Studien- und Lehrangebot

Studien- und Lehrangebot

An der Universität Oldenburg kann Diversitätsbewusste Sozialpädagogik im Bachelor­stu­dien­­gang Pädagogik und im Master­studiengang Erziehungs- und Bildungswissenschaften mit je­weils ausgewiesenen Schwerpunkten studiert werden. Dabei bauen die Angebote im Master­studiengang auf die Angebote im Bachelorstudiengang auf, wobei wir für Studierende, die ihren Bachelor nicht in Oldenburg ab­solviert haben, im Masterstudiengang ein besonderes Modul als Einstiegs- und Einführungs­angebot zur Verfügung stellen.

Im Bachelorstudiengang arbeiten Sozialpädagogik und Rehabilitationspädagogik eng zusammen. Rehabilitationspädagogik ist eine Erweiterung von Sonderpädagogik, die sich zum Beispiel damit befasst, die Rehabilitation von Menschen – etwa nach Krankheiten oder Schädigungen durch Unfälle – zu begleiten und zu unterstützen. Gemeinsam bieten wir die Spezialisierung „Begleiten, Unterstützen, Rehabilitieren“ an. Im Zentrum stehen Module zu Theorien und handlungsbezogenen Methoden, wobei das Angebot im Zwei-Fächer-Bachelor 09 KP, im Ein-Fach-Bachelor Pädagogik 18 KP umfasst. Hinzu kommen ein Projekt (24 KP), ein Praxismodul mit (bei Vollzeit) achtwöchigem Praktikum (15 KP) und eine Abschlussarbeit (15 KP), die sich auf sozialpädagogische Fragestellungen und Handlungsfelder konzentrieren. Außerdem gibt es eine Einführung in Rechtsgebiete, die vor allem für Studierende der Sozialpädagogik von Bedeutung sind (etwa zum Kinder- und Jugendhilfegesetz) (06 KP) sowie ein Modul, das sich auf den Umgang mit sozialer Heterogenität konzentriert (09 KP) und gewissermaßen die Grundlage zur Förderung einer diversitätsbewussten Aufmerksamkeit darstellt. Im Professionalisierungsbereich kann diese Grundlegung noch erweitert werden. Dort steht das Modul „Managing Diversity“ (06 KP) zur Verfügung. Und auch das Modul „Vorurteile, Stereotype und Gruppenprozesse“ (06 KP) aus den Bereichen von Sozialpsychologie und Pädagogischer Psychologie – studierbar allerdings nur im Ein-Fach-Bachelor Pädagogik – trägt zu einem Ausbau einer diversitätsbewussten Grundlegung bei.

Eingerahmt wird dieses Angebot zu sozialpädagogischen und diversitätsbewussten Fragen von Modulen, die auf die Entwicklung von Methodenkompetenzen im Bereich von Forschung und Evaluation zielen (12 KP) und Kenntnisse im Bereich allgemeinpädagogischer (etwa zur Geschichte und Grundbegriffen von Pädagogik, zu Sozialisationsprozessen, zu pädagogischen Handlungsfeldern außerhalb von Schule, zur Bildungspolitik) und pädagogisch-psychologischer Themen (etwa zur kognitiven und sozial-emotionalen Entwicklung) vermitteln.

Von besonderer Bedeutung ist das Projektstudium, welches es im Rahmen eines modularisierten Bachelorstudiengangs bislang einzig und allein in Oldenburg gibt. Damit wollen wir einer Tendenz zur Verschulung entgegen wirken, die in modularisierten Systemen gegeben sein kann, wenn diese Module zu eng gesetzt werden, wenig miteinander verbunden sind, kaum Eigenständigkeit und Kreativität verlangen und durch eine stark formalisierte Nachweisstruktur eher ein einseitiges Sammeln von ‚Kreditpunkten‘ und ein prüfungspragmatisches ‚Auswendiglernen‘ fördern – ein Wissen, das allenfalls im Kurzzeitgedächtnis seine Spuren hinterlässt, aber kaum zur Entwicklung von professionellen Haltungen, Reflexionswissen und Handlungskompetenzen beiträgt. Diversitätsbewusste Sozialpädagogik ist – wie beschrieben – in besonderer Weise eine handlungsbezogene Wissenschaft und eine reflexive Praxis. Die damit verbundenen inhaltlichen, thematischen und methodischen Ansprüche und Herausforderungen passen in hervorragender Weise zu einem Projektstudium.

