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Prof. Dr. Mark Schweda

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Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Fakultät VI - Medizin und Gesundheitswissenschaften
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Abteilung Medizinische Ethik
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DFG-Forschungsgruppe: Medizin und die Zeitstruktur guten Lebens

Die Forschungsgruppe „Medizin und die Zeitstruktur guten Lebens“ geht der ethischen Frage nach der Zeitstruk­tur guten Lebens im Horizont neuer medizinischer Möglichkeiten nach. Vorstellungen guten Lebens stellen einen gedanklichen Fluchtpunkt einer ganzen Reihe von Forschungsfragen in Medizin, Ethik sowie den Sozial- und Kulturwissenschaften dar. Die Forschungsgruppe widmet sich diesen oft wenig reflektierten Hintergrundannahmen systematisch und interdisziplinär. Dazu untersucht sie, (1.) welche Beziehungen zwischen medi­zinischen Konzepten, Techno­lo­gien und Prak­tiken einerseits und lebenspraktischen Orientierungen sowie normativen Vorstellun­gen von den zeitli­chen Struk­tu­ren des menschlichen Lebens andererseits bestehen, (2.) wie der Zusammenhang von Medizin und Lebenszeit in wissenschaftlichen, lebens­weltlichen und (populär-)kulturellen Narrativen dar­gestellt und verhandelt wird und (3.) wie die dabei berührten zeitlichen Aspekte guten Lebens ethisch zu verstehen und zu bewerten sind.

Die Untersuchung dieser inno­vativen Frage­stellung geht exem­pla­risch von drei medizinischen Anwendungsfeldern aus, die unterschiedliche Phasen im Lebensverlauf betreffen: (a) der Problematisierung biogra­phi­scher Phasen und Über­gänge in der Behandlung chronisch Krank­er im jungen und mittleren Erwachsenenalter, (b) den zeitlichen Planungs-, Steuerungs- und Optimierungsbemühungen im mittleren Lebensalter im Kontext der Fortpflanzungsmedizin sowie (c) der (Neu-)Ver­hand­lung des Alterns in der Gesundheitsversorgung älterer Menschen.

Die jeweils relevanten morali­schen Erfahrungen, Einstellungen und Überzeugun­gen zur Zeitlichkeit guten Lebens werden in enger interdisziplinärer Kooperation von praktischer Philosophie, Medi­zin­­ethik, Medizin, Neuerer deutscher Literatur- und Medienwis­sen­schaf­t sowie Soziologie/Sozialpsychologie untersucht. Die Er­gebnisse werden in der Perspektive einer empirisch und herme­neutisch in­for­mier­ten Ethik des guten Lebens in der Zeit zu­sammen­geführt, die den soziokulturellen Bedingungen und Anwendungs­kon­tex­ten in ihrer Vielfalt und Wandelbarkeit Rechnung zu tragen sucht. Ziel ist es, ausgehend von konkreten Fallbeispielen ein ethisch reflek­tiertes Verständnis von den zeit­li­chen Bedingungen guten Lebens im Horizont medizi­nischer Möglichkeiten zu ent­wickeln.

Die Gruppe wird in dreierlei Hinsicht innovative Forschungsleistungen erbringen: Sie analysiert zum einen interdisziplinär Zeitstrukturen guten Lebens aus der Perspektive sozial und kulturell unterschiedlich situierter Akteure. Sie untersucht zum zweiten diachron und synoptisch die bisher in der Medizin fachlich jeweils gesondert behandelten Lebensphasen und Altersstufen. Sie erreicht dies zum dritten auf der Basis einer methodisch innovativen Synthese philosophisch-ethischer, sozialempirischer und hermeneutischer Begriffe und Konzepte guten Lebens in der Zeit. 

Die Auftaktveranstaltung der DFG-Forschergruppe findet am 2. Juni 2021 statt.

(Stand: 09.06.2021)