fachgruppe - Knowledge Discovery, Data Mining und Maschinelles Lernen
  • Fachgruppe - Virtuelle Realität und Augmented Reality

Hinweise für Studierende

Masterarbeiten

Ich biete die Betreuung von Masterarbeiten zu dem Themen Digitale Bildung und Unterrichten mit digitalen Medien an. Bei Interesse oder Fragen dazu schreiben Sie mir gerne eine Email.

Allgemeine Hinweise zu Masterarbeiten in unserer Arbeitsgruppe finden Sie hier.

Workshops und Lehrkräftefortbildungen

01/2025

Workshop zum Thema „Anwendung von Collaboration im Sinne der 21st Century Skills im schulischen Unterricht” im Rahmen der schulinternen Fortbildung der Lehrkräfte des Gymnasiums Cäcilienschule Oldenburg

10/2024

Tag der Oldenburger Lehrkräftebildung (TOLL 2024). Vortrag im Workshop C5 „Digitales Lehren und Lernen” zum Thema: Lernerzentristisches Lernen mit digitalen Medien. Welche Schüler:innen profitieren, welche nicht? 

(Stand: 10.08.2026)  Kurz-URL:Shortlink: https://uol.de/p73867
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