Hier arbeiten die Studierenden in kleinen Gruppen zu Fragestellungen, die sie gemeinsam mit Projektpartnern und Projektpartnerinnen aus der Praxis erarbeiten. Die Projektarbeit erfordert
Selbstbeteiligung und Selbstaktivität, ist mit reflexiven Auseinandersetzungsprozessen verbunden, macht deutlich, wie Methoden der Datenerhebung und Datenauswertung – die bis hierher im Studium in der Regel meist streng nach Methodenlehrbuch, aber doch ohne praktische Anwendung angeeignet wurden – in der Forschungspraxis wirklich funktionieren. Die Methodenkompetenz wird hier ebenso unterstützt wie die Entwicklung einer ‚untersuchenden Haltung‘: Wir verstehen Theorien weniger als fertige Antworten, allgemeingültige Rezepte oder Vorhersagen für die Wirklichkeit, die sich über ein konkretes Praxisproblem oder eine individuelle Konstellation stülpen lassen. Vielmehr können Theorien auch als Fragenkomplexe oder als Fragenhintergrund verstanden werden, wodurch die Wahrnehmung verbessert sowie ein genaueres Hinhören und Hinsehen verlangt wird. Das Ergebnis eines Projektes steht dabei nicht von vorneherein fest. Eine gewisse Toleranz gegenüber Ungewissheiten ist gefordert. Um ein sinnvolles Ergebnis zu erzielen, kommt es zudem auf die Teamarbeit der Projektmitglieder für eine ‚gemeinsame Sache‘ an. Da dies nicht ohne intensive Kommunikation, das Lösen von Konflikten, die Überwindung von unerwarteten Hürden und eine verlässliche Partnerschaft mit verbindlichen Absprachen funktioniert, werden – gleichsam nebenbei – auch Sozial-, Selbst- und Kommunikationskompetenzen gefördert. Zudem haben die Projekte ‚Ernstcharakter‘. Es geht um reale Konstellationen, Probleme, Konflikte, Möglichkeiten usw. in Arbeits- und Handlungsfeldern. Wenn zum Beispiel Adressatinnen oder Adressaten oder Expertinnen und Experten Sozialer Arbeit interviewt werden, dann wird deutlich, dass hier mit Menschen umgegangen wird, die sehr wahrscheinlich einen anderen biographischen Erfahrungshintergrund in unterschiedlichen Lebens- und Berufswelten als die Studierenden haben. Die Befragten möchten in ihren jeweiligen Kontexten ‚verstanden‘ werden und haben nicht nur ein Recht auf Verlässlichkeit, respektvolle Behandlung und auf Anonymisierung ihrer Daten, sondern wollen meist auch noch wissen, worin der Sinn dieser Forschung liegt und welcher Nutzen zu erkennen ist.

Einige Grundanliegen und Ideen dieses Projektstudiums haben wir auch bei der Ausgestaltung des Masterstudienganges Erziehungs- und Bildungswissenschaften berücksichtigt. In einem nur zweijährigen Programm können wir jedoch kein wirklich umfassendes Projektstudium anbieten, wohl aber findet auch im Master ab dem 2. Semester ein sozialpädagogisches Lehrforschungsprojekt statt.

Die diversitätsbewusste Sozialpädagogik stellt im Masterstudiengang einen eigenständigen Schwerpunkt dar. Im ersten Semester gibt es – wie bereits erwähnt – besonders für Studierende, die ihren Bachelor Pädagogik oder Soziale Arbeit nicht in Oldenburg abgeschlossen haben, die Möglichkeit, ein Wahlpflichtmodul zu besuchen, welches in diversitätsbewusste und interkulturelle Themen einführt (09 KP). Für alle anderen, die sich schon im Bachelor intensiv mit solchen Themen befasst haben, stellt dieses Modul ein konzentriertes Angebot zur Wiederholung und Auffrischung dar. Zudem gibt es im ersten Semester auch die Möglichkeit, aus drei weiteren Modulen des Wahlpflichtbereiches zu wählen („Organisation, Recht und Management im Bildungs- und Sozialbereich“, „Bildung und Medien“ „Special Needs Education/Handlungsfelder der Rehabilitationspädagogik“). Insgesamt sind in diesem Wahlpflichtbereich zwei Module zu studieren. Darüber hinaus müssen als Pflichtmodule „Wissenschaftstheorien und Theorien der Erziehungswissenschaften“ (09 KP) und „Forschungsmethoden“ (09 KP) besucht werden.

Ab dem zweiten Semester liegt das Hauptgewicht des Studiums auf dem gewählten Schwerpunkt. Für die diversitätsbewusste Sozialpädagogik stehen fünf Module im Gesamtumfang von 45 KP zur Verfügung: „Geschichte und Theorien der Sozialpädagogik“ (09 KP), „Soziale Dienste, Sozialpolitik, Sozial- und Antidiskriminierungsrecht“ (09 KP), „Handlungs­felder, professionelle Handlungskompetenzen und Methoden“ (09 KP), „Fallanalysen, Fall­arbeit, Fallstudien“ (09 KP) und „Internationaler Forschungsstand und aktuelle Forschungsperspektiven“ (09 KP). Das erwähnte Lehrforschungsprojekt ist bei dem letzt genannten Modul ‚angedockt‘, kann sich aber auf alle sozialpädagogischen Module beziehen und wird mit Hilfe eines Mentorenprogramms begleitet.

Abgerundet wird dieses Angebot durch ein Praxismodul (15 KP), welches ein (bei Vollzeit) achtwöchiges Praktikum in einem sozialpädagogischen Handlungsfeld umfasst und durch eine Masterabschlussarbeit (12 KP) mit einer sozialpädagogischen Themensetzung, die durch ein Abschlusskolloquium (03 KP) begleitet und unterstützt wird.

(Stand: 21.09.2020